Kooperation: Anschluss an die Weltelite

Ein Abkommen mit Eliteunis sollen heimischen Kleinunternehmen den Zugang zu globalem Forschungs-Know-how erleichtern.

Die Nanyang Technological University (NTU) in Singapur.
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Die Nanyang Technological University (NTU) in Singapur.
Die Nanyang Technological University (NTU) in Singapur. – (c) imago/robertharding

Singapur. Wer wissen will, was man in Asien unter Dynamik versteht, sollte sich diese Universität anschauen: Die Nanyang Technological University (NTU) in Singapur, 1991 gegründet, hat 15 Jahre später beschlossen, innerhalb von zehn Jahren unter die Top Twenty der globalen Unirankings zu kommen – und liegt jetzt schon auf Platz elf in der Welt und auf Platz eins in Asien.

Mit beträchtlichem Mitteleinsatz, der überwiegend durch Forschungskooperationen mit der Industrie aufgebracht wird. Die Forschungseinrichtung zieht unterdessen Wissenschaftler und Studenten aus aller Welt an. 70 Prozent der 33.000 Studenten kommen aus dem Ausland. Ebenso hoch ist der Ausländeranteil unter den 4350 in Forschung und Lehre tätigen Mitarbeitern.

Auch der Chef ist kein „Hiesiger“: NTU-Präsident Bertil Andersson stammt aus Schweden. Und er sagt, dass die NTU zehnmal so viel Forschungsgeld bei schwedischen Firmen auftreibe wie seine frühere schwedische Uni. Die NTU ist selbstverständlich global vernetzt, auch mit mehreren österreichischen Universitäten.

Bald können auch kleinere österreichische Unternehmen auf das Know-how dieser Superuni zurückgreifen. Ein am vergangenen Freitag unterschriebenes Kooperationsabkommen mit der NTU ist nämlich eines der Leuchtturmprojekte der im Rahmen der Kammerreform gestarteten Austrian Innovation Agency.

 

Globale Abdeckung erreicht

Mit dem Vertrag in Singapur ist die weltweite Abdeckung nun perfekt: Ähnliche Abkommen wurden schon mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), mit den Eliteuniversitäten Stanford und Harvard und mit der ETH Zürich, die übrigens eine Außenstelle in Singapur betreibt, abgeschlossen. Daneben existieren noch Kooperationsverträge mit der Universität Karlsruhe und, ganz frisch, mit dem Korea Advanced Institute for Science and Technology (KAIST), einer der erfolgreichsten technischen Hochschulen Asiens, und mit dem Japan Innovation Network, mit denen in der vorigen Woche „Letters of Intent“ unterzeichnet wurden.

Das Ziel dieser Vereinbarungen: ein weltweites Netzwerk zu schaffen, das österreichischen Klein- und Mittelunternehmen den Zugang zu internationalem Know-how bietet, wie WKO-Präsident Christoph Leitl sagt.

Und zwar nicht nur in Bereichen, die man gemeinhin unter Hightech versteht. „Wir haben beispielsweise eine Gruppe österreichischer Tischler mit dem Top-Holzbauexperten der ETH Zürich zusammengebracht“, sagt der Chef der WKO-Außenwirtschaftsorganisation, Michael Otter. Mit einem unerwarteten Nebeneffekt: „Sie haben sich untereinander schon wieder getroffen.“

Im Rahmen der Kooperationsabkommen, in die die Kammer jeweils 100.000 bis 150.000 Euro investiert, werden überwiegend Workshops und Innovationsreisen angeboten. So sollen demnächst etwa Professoren der NTU für eine Veranstaltung nach Wien geholt werden.

Mit dem Ziel, auch kleinere Unternehmen mit der internationalen Innovationselite zu vernetzen. Denen fehlt normalerweise, im Gegensatz zu großen Konzernen, die Millionen in Uni-Kooperationen stecken können, der Zugang.

Dabei bekommen die Unternehmer gleich auch mit, wie anderswo Forschung gepusht wird. Für den erfolgreichen Versuch, unter die Top-Unis zu kommen, hat die NTU beispielsweise 800 Mio. Euro investiert. „So viel“, sagt Leitl, „wie bei uns die Hacklerregelung kostet.“ Nachsatz: „Man muss eben Prioritäten setzen.“

Übrigens: An der NTU herrscht das totale Leistungsprinzip: Erste Aktion bei der Ranking-Aufholjagd war, die Hälfte des wissenschaftlichen Personals auszutauschen. Wie man sieht, mit Erfolg.

Compliance-Hinweis: Die Reise zu den Vertragsunterzeichnungen in Südkorea, Japan und Singapur kam auf Einladung der Wirtschaftskammer Österreich zustande.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2017)

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