Ryanair will gegen Staatshilfen für Air Berlin vorgehen

Der Insolvenzantrag sei arrangiert worden, damit die deutsche Lufthansa eine schuldenfreie Fluglinie übernehmen könne, argumentiert der irische Billigflieger.

EUTERS/Axel Schmidt

Die EU-Kommission prüft die Staatshilfen für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. "Wir stehen in dieser Angelegenheit im konstruktiven Kontakt mit Deutschland", sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag. Die Kommission sei immer bereit, mit den Mitgliedsländern Pläne in Einklang mit den EU-Regeln zu diskutieren. Staatsbeihilfen, die den Wettbewerb in Europa verzerren, sind laut EU-Recht verboten.

Ryanair hatte zuvor mitgeteilt, gegen die Staatshilfen für Air Berlin vorzugehen und Beschwerde bei den Kartellbehörden einzulegen. Der Insolvenzantrag sei mit dem Ziel arrangiert worden, dass die Deutsche Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin übernehmen könne, erklärte der irische Billigflieger. Dies verstoße gegen deutsche und EU-Wettbewerbsregeln. Deshalb würden Bundeskartellamt und EU-Kommission aufgefordert, umgehend Schritte zu unternehmen. Reisende müssten künftig höhere Preise für Tickets zahlen, warnte Ryanair.

Gekaufte Tickets bleiben gültig

Fachleute haben hierzu unterschiedliche Meinungen. Eine Teil-Übernahme der insolventen Air Berlin durch den Lufthansa-Konzern muss nach Auffassung eines Verbraucherschützers nicht automatisch zu höheren Ticketpreisen für Passagiere führen. "Es wird auch darauf ankommen, wer noch zum Zuge kommt", sagte der Touristik-Experte der Verbraucherzentrale Bundesverband, Felix Methmann, der Deutschen Presse-Agentur. Der Wettbewerb auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt könne sich künftig durchaus verschärfen, sagte er mit Blick auf die Angebote zahlreicher europäischer Billigfluggesellschaften.

Er gehe davon aus, dass die Air Berlin übernehmenden Gesellschaften das Geschäft besser organisieren werden als das Unternehmen bisher selbst, sagte Methmann. "Die haben viele ihrer Flugzeuge schlicht nicht vollbekommen." Es sei aus seiner Sicht möglich, dass bereits der Insolvenzverwalter Überkapazitäten aus dem Angebot nehme und unrentable Verbindungen streiche.

Indes hat die Stiftung Warentest darauf hingewiesen, dass die Tickets gültig bleiben und Flüge weiterhin buchbar seien. "Sollte Air Berlin den Flugbetrieb doch irgendwann einstellen und der Flug auch nicht von einer anderen Airline übernommen werden, erhalten Kunden wahrscheinlich nur wenig oder nichts vom Ticketpreis zurück", warnte die Stiftung. Entschädigungsansprüche nach Flugstreichungen oder Verspätungen blieben zwar bestehen. "Ob die Airline aber solche Forderungen der Passagiere zahlen kann, hängt davon ab, wie es mit Air Berlin weitergeht", hieß es.

Wettbewerbsverschärfung droht

Die Mutter der österreichischen Fluggesellschaft Niki hatte zuvor Insolvenz angemeldet. Nun springt die Bundesregierung mit einem 150 Millionen Euro schweren Kredit der KfW ein. Sie sorgt dafür, dass die chronische defizitäre Fluggesellschaft die nächsten drei Monate überbrücken kann und die Maschinen nicht am Boden bleiben müssen. Das Geld soll bis Ende November reichen.

Letztlich ruhen die Hoffnungen vor allem auf der Deutschen Lufthansa, die seit längerem über die Übernahme von Teilen von Air Berlin verhandelt. Auch mit der Billigfluglinie Easyjet gebe es Gespräche, sagte ein Insider zu Reuters. Damit sollten vor allem die Start- und Landerechte von Air Berlin auf dem Heimatflughafen in Berlin sowie in Düsseldorf gesichert werden. "Ziel war es, Ryanair draußen zu halten", sagte der Insider.

 

 

(APA/Reuters/dpa)

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