Niki-Rettung: Kampf gegen die Zeit

Masseverwalter Lucas Flöther ist gerade zu Gesprächen in Wien. Er muss vor allem die Flugrechte sichern, ansonsten ist die Airline gar nichts mehr wert. Niki Lauda deponiert erneut Interesse, ebenso nimmt die Cook-Tochter Condor Niki neuerlich ins Visier

ARCHIVBILD: NIKI HAT IN DEUTSCHLAND INSOLVENZ ANGEMELDET
ARCHIVBILD: NIKI HAT IN DEUTSCHLAND INSOLVENZ ANGEMELDET
Lauda hat Interesse an Niki. – APA/BARBARA GINDL

Mit Air Berlin, seiner bisherigen Lieblings-Airline ist er nicht geflogen, auch nicht mehr mit der Österreich-Tochter Niki, die heute um 0 Uhr den Flugbetrieb eingestellt hat, nachdem sie ebenfalls in die Pleite geschlittert ist. Der deutsche Star-Jurist Lucas Flöther, der schon Masseverwalter bei Air Berlin ist und nun auch bei Niki, ist "Presse"-Informationen zufolge Donnerstagvormittag nach Wien gekommen. Hier will er - auch in Gesprächen mit den betroffenen Mitarbeitern - die Lage ausloten. Seit zehn Uhr läuft  in der Niki-Zentrale am Wiener Flughafen eine Mitarbeiterversammlung.

Flöther dürfte den insgesamt 1000 Niki-Beschäftigten vor allem Hoffnung machen wollen. "Wir haben noch ein paar Tage Zeit, einen Investor für Niki zu finden", sagte der renommierte Rechtsanwalt. Der Zeitdruck sei allerdings außergewöhnlich enorm.  "Ein Verkauf würde dann nicht mehr über die Veräußerung der „Niki Luftfahrt GmbH“ („Share Deal“) vollzogen, sondern über den Verkauf des Geschäftsbetriebs bzw. von Teilen des Geschäftsbetriebs („Asset Deal“). „Ein Asset Deal hat für einen möglichen Käufer Vorteile, da eine solche Übernahme mit weniger Risiken verbunden ist“, ergänzte Flöther.

(c) APA

Zwei Interessenten

Zwei Anwärter stehen auf jeden Fall in den Startlöchern: Niki Lauda. "Ich  werde heute Flöther einen Brief schreiben, um nochmals mein Interesse zu bekräftigen", sagte er zur "Presse".

Aber auch die Thomas-Cook-Fluglinie Condor streckt jetzt wieder ihre Fühler nach der österreichischen Airline aus. Condor wolle die Flugkapazität auf dem deutschen Markt ausbauen und prüfe weiterhin alle Optionen einschließlich des Kaufs von Niki oder Teilen des Unternehmens, sagte ein Sprecher der Airline am Donnerstagnachmittag. Dies würde auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen für den Flugbetrieb der Niki beinhalten.

Thomas Cook hatte sich bereits nach der Pleite von Air Berlin im Sommer um eine Übernahme von Niki beworben. Dabei hatte sich die Airline damals mit dem Niki-Gründer Niki Lauda zu einem Bieterkonsortium zusammengeschlossen, Insidern zufolge aber auch allein ein Angebot abgegeben.

Niki-Insolvenz: Ankunft des letzten Fluges in Wien

Der Knackpunkt in dem Deal sind die Start- und Landerechte, die sogenannten Slots. Im Falle eines "Groundings" einer Airline erlöschen sie. Der Masseverwalter kann aber die Slot-Vergabebehörde ersuchen, die Rechte für eine kurze Zeit noch aufrecht zu halten. Ohne diese Slots ist eine Airline gar nichts mehr wert.

Obwohl das Insolvenzverfahren seit Mittwoch in Deutschland läuft, prüft der Firmen-Anwalt der Niki Luftfahrt GmbH, Alexander Isola, doch auch hierzulande einen Insolvenzantrag zu stellen. Das soll noch heute entschieden werden. Ein solcher Sekundärantrag sei möglich, sagt Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV) der "Presse". Generell erwartet sich Kantner aber eine Reihe von rechtlichen Fragen, allein was Zuständigkeiten betrifft. So etwa dürfte der österreichische Insolvenzentgeltfonds (IEF) nicht die Gehälter der Niki-Mitarbeiter übernehmen, sondern das deutsche Bundesamt für Arbeit.

"Der extreme Zeitdruck spricht dafür, dass das Verfahren in Deutschland bleibt", meint Kantner.  Damit weniger glücklich ist die Gewerkschaft GPA, der hierzulande die Hände gebunden sind, wenn das Verfahren in Deutschland läuft. Dennoch werde man alles nur Mögliche für die Mitarbeiter tun, sagte GPA-Chef Wolfgang Katzian dem "ORF".

Der letzte Flug der Air Berlin

 

Flugtickets

Mit der Einstellung des Niki-Flugbetriebs verlieren alle ausgestellten und bezahlten Niki-Flug-Tickets ihre Gültigkeit. Nach vorliegenden Angaben wurden rund 350.000 Einzel-Tickets ausgestellt, die noch nicht abgeflogen worden sind. Hinzu kommen über 410.00 über Reiseveranstalter und Reisebüros gebuchte Flug-Tickets, die in der Regel aber noch nicht ausgestellt wurden.

In den nächsten 14 Tagen (14.12.-27.12.2017) hatten knapp 40.000 Passagiere ihren Heimflug mit Niki geplant. Von diesen Passagieren hatten rund 15.500 selbst gebucht, rund 25.500 über Reiseveranstalter und Reisebüros.

Wurden die Flug-Tickets in einem Reisebüro oder als Teil einer Pauschalreise erworben, so sind diese in aller Regel über Reisesicherungsscheine versichert. Masseverwalter Lucas Flöther rät diesen Fluggästen, sich zudem für einen Ersatzflug an ihr Reisebüro bzw. an ihren Reiseveranstalter zu wenden. Fluggäste, die ihre Flug-Scheine selbst online erworben haben, sind in der Regel nicht versichert, können aber den Flugpreis nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens als Insolvenzforderung beim Insolvenzverwalter anmelden.

 

 

   

(APA/red.)

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