US-Unternehmen warnen vor Zerfall des Nafta

Der Versuch des US-Präsidenten, Importe aus Mexiko einzudämmen, gefährdet das nordamerikanische Handelsabkommen.

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Nafta-Match: USA gegen Mexiko.
Nafta-Match: USA gegen Mexiko. – (c) REUTERS (CHRIS WATTIE)

Mexiko-Stadt. Die US-Handelskammer hat wegen der harten Verhandlungslinie der Regierung von US-Präsident Donald Trump in dramatischen Worten vor einem Scheitern der neuen Verhandlungsrunde über das nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) gewarnt. Auf dem Verhandlungstisch lägen „mehrere giftige Pillen“, die das Aus für das gesamte Abkommen bedeuten könnten, sagte der Präsident der größten Unternehmensvertretung der USA, Thomas Donohue, am Dienstag in Mexiko-Stadt.

 

„Kritischer Punkt erreicht“

„Wir haben einen kritischen Punkt erreicht“, erklärte Unternehmensvertreter Donohue. Deshalb habe er keine andere Wahl, als die Alarmglocken zu läuten. Donohue kritisierte insbesondere die „unangemessene Fokussierung“ Donald Trumps auf das US-Handelsdefizit mit Mexiko und die von der Regierung in Washington geforderten Änderungen der sogenannten Herkunftsregeln, nach denen die Bestandteile von Produkten zu einem gewissen Anteil aus den USA stammen sollen.

Die neue Verhandlungsrunde über eine Neuausrichtung des Freihandelsabkommens zwischen Mexiko, Kanada und den USA begann gestern, Mittwoch, in Arlington im US-Bundesstaat Virginia. Trump hatte Nafta in der Vergangenheit als das schlechteste jemals unterzeichnete Handelsabkommen und schädlich für die US-Wirtschaft bezeichnet.

Für die mexikanische Wirtschaft ist das 1994 in Kraft getretene Abkommen ein Eckpfeiler. Rund 80 Prozent der Exporte des Landes gehen in die USA, vor allem für Zulieferer in der Autoindustrie wäre eine Einschränkung des Marktzugangs zur größten Volkswirtschaft der Welt ein schwerer Schlag.

Ungeachtet dessen riefen mexikanische Unternehmen die Regierung Mexikos wiederholt dazu auf, in den Verhandlungen über die Neuausrichtung des Abkommens nicht nachzugeben. „Es besteht die Möglichkeit, dass wir den Verhandlungstisch verlassen, weil unsere Partner Dinge verlangen, die Mexiko nicht liefern kann“, kündigte Juan Pablo Castanon, Präsident des einflussreichen Koordinierungsrates für die mexikanische Wirtschaft, Anfang des Monats an.

Der Verband der Viehwirtschaft, die jährlich Waren im Wert von umgerechnet rund 7,6 Mrd. Euro in die USA exportiert, sicherte der mexikanischen Regierung seine Unterstützung zu. Sie solle angesichts „irrationaler Forderungen“ nicht nachgeben.

 

Briten wollen in die Nafta

Die Regierung in London sieht den Nordamerikanischen Handelspakt offenbar deutlich positiver als US-Präsident Trump: Laut einem Bericht der Zeitung „Daily Telegraph“, zieht die sehr transatlantisch orientierte Regierung in London einen Beitritt zum Nafta in Betracht, falls nach dem Ausscheiden aus der EU kein Handelsvertrag mit der Gemeinschaft zustande kommen sollte. Beobachter sehen in solchen Überlegungen einen Schritt, um die EU in den derzeit sehr schleppend laufenden Verhandlungen unter Druck zu setzen. (ag)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2017)

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