Westbahn investiert 180 Mio. und verdoppelt ihr Angebot

Statt bisher 16-mal am Tag will der private Bahnbetreiber künftig 31-mal täglich von Wien nach Salzburg fahren. Die Abfahrt der Westbahn-Züge erfolgt dabei auch entlang der gesamten S-Bahn-Stammstrecke. Bis 2020 soll sich die zusätzliche Investition rentieren.

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Themenbild: Westbahn – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Seit 2012 fährt die private Westbahn auf der Weststrecke zwischen Wien und Salzburg in Konkurrenz zu den ÖBB. 300 Mio. Euro haben sich Hauptinvestor Hans Peter Haselsteiner und seine Mitfinanciers (unter anderem Erhard Grossnigg) das bisher kosten lassen. Dafür gab es 2016 auch erstmals ein kleines Plus beim Gewinn vor Steuern, wie es im Mai hieß. Die Abschreibung zurückzuverdienen gehe sich jedoch noch nicht vollständig aus, hieß es damals.

Das wird ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember noch einmal schwieriger. Denn die Westbahn nimmt bis dahin noch einmal 180 Mio. Euro in die Hand, um ihr Angebot zu verdoppeln. Statt sieben Zuggarnituren sollen schlussendlich 17 vom Schweizer Hersteller Stadler hergestellte Doppelstockzüge zwischen der Bundeshauptstadt und Salzburg fahren. Die Zahl der täglichen Abfahrten (je Richtung) wird dadurch von 16 auf 31 erhöht, so Westbahn-Chef Erich Forster am Donnerstag vor Journalisten. Die Zahl der Mitarbeiter steigt von 250 auf 400.

 

Vom Praterstern nach Salzburg

Die Westbahn will dadurch auch ihr Einzugsgebiet erweitern. Denn statt wie bisher nur vom Wiener Westbahnhof, soll jeder zweite Zug künftig am Praterstern starten, und Zustiege entlang der gesamten S-Bahn-Stammstrecke – also auch am Hauptbahnhof – sollen möglich sein. „Diese Linie wird mittelfristig wahrscheinlich sogar die stärker frequentierte sein“, so Forster.

Wirtschaftlich bedeutet diese Investitionsoffensive jedoch auch eine neue Hürde, die übersprungen werden muss. Reichte bisher ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 15 Mio. Euro, um dauerhaft im grünen Bereich zu sein, sind es künftig 30 bis 35 Mio. Euro, so Forster. Bis 2020 soll dieser Wert erreicht werden. Im Vorjahr erzielte die Westbahn ein Ebitda von elf Mio. Euro. Zum ersten Halbjahr 2017 wollte Forster keine genauen Zahlen nennen, es sei jedoch erneut besser gelaufen.

Durch das vermehrte Angebot sollen auch Passagierzahlen und Umsatz deutlich zulegen. Statt derzeit fünf Millionen Passagieren will die Westbahn künftig zehn Millionen pro Jahr transportieren. Der Umsatz soll von rund 60 Mio. Euro dadurch auf „über 100 Mio. Euro“ ansteigen.

 

Zug-Lotterie-Ticket

Damit die Auslastung der Züge verbessert wird (derzeit sind die Westbahn-Züge auf die gesamte Strecke gerechnet zu 45 Prozent ausgelastet), bietet das Unternehmen auch ein neues Ticket an. Der Kunde definiert hierbei einen Zeitraum von drei Stunden am jeweiligen Reisetag und erhält am Tag davor den genauen Zug zugewiesen, den er benutzen kann. Statt knapp 20 Euro soll dadurch etwa die Fahrt von Wien nach Linz nur mehr acht Euro kosten.

Keine Probleme erwartet sich Forster dadurch, dass die Westbahn-Züge künftig auf der Wiener S-Bahn-Trasse unterwegs sind. Da die Westbahn seit 2013 ja nicht mehr im Verkehrsverbund Ostregion ist, dürfen VOR-Dauerkartenbesitzer die Züge nicht nutzen. Man wolle in der Anfangszeit jedoch bei falschem Einsteigen informieren und keine Ticketgebühren verlangen. Solche falschen Benützungen könnten indes sogar Kunden auf den Geschmack der Westbahn bringen, so Forster. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2017)

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