Charlottesville: Wirtschaftsbosse verlassen Trumps Industrierat aus Protest

Der Intel-Chef und ein Sportartikelhersteller wollen den US-Präsident nicht mehr beraten. Trump habe nicht angemessen auf die rechtsextreme Gewalt in Virginia reagiert.

Krzanich (links von Trump) tritt aus dem Beratergremium zurück.
Krzanich (links von Trump) tritt aus dem Beratergremium zurück.
Krzanich (links von Trump) tritt aus dem Beratergremium zurück. – imago/UPI Photo

US-Präsident Donald Trump verliert weiter an Rückhalt unter den Wirtschaftsführern des Landes. Nach dem Chef des Pharmakonzerns Merck haben zwei weitere Konzernchefs ihren Dienst in einem Beratergremium des Präsidenten quittiert - aus Protest gegen dessen Reaktion auf rechtsextreme Gewalt in der US-Stadt Charlottesville.

Intel-Chef Brian Krzanich und der Chef des Sportartikelherstellers Under Armour, Kevin Plank, erklärten am Montag, sie seien nicht mehr Teil des Industrierats, der Trump in wirtschaftspolitischen Fragen berät. "Ich trete zurück und will damit Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Gefahr lenken, die die politische Spaltung für wichtige Themen darstellt", schrieb Krzanich auf seinem Blog. Der Gewerkschaftsverband AFI-CIO erklärte, er prüfe einen Rückzug. Zuvor hatte Merck-Chef Kenneth Fraizer seinen Rücktritt angekündigt, der einzige Afroamerikaner in dem Beraterstab.

Bei einem Neonazi-Aufmarsch am Samstag in Virginia war ein mutmaßlicher Rechtsextremist in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren und hatte dabei eine Frau getötet und mehrere Teilnehmer schwer verletzt. Trump geriet daraufhin auch in den eigenen Reihen in die Kritik, weil er die Rechtsextremisten der "White Supremacy"-Bewegung zunächst nicht explizit verurteilte. Er hatte zunächst allgemein Hass und Fanatismus auf "vielen Seiten" angeprangert. Am Montag distanzierte er sich dann doch von Rechtsextremisten. Gruppen der Ku-Klux-Klan sowie Neonazis stünden allem entgegen, was Amerikaner wertschätzten.

Trump kontert Merck-Chef auf Twitter

Trumps erste Reaktion hatte schon den Chef des US-Pharmakonzerns Merck dazu veranlasst, ein Beratergremium des Präsidenten zu verlassen. Der Afroamerikaner Kenneth Frazier erklärte auf Twitter, die Führung des Landes müsse "zu unseren grundsätzlichen Ansichten stehen" und klar Position beziehen gegen Hass, Fanatismus und eine angebliche Überlegenheit bestimmter Gruppen. Trump erwiderte kurze Zeit später ebenfalls per Twitter, der Merck-Chef werde dann wohl jetzt mehr Zeit haben, die hohen Arzneimittelpreise zu senken.

In den vergangenen Monaten haben sich bereits mehrere Top-Manager aus dem Beraterstab Trumps zurückgezogen. So legte Tesla-Chef Elon Musk sein Amt nieder, nachdem Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hatte. Ex-Uber-Chef Travis Kalanick schied im Protest gegen die Einwanderungspolitik aus.

(APA/dpa/Reuters)

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