Hypo gerettet, Bangen um Volksbank

Österreichs Banken müssen noch einmal bis zu zwanzig Milliarden Euro wertberichtigen. Nach der Kärntner Hypo ist auch die Entwicklung bei der Volksbanken AG besorgniserregend.

(c) APA (Robert Jäger)

Nach der Kärntner Hypo Group wächst am Finanzplatz die Sorge um die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG). Die Kärntner Hypo musste am Montag mit der Zwangsverstaatlichung vor der Pleite gerettet werden. Nun haben die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Nationalbank (OeNB) das Spitzeninstitut der österreichischen Volksbanken auf die „Beobachtungsliste“ gesetzt.

Laut „Presse“-Informationen verlangt die Bankenaufsicht, dass die Eigentümer ein Zukunftskonzept für das Institut vorlegen. Die ÖVAG ist mit einer Bilanzsumme von 53 Milliarden Euro nach Bank Austria, Erste Bank und Raiffeisen Zentralbank das viertgrößte Finanzinstitut des Landes und gilt als systemrelevant. Sie kann daher nicht fallen gelassen werden. Ähnlich wie die Kärntner Hypo ist die ÖVAG im Zuge der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Sie hat allein in den ersten drei Quartalen 2009 einen Vorsteuerverlust von 607Millionen Euro erwirtschaftet. Begründet wird dies mit hohen Abschreibungen, unter anderem auf Immobilienbeteiligungen in Osteuropa.

 

Verstaatlichung der ÖVAG?

Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) ist bereits über die Lage bei den Volksbanken informiert. In einem Brief an Pröll betonen die Vorstände der Banken-ÖIAG-Tochter Fimbag, die für das staatliche Bankenhilfspaket zuständig ist, dass neben der Hypo Group auch die ÖVAG eine „besorgniserregende Entwicklung“ aufweist.

Das Schreiben, das von den früheren Notenbank-Chefs Klaus Liebscher und Adolf Wala unterzeichnet wurde, liegt der „Presse“ vor. Der Fimbag-Vorstand empfiehlt der Bank darin die Hereinnahme eines strategischen Partners, „der gleichzeitig als Finanzinvestor fungiert“. Dabei hatte die ÖVAG schon im Frühjahr vom Staat eine Milliarde Euro erhalten. Analog zur Hypo schließt der Fimbag-Vorstand beim Volksbanken-Spitzeninstitut „eine aktive Einbindung der Republik Österreich“ nicht aus.

Um den Turnaround zu schaffen, will sich ÖVAG-Chef Gerald Wenzel im nächsten Jahr von den Eigentümern 400Millionen Euro holen. Dem Vernehmen nach dürfte jedoch die deutsche DZ-Bank, die 25 Prozent an der ÖVAG hält, bei der Kapitalerhöhung nicht mitmachen. Auch die Raiffeisen Zentralbank, die mit sechs Prozent am Volksbanken-Institut beteiligt ist, wird voraussichtlich keine neue Aktien zeichnen.

 

Weitere Abschreibungen

Beobachter zweifeln, dass sich angesichts dieser Ausgangslage ein Partner für die ÖVAG finden lässt.

Wie bei der Hypo Kärnten schaut der Staat bei den Volksbanken schon jetzt durch die Finger. Die ÖVAG kann heuer und 2010 die Zinsen für die Staatshilfe nicht zahlen. Damit entgehen dem Finanzminister 186 Millionen Euro. Trotzdem sind Bankchef Wenzel und ÖVAG-Aufsichtsratspräsident Hans Hofinger überzeugt, dass sie die Krise allein bewältigen können.

Passend zur Hypo-Krise hat die Nationalbank am Montag die Ergebnisse eines Belastungstests für die österreichische Finanzbranche veröffentlicht. Angenommen wurde, dass die Wirtschaft 2010 weiter schrumpft, und dass sich die Kreditausfälle in Osteuropa stark erhöhen. Laut Nationalbank-Vorstand Andreas Ittner haben eine Großbank und 30 kleinere Institute den Test nicht bestanden. Namen nannte er nicht. Doch bei der einen Großbank handelt es sich klarerweise um die Hypo Group. Ein weiteres großes Finanzinstitut ist laut Ittner „nahe an der regulatorischen Grenze“ gelandet – diese Bank werde daher Kapital brauchen. Insidern zufolge geht es um die ÖVAG.

Die Nationalbank geht davon aus, dass Österreichs Banken bis Ende 2011 noch einmal zehn Milliarden Euro wertberichtigen müssen. Im schlimmsten Fall könnten es sogar 20 Milliarden Euro sein. Bislang wurden erst zehn Milliarden Euro abgeschrieben.

 

Konsolidierung am Finanzsektor

OeNB-Chef Ewald Nowotny erwartet, dass auf dem heimischen Bankensektor mittelfristig kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Ex-Finanzminister Hannes Androsch hat kürzlich im „Presse“-Gespräch ähnlich argumentiert – er verwies auf den westlichen Nachbarn: „Österreich hat sechs systemrelevante Großbanken, die Schweiz nur zwei.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2009)

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