Wachstum in Osteuropa bleibt hinter den Erwartungen zurück

Konjunktur. Das rasante Wirtschaftswachstum in Polen, Rumänien und Ungarn ging zurück. Nun steigen vor allem Inflation und Lohnkosten.

Hornbach in Rumänien/Kronstadt.
Hornbach in Rumänien/Kronstadt.
Hornbach in Rumänien/Kronstadt. – (c) imago/allOver (KTH)

Wien. Es sind noch immer imposante Konjunkturdaten, die aus den EU-Ländern im Osten gemeldet werden. Dennoch brachte das zweite Quartal nun eine klare Trendwende. Länder wie Polen, Rumänien und Ungarn konnten das rasante Tempo nicht mehr halten, das Wirtschaftswachstum ging signifiant zurück.

So sank etwa in Polen das BIP-Wachstum im zweiten Quartal auf 3,8 Prozent, Wirtschaftsforscher erwarten aber für dieses Jahr insgesamt dennoch ein Wachstum von vier Prozent. „Die Wirtschaft stößt an Kapazitätsgrenzen“, sagt der Ökonom Liam Carson der Agentur Bloomberg. Der Experte von Capital Economics in London verweist etwa darauf, dass in vielen Regionen Vollbeschäftigung – ja mittlerweile Personalmangel herrscht, dass Fabriken voll ausgelastet seien.

Rumänien wies nach wie vor die höchste Wachstumsrate aller EU-Länder aus. Doch waren es in den ersten drei Monaten noch 5,7 Prozent, lag das Wachstum im zweiten Quartal bei 5,1 Prozent. Das Land hatte mit Steuersenkungen und staatlichen Investitionen das Wachstum kräftig befeuert. Nun weist es die höchste Inflation seit drei Jahren auf. Die rumänische Notenbank signalisiert bereits eine Zinserhöhung.

Auch in Ungarn sank das Wirtschaftswachstum von 4,2 auf 3,6 Prozent. Die Regierung bleibt aber bei ihrem Ausblick von einem BIP-Wachstum für das Gesamtjahr von 4,1 Prozent. So wie in den anderen osteuropäischen EU-Ländern bleibt die Konsumnachfrage stabil. „Die Region profitiert nach wie vor vom guten Konsumklima im Inland und der soliden Exportwirtschaft“, sagte Radomir Jac, Chef-Ökonom von Generali Investments.

Nur in der Slowakei und in Tschechien läuft der Wirtschaftsmotor auch 2017 weiterhin auf Hochtouren. Die Slowakei wird so wie im vergangenen Jahr auch heuer eine Wachstumsrate von 3,3 Prozent anpeilen. Auch die tschechische Wirtschaft hat im zweiten Quartal das Wachstum kräftig beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im Jahresvergleich um 4,5 Prozent, während es im ersten Quartal 2,9 Prozent waren, teilte das tschechische Statistikamt am Mittwoch mit. Das Wachstum sei vor allem auf die Inlandsnachfrage und die Investitionsaktivität der Firmen zurückzuführen.

2016 hatte die Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent zugenommen. Fürs Jahr 2017 rechnen die Experten mit einem Wachstum von über drei Prozent.

 

Eurozone hält mit den USA mit

Die Wirtschaftsleistung ist in der EU und in der Eurozone im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres um 0,6 Prozent gestiegen, meldete das EU-Statistikamt Eurostat. In Österreich betrug der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 0,9 Prozent.

Im Vergleich zum entsprechenden Quartal des Vorjahres hat das saisonbereinigte BIP im zweiten Quartal 2017 im Euroraum um 2,2 Prozent und in der gesamten EU um 2,3 Prozent zugelegt, nach einer Steigerung von 1,9 Prozent beziehungsweise. 2,1 Prozent im Vorquartal. In Österreich betrug das BIP-Wachstum im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr 2,9 Prozent nach 2,1 Prozent im ersten Quartal.

Mit einem Quartalswachstum von 0,6 Prozent hält die Eurozone nun auch wieder Schritt mit den USA. Zuletzt hatten die Vereinigten Staaten deutlich bessere Wirtschaftsdaten geliefert als die Euroländer. (ag.)

AUF EINEN BLICK

Osteuropa. Steigende Inflation und Löhne bremsen das Wirtschaftswachstum in Polen, Rumänien und Ungarn. Im zweiten Quartel verzeichneten diese Länder erstmals seit langer Zeit niedrigere Wachstumsraten. Noch auf Hochtouren läuft der Wirtschaftsmotor in der Slowakei und in Tschechien. Im Euroraum wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,6 Prozent (in Österreich um 0,9 Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2017)

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