Die OMV wettert gegen Amerika

OMV-Chef Rainer Seele will die Kooperation mit Moskau trotz Sanktionsdrohungen aus den USA weiter ausbauen. Für die Nord Stream 2 hat die OMV schon 200 Mio. Euro überwiesen.

Rohre fŸr Nordstream 2
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Rohre fŸr Nordstream 2
Die Rohre für die Nord Stream 2 sind schon geliefert. – (c) APA/ dpa-Zentralbild/ Jens BŸttner

Wien. Trotz drohender Sanktionen aus den USA stellt OMV-Chef Rainer Seele die engere Zusammenarbeit mit der russischen Gazprom nicht infrage. „Wir halten an unserer Strategie fest und bauen eine Kernregion Russland auf“, sagte er am Donnerstag. Die OMV-Beteiligung an den beiden sibirischen Gasfeldern Juschno Russkoje und Urengoi sieht er nicht im Visier der Amerikaner. Und auch die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2, die noch mehr russisches Gas nach Europa bringen soll, will Seele „nach Möglichkeit“ weiter verfolgen. Wie berichtet, hat US-Präsident Donald Trump vergangene Woche ein Gesetz unterschrieben, das härtere Sanktionen gegen Moskau und Unternehmen, die mit Russland Geschäfte machen, ermöglicht. Die Nord Stream 2 ist in dem Text explizit als Beispiel für Projekte genannt, die aus US-Sicht abzulehnen seien.

„Die USA versuchen, den Import von russischem Gas nach Europa zu erschweren, um ihr Flüssiggas unterzubringen“, sagte der Konzernchef. „Aber die europäische Energieversorgung ist immer noch eine europäische Angelegenheit und nicht eine der USA“, polterte Seele. Tatsächlich hat das teurere Flüssiggas in Europa heute de facto keine Bedeutung. Der „Schlachtruf ,America first‘“ markiere eine Trendwende in den transatlantischen Beziehungen. Die EU reagiere und mache sich endlich unabhängig und autark. Aus diesem Grund sei „aus EU-Sicht auch die Nord Stream 2 faktisch unverzichtbar“. Die Pipeline ist allerdings auch in der EU sehr umstritten. Osteuropäer und Balten kritisieren, dass die Leitung die Abhängigkeit von Moskau weiter erhöhe und Transitstrecken durch die Ukraine, die Slowakei und Polen überflüssig würden.

 

Vier Milliarden Euro in Cash

Welche konkreten Auswirkungen US-Sanktionen auf die OMV haben könnten, wollte das Unternehmen nicht kommentieren, da nicht einmal klar sei, ob Donald Trump überhaupt gewillt sei, neue Sanktionen zu erlassen.

Am gefährdetsten ist die Zusammenarbeit von OMV und Gazprom bei der Nord Stream 2. Gemeinsam mit der deutschen Wintershall, Juniper, Royal Dutch Shell und der französischen Engie hat das heimische Unternehmen Gazprom zugesichert, die Hälfte der 9,5 Milliarden Euro an Kosten zu tragen. 200 Millionen Euro hat die OMV bereits überwiesen. Der Rest sollte ursprünglich über Banken finanziert werden. Das sei angesichts der Sanktionsdrohungen der USA „sicher nicht leichter“ geworden, räumte Seele ein.

Genügend Kleingeld, um auch den Rest des Betrags aus der eigenen Tasche zu bezahlen, hätte die OMV derzeit in jedem Fall. Der Verkauf der britischen OMV-Tochter und der Tankstellenkette Petrol Ofisi in der Türkei hat den Cash-Bestand im Unternehmen auf 4,2 Milliarden Euro ansteigen lassen. Zum Vergleich: Vor eineinhalb Jahren hatte die OMV noch fast vier Milliarden Euro Schulden.

 

Türkei war ein Verlustgeschäft

Dennoch war der Verkauf der Petrol Ofisi kein voller Erfolg. „Unterm Strich war das Engagement in der Türkei nicht gewinnbringend für die OMV“, sagte Rainer Seele. Der damalige Kaufpreis lag mit zwei Milliarden Euro deutlich über den 1,4 Milliarden, die das Unternehmen dafür bekommen hat. Zudem wurden mit dem Verkauf auch kumulierte Fremdwährungsverluste der vergangenen Jahre in Höhe von 1,2 Milliarden Euro schlagend. Darum lag das Nettoergebnis des Konzerns im ersten Halbjahr auch mit 316 Millionen Euro im Minus, obwohl der operative Gewinn vor Sondereffekten um 147 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro gesteigert werden konnte.

Das starke operative Ergebnis ist auch Resultat des konsequenten Sparkurses, der im Konzern gefahren wird. Das Ziel, die Kosten um 250 Millionen Euro gegenüber 2015 zu drücken, dürfte noch heuer erreicht werden. Die durchschnittlichen Produktionskosten der OMV für ein Fass Öl liegen bei neun Dollar. Das ist fast ein Fünftel weniger als 2016. (auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2017)

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