Regiojet

Tschechische Privatbahn fordert ÖBB auf Strecke Prag-Wien heraus

Seit Sonntag verkehrt die Privatbahn Regiojet viermal täglich zwischen Wien und Prag. Die "Presse" war mit an Bord.

Regiojet Zug
Regiojet Zug
Der gelb lackierter Regiojet-Zug vor der Abfahrt nach Wien am Bahnhof in Prag. – Stefanie Kompatscher

Am 10. Dezember, einem kalten Sonntagvormittag, startet in Prag der erste gelb lackierte Regiojet in Richtung Wien. Der Zug ist bis auf den letzten Platz ausgebucht und macht sich um 09.21 Uhr mit Tschechen, Österreichern und sonstigen Reisenden an Bord auf den Weg in die österreichische Hauptstadt. 29 Euro kostet eine vierstündige Fahrt im Businessabteil, 22 Euro der Relax-Tarif, 15 Euro ein Standard-Ticket. Das ist deutlich weniger als bei der Konkurrenz. Zum Vergleich: Ein ein reguläres Zweite-Klasse-Ticket ohne Ermäßigung kostet bei den ÖBB 66 Euro, ein günstiges Sparschiene-Ticket je nach Uhrzeit zwischen 14 und 44 Euro.

Doch die Privatbahn Regiojet will nicht nur mit Preisen punkten: So serviert das Team allen Fahrgästen kostenlos Wasser, Tee und Illy-Kaffee. Speisewagen gibt es keinen, ähnlich wie bei der Westbahn werden die Wagen von Stewards betreut, die Snacks und Getränke an den Platz bringen. Die Preise auf der Speisekarte sind mehr als moderat: Gefüllte Croissants um einen Euro, Kuchen um 40 Cent, ein Sushi-Set um 3,60 Euro, Bier um 80 Cent. Da muss sich keiner mehr auf dem Bahnhof eindecken.

W-Lan und ein Entertainment-Portal mit Filmen in tschechischer und englischer Sprache runden das Angebot ab. Dieses kann in Großraumabteilen teilweise auf im Sitz integrierten Bildschirmen angesehen werden – oder auf dem eigenen Endgerät. Kopfhörer stellt Regiojet kostenlos zur Verfügung. Für Kinder gibt es zusätzliches Unterhaltungsangebot im eigenen Kinderabteil.

Kostenlose Stornierung bis 15 Minuten vor Fahrtantritt

Zugtickets können zwar auch an Bord gekauft werden, praktischer und billiger ist eine Onlinebuchung, bei der man sich auf einem Plan auch einen Sitzplatz aussuchen kann. Wer es sich anders überlegt, kann sein Ticket noch bis zu 15 Minuten vor Fahrtantritt gratis stornieren.

Als Partner von Regiojet in Österreich fungiert der Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb (GKB), bei dem übrigens erst kürzlich Ex-Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) angeheuert hat. Die GKB steht zwar im Eigentum der Republik Österreich, rechtlich gilt sie aber als Privatbahn. Sie ist der "Operator" in Österreich, das heißt, sie stellt ab der Grenze Lokführer und Schaffner zur Verfügung. Für Geschäftsentscheidungen ist allein Regiojet zuständig. GKB betrachtet den Vertrag mit den Tschechen als Testballon im Personenfernverkehr, wie Sprecher Ernst Suppan zur "Presse" sagt. Er betont: "Sowohl wir als auch die Regiojet betreiben die Strecke eigenwirtschaftlich." Die Bahn müsse also Gewinn abwerfen.

Auch ob das Projekt erweitert wird – etwa durch eine Verbindung nach Graz - hängt vom wirtschaftlichen Erfolg ab. Die Erwartungen sind groß: Regiojet-Gründer Radim Jančura will schon im kommenden Jahr in die Gewinnzone fahren, er rechnet mit rund 200 Passagieren pro Zug. "Wir haben uns als Ziel gesetzt, den internationalen Schienenverkehr mit der ‚gelben Klick Revolution‘ weitgehend zu verändern", sagte Jančura zum Start der neuen Verbindung. Der Unternehmer, der mit einer Fernbus-Flotte groß geworden ist, betreibt bereits erfolgreich Zugverbindungen in Tschechien und in der Slowakei, nun nimmt er Österreich ins Visier. So bietet Regiojet ab Jänner auch eine neue Buslinie Wien-Budapest um neun Euro an.

ÖBB: Preis für Sparschiene auf 14 Euro gesenkt

Regiojet-Züge verkehren täglich viermal zwischen Wien und Prag. In dieser Hinsicht kann die Privatbahn nicht mit den ÖBB mithalten. Diese haben ihre Frequenz zwischen den beiden Hauptstädten mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember erhöht und fahren alle zwei Stunden. Vor der Konkurrenz fürchtet man sich nicht, meint Sprecher Bernhard Rieder. Er verweist im Gespräch mit der „Presse“ darauf, dass „die Garnituren älter sind und teilweise früher von den ÖBB gefahren wurden“. Die Bundesbahnen kooperieren mit der tschechischen Staatsbahn und setzen auf der Strecke ausschließlich Railjets ein, die die Fahrgäste fünf Minuten schneller ans Ziel bringen. Auf den neuen Anbieter hat man bereits reagiert und den Preis der Sparschiene-Tickets von Wien nach Prag von 19 auf 14 Euro gedrückt: "Natürlich beobachten wir den Markt", so Rieder.

Nach Stationen in Pardubice, Brünn, Břeclav und Wien-Simmering erreicht der Regiojet pünktlich um 13.23 Uhr seine Endstation. Auf Tschechisch, Englisch und Deutsch verabschiedet sich der Zugbegleiter am Hauptbahnhof von den Fahrgästen: „Wir freuen uns auf ein weiteres Treffen mit Ihnen“. Diese Treffen werden wohl stattfinden. Die ÖBB haben einen neuen privaten Konkurrenten bekommen, der es ernst meint.

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