US-Protektionismus würde Österreicher 100 Euro im Jahr kosten

Setzt Trump seine protektionistischen Ankündigungen um, würden beinahe alle Länder an Einkommen verlieren. Auch die USA selbst. Für jeden Österreicher hieße das ein Einkommensminus von knapp 100 Euro im Jahr.

U S President Donald Trump pauses during a ceremony to commemorate the September 11 2001 terrorist
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U S President Donald Trump pauses during a ceremony to commemorate the September 11 2001 terrorist
US-Präsident Donald Trump ist mit protektionistischen Plänen angetreten. Verwirklicht er sie, wird es für die ganze Welt teuer. – imago/UPI Photo

Wien. Gestartet hat US-Präsident Donald Trump mit einem Donnerschlag: Nur drei Tage nach seinem Amtsantritt kündigte er die Teilnahme der USA am transpazifischen Freihandelsabkommen TPP auf. Seither wurde es jedoch etwas ruhiger um die anti-protektionistischen Maßnahmen Trumps. So wird das seit 1994 in Kraft befindliche Freihandelsabkommen Nafta zwar neu verhandelt, die Drohung, vollständig auszusteigen zog Trump aber wieder zurück. Und auch von der Border-Adjustment-Tax rückte das Weiße Haus ab.

Einen möglichen Grund für diese Rückzieher liefert nun eine Studie des Münchner ifo-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die Ökonomen haben dabei durchgerechnet welche Auswirkungen eine Abschaffung von Nafta oder eine grundsätzlich protektionistische Politik Washingtons auf die Wirtschaft der Industrieländer hätte. Das Ergebnis: Bis auf wenige Ausnahmen hätten alle Nationen Einkommensverluste hinzunehmen. Und die USA selbst sind dabei keine Ausnahme. Vielmehr: „In allen berechneten Szenarien gehören die USA zu den vier Ländern mit den höchsten Einkommenseinbußen“, schreiben die Autoren. Es wäre daher im eigenen Interesse „von der angedrohten protektionistischen Handelspolitik Abstand zu nehmen.“

Kanada als großer Verlierer

Konkret würde beispielsweise die Abschaffung von Nafta alle drei beteiligten Länder (USA, Kanada und Mexiko) massiv treffen. Das Einkommensminus pro Kopf wäre überraschenderweise in Mexiko mit 93 Dollar und Jahr am geringsten. Stärker wären bereits die USA selbst betroffen. Dort würden die die realen Jahreseinkommen um 125 Dollar fallen. Am kräftigsten würde es die Kanadier erwischen, die mit einem Minus von 729 Dollar rechnen müssten. Andere Länder würden durch den geringeren Handel innerhalb Nordamerikas zwar profitieren. So könnte Norwegen sich über ein Plus von fast 65 Dollar freuen. Meist wären die Zuwächse mit zwölf Dollar für Deutschland oder 2,4 Dollar für Österreich pro Kopf und Jahr aber vergleichsweise gering.

Warum auch die Amerikaner von einer protektionistischen Politik so stark betroffen wären, erklären die Ökonomen folgendermaßen. Einzelne, bisher nicht wettbewerbsfähige Branchen würden durch Handelshemmnisse zwar wieder konkurrenzfähig, was dort Jobs und Löhne erhalten würde. Alle anderen Branchen sowie die Konsumenten müssten jedoch höhere Preise für importierte Produkte bezahlen und könnten weniger in andere Länder exportieren, was Kaufkraft nimmt und so schlussendlich zu Einkommensverlusten führt.

Nur mehr Verlierer

Noch deutlich stärker wären die Auswirkungen, würden die USA eine generell protektionistische Politik fahren. Die Studienautoren nehmen in ihrem Szenario eine Anhebung von Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen um 20 Prozent an. In diesem Szenario gäbe es gar keine Gewinner mehr, sondern nur noch Verlierer. Neben Kanada (minus 1818 Dollar) wären das vor allem Luxemburg (minus 1869 Dollar) und Irland (minus 1426 Dollar). Danach folgen aber bereits die USA selbst mit (1304 Dollar). Österreich würde in diesem Szenario ein Minus von 91 Dollar je Kopf beim realen Einkommen drohen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2017)

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