Bawag stolpert mit Kursabschlag an der Börse

Die frühere Gewerkschaftsbank hat den Sprung an die Börse mit einem Holperer geschafft. Die Aktie, zu 48 Euro an Investoren verkauft, kostete anfangs 47,40 Euro, dann gleich 46 Euro. Ab Freitag ersetzt sie das Feuerfest-Papier RHI im ATX.

PEROUTKA Guenther / WB

Der Ausgabepreis der Bawag-Aktien im Rahmen des IPO ist am Dienstag mit 48 Euro je Aktie festgelegt worden. Die viertgrößte Bank Österreichs wurde damit mit 4,8 Milliarden Euro bewertet, den Großaktionären um den Finanzinvestor Cerberus fließen beim Anteilsverkauf 1,93 Milliarden Euro zu. Sie hatten die frühere Gewerkschaftsbank vor zehn Jahren für 3,2 Milliarden Euro übernommen und dann saniert. Die Bank zählt heute mehr als 2,2 Millionen Kunden. Der Bawag-Börsegang ist die größte Neuemission an der Wiener Börse überhaupt. Erstmals gehandelt wurde die Bawag-Aktie, die in den prime market aufgenommen und am 27. Oktober in den Leitindex ATX aufrücken wird, dann am Mittwoch. Der enttäuschende Eröffnungskurs: 47,40 Euro. Dann ging es gleich weiter abwärts auf 46 Euro, minus 4,1 Prozent.

Die Bawag wird im Leitindex der Börse mit einer Gewichtung von mehr als vier Prozent zu den ATX-Schwergewichten zählen und RHI ersetzen. Die Aktie des Feuerfestkonzerns scheidet nach der Verschmelzung mit Magnesita per 27. Oktober aus dem Leitindex aus.

Die Wiener Börse hieß die Bawag Group AG auf traditionelle Art und Weise willkommen: Zum Handelsstart läutete Bank-Chef Anas Abuzaakouk gemeinsam mit Börsen-CEO Christoph Boschan die Glocke. "Wir freuen uns sehr, die Bawag an der Wiener Börse zu begrüßen. Das ist der größte Börsegang in der österreichischen Geschichte", sagte Boschan. Weniger traditionell war, dass Börse- und Finanzjournalisten den milliardenschweren Börsengang praktisch nur über Aussendungen verfolgen sollten. Die Gesellschaft selbst hatte auch vornehmlich institutionelle Käufer im Sinn, von denen einige schon in den ersten Handelsstunden selber wieder Kassa machten.

Insgesamt wurden 40.250.000 bestehende Bawag-Aktien bei Investoren platziert. Es liegt wohl an diesem hohen Volumen, dass mit einem so genannten Zeichnungsgewinn nicht mehr zu rechnen. Anders als etwa in der Vorwoche beim Börsegang des Microbatterienherstellers Varta. Das deutsche Unternehmen des Wiener Investors Michael Tojner war am 19. Oktober an der Börse Frankfurt mit einem Aufschlag von 38 Prozent gestartet, nachdem das Papier am oberen Ende des Preisbandes mit 17,50 Euro verkauft werden konnte. Aktuell kostet die Varta-Aktie 22,24 Euro, also immer noch deutlich mehr als beim Börsestart.

Die Bawag-Aktien waren ursprünglich in einer Bandbreite zwischen 47 und 52 Euro je Anteilsschein angeboten worden. Die Hauptaktionäre Cerberus und Golden Tree hielten vor dem Börsengang gemeinsam 94 Prozent der Bawag. Der Bank selber fließt aus dem Börsengang kein Kapital zu. Begleitet wird die Emission von den Investmentbanken Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley.

 

Bawag unter den Top-IPO's weltweit

Vor dem Börsengang der Bawag führten die Strabag SE (2007: 1,3 Milliarden Euro) vor der Raiffeisen International Bank AG (2005: 1,1 Milliarden Euro) und der Telekom Austria AG (2000: eine Milliarde Euro) das Ranking der größten Wiener IPOs an. Der Börsengang der Bawag Group AG ist der größte Bank-IPO in der Region Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH) seit 2000, gefolgt vom IPO der Postbank (DE) mit einem Emissionsvolumen von 1,55 Milliarden Euro in 2004 und der Pfandbriefbank (DE) mit einem Emissionsvolumen von 1,15 Milliarden Euro in 2015. Der letzte Börsengang in Deutschland, der größer als jener der Bawag  war, geht auf das Jahr 2000 mit dem IPO von T-Online (Volumen: 2,9 Milliarden Euro) zurück. Basierend auf einer PWC IPO Studie ist der Börsengang der Bawag m Jahr 2017 Europas drittgrößter IPO und zählt zu den Top 10 IPOs weltweit.

Der durchschnittliche Monatsumsatz der Wiener Börse erreichte zuletzt mit 5,5 Milliarden  seinen höchsten Stand seit 2010. Die größten und am stärksten gehandelten Titel sind die Erste Group, die OMV die voestalpine, die Raiffeisen Bank International und die Andritz. Der österreichische Leitindex ATX zählt mit einem Plus von 29,31 Prozent (+32,68 Prozent inkl. Dividenden) heuer zu den global stärksten Kursgewinnern unter den Länderindizes.

Börse-Chef Boschan: "Das Gesamtjahr 2017 verläuft an der Wiener Börse sehr positiv. Auch abseits von Börsengängen hat die Wiener Börse den  Kurszettel in den vergangenen Monaten konsequent verlängert. In unserem Segment global market und mit dem neu eingeführten ETF-Handel bieten wir laufend neue internationale Investmentmöglichkeiten"

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(APA)

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