AK-Präsident Kaske tritt "aus persönlichen Gründen" zurück

Nach 48 Berufsjahren verabschiedet sich der Chef der Arbeiterkammer ins Privatleben. Im April 2018 werde es einen "geordneten Übergang" geben. Wer ihm dann nachfolgt, ließ er offen.

Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske
Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske
Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske – APA/GEORG HOCHMUTH

„Glauben Sie mir, als an Lebensjahren Erfahrener, kann ich mit Fug und Recht behaupten: Es ist wohl immer der falsche Zeitpunkt für einen Rückzug aus dem beruflichen Leben.“ Mit diesen Worten begann Rudolf Kaske eine am Dienstag kurzfristig einberufene Pressekonferenz – die er nutzte, um seine Amtsniederlegung zu verkünden. Denn, so der Präsident der Arbeiterkammer (AK), gehe man zu früh, werde geunkt, was man denn zu verbergen habe, gehe man zu spät, werde hinter vorgehaltener Hand gefragt: „Wann geht er denn endlich?“

Er verabschiede sich nach nun 48 Berufsjahren ins Privatleben. Das sei „ein persönlicher Entschluss“. Er sei nicht amtsmüde, sondern „amtsmunter“. Aber: „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die haben mit dem beruflichen Leben nichts zu tun“, verbat er sich der 62 Jährige diesbezügliche Spekulationen und verwies auf eine Erkrankung seiner Frau. „Ich verlasse nicht fluchtartig die politische Bühne“, kündigte er einen „geordneten Übergang“ im kommenden April an. Insofern werde man „in den nächsten Monaten noch stark mit mir rechnen“ müssen. Denn. „Ich werde die Auseinandersetzung um die gesetzliche Mitgliedschaft selbst anführen und alle Angriffe auf die AK abwehren.“

"Wir stehen für 95 Prozent der Bevölkerung"

Zudem erlaubte sich Kaske noch einen kurzen Rückblick: Als Interessenvertreter der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer „war ich nie einer, der nur einen Bürojob gemacht hat“. Er habe stets versucht, nahe bei den Arbeitnehmern zu sein „und ihre Ängste, Nöte und Sorgen zu verstehen“, meinte er. Freilich habe es den einen oder anderen Rückschlag gegeben, aber auch den einen oder anderen großen Erfolg – etwa die Einführung der Fünftagewoche in der Gastronomie, die große Steuerreform im Vorjahr oder aber, dass es gelungen sei, die vom damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser geplante Besteuerung des Trinkgeldes abzuwenden. Dass die Sozialpartnerschaft systematisch in Misskredit gebracht wird, sei der Versuch, in Österreich eine Kultur des Neides und des Streites zu etablieren.

Abschließend appellierte er: „Wir werden ein Gegengewicht sein für einen starken Sozialstaat.“ „Richten“ könnten es sich nur die reichsten fünf Prozent der Bevölkerung - „wir stehen für die übrigen 95 Prozent“.

Wer ihm als Präsident nachfolgen werde, ließ Kaske offen. Nur so viel: Es brauche einen Präsidenten oder eine Präsidentin, der „mit ruhiger Hand Interessenspolitik für die Arbeitnehmer macht“. Er sei überzeugt, dass so jemand bis April gefunden werde. Als Nachfolgekandidaten wurden zuletzt die Namen des leitenden ÖGB-Sekretärs Bernhard Achitz, der ÖGB-Vizepräsidentin Renate Anderl und Christian Meidlinger (Gewerkschaft der Gemeindebediensteten) genannt.

Einen Generationswechsel gibt es bekanntlich auch an der Spitze der Wirtschaftskammer. In der Vorwoche wurde beschlossen, dass Wirtschaftsminister Harald Mahrer neuer Kammerpräsident wird.

>> Sozialpartner neu: Der Abgang der alten Garde

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(Red.)

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