Warum Australien keine Autos mehr baut

Toyota hat seine Produktion eingestellt, in gut zwei Wochen schließt General Motors die letzte australische Autofabrik. Die Gewerkschaften klagen - und tragen wohl Mitschuld.

Auf Pferde umsatteln müssen die Australier nun nicht. Schon heute werden die meisten Autos importiert.
Auf Pferde umsatteln müssen die Australier nun nicht. Schon heute werden die meisten Autos importiert.
Auf Pferde umsatteln müssen die Australier nun nicht. Schon heute werden die meisten Autos importiert. – REUTERS

Nach mehr als einem halben Jahrhundert hat der japanische Autokonzern Toyota seine Produktion in Australien eingestellt. Im Werk Altona North, einem Vorort von Melbourne, lief am Dienstag das letzte Fahrzeug vom Band. Der Camry wird in einem Museum in Japan landen. 2700 Angestellte verlieren ihren Job. Der Industrieminister des Bundesstaats Victoria, Wade Noonan, sprach von einem "furchtbar traurigen Tag".

Die Autoproduktion in Australien steht nun auch insgesamt unmittelbar vor dem Aus. In der Blütezeit gab es „Down Under“ vier Autohersteller. Mitsubishi schloss seine Tore schon 2008. Im Jahr 2013 entschlossen sich die US-Hersteller Ford und General Motors zum Rückzug. Ford vollzog ihn im Vorjahr. Am 20. Oktober wird Holden, das zu General Motors gehört, seine Produktion in der Nähe von Adelaide einstellen. Dann wird kein Auto mehr am fünften Kontinent produziert – zuletzt waren es noch rund 150.000 jährlich.

Kleiner Markt, lange Wege, hohe Kosten

Mit ihrer Entscheidung vor vier Jahren besiegelten die Amerikaner auch das Schicksal von Toyota vor Ort. Von einem einzigen Hersteller können die die Zulieferbetriebe nicht leben, weil die Stückzahlen für eine rentable Produktion zu klein wären. Bei ihnen gehen gehen fünf Mal so viele Arbeitsplätze verloren als bei den Autobauern selbst, schätzen die Gewerkschaften. Sie sind an der Entwicklung aber wohl nicht ganz unschuldig: Ein Ex-Manager von Toyota sagte, dass die allzu kämpferische und unflexible Haltung der Gewerkschaften zum Ausstiegsentscheid beigetragen habe.

Die Gründe liegen freilich noch tiefer: Die lokalen Absatzzahlen blieben gering, auch wegen des stark fragmentierten Marktes. Die meisten Modelle werden schon lange importiert. Umgekehrt machen die hohen lokalen Lohnkosten und die langen Transportwege Exporte aus Australien, die höhere Stückzahlen ermöglicht hätten, schwierig und unattraktiv.

Die Schließung des Toyota-Werkes will der australische Staat mit einem Programm von umgerechnet etwa 66 Mio. Euro abfedern. Die Gewerkschaften vermuten, dass von den Beschäftigten trotz eines Umschulungsprogramms viele keinen anderen Arbeitsplatz finden werden. Nach ihren Angaben hat bisher nur etwa ein Drittel eine neue Stelle. Dennoch begingen die Angestellten den Abschied, wie es sich in Australien gehört: mit einer Grill-Party.

 

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