Europameister Griechenland führt Abgabe auf Plastiktaschen ein

Die Griechen verbrauchen im Vergleich mit den Dänen pro Kopf etwa das 90-Fache an Plastiktaschen. Eine Abgabe soll helfen, das Umweltbewusstsein der Südländer zu verbessern.

A man carries bags which were distributed to him during a donation program of the municipality of Athens
A man carries bags which were distributed to him during a donation program of the municipality of Athens
A man carries bags which were distributed to him during a donation program of the municipality of Athens – (c) REUTERS (Yorgos Karahalis)

Die Griechen sind Europameister beim Verbrauch von Plastiktaschen. 363 Plastiktüten verbraucht ein durchschnittlicher Grieche im Jahr, von denen viele allzu auch im Meer landen. 3428 Müllstücke pro Quadratkilometer wurden bei einer Untersuchung der Patras-Universität im Saronischen Golf nahe Athen gefunden.

Auch die griechische Regierung sah sich zum Handeln gezwungen und hat mir Jahresbeginn eine neue Steuer auf Plastiktaschen eingeführt. Verbraucher müssen vier Cent pro Tasche zahlen, bis 2019 soll die Abgabe auf neun Cent steigen. Die Recycling-Agentur des griechischen Umweltministeriums bezeichnet den Kampf gegen den Plastikmüll gar zur nationalen Überlebensfrage. So groß sei die Gefahr für Umwelt, Gesundheit - und Griechenlands Wirtschaftssektor Nummer eins: den Tourismus, berichtet der „Spiegel“.

Bis die Griechen den Dänen, die nur vier Taschen pro Jahr und Kopf verbrauchen, nahe kommen, wird es noch dauern. Mit der Umsetzung einer EU-Direktive soll jeder EU-Bürger demnach im Jahr 2025 im Schnitt nur noch 40 Plastiktaschen pro Jahr verbrauchen. Griechenland will die Einnahmen aus der neuen Steuer in nachhaltiges Konsumverhalten investieren, da gibt es genügend Aufholbedarf. Auch die griechische Regierung ist kein gutes Vorbild, denn nur rund 15 Prozent des Haushaltsmülls werden recycelt.

Entlastung für Geschäfte

Kritikern geht auch die neue Plastiksteuer nicht weit genug. Sie verweisen auf Schlupflöcher - so dürfen kleine Kioske noch immer umsonst Plastiktüten herausgeben. Zudem sei eine Abgabe von vier Cent viel zu niedrig. Andere Länder verlangen deutlich mehr, Irland zum Beispiel erhebt eine Steuer in Höhe von 22 Cent.

Dennoch scheint auch schon die vergleichsweise niedrige Steuer erste Früchte zu tragen. Am Mittwoch, dem ersten Tag des Jahres, an dem die Supermärkte geöffnet hatten, haben viele Kunden bereits ihre eigenen Tüten zum Einkaufen mitgebracht. Und die, die von der neuen Steuer nichts mitbekommen haben, kaufen auffällig oft wiederverwendbare Taschen.

Auch die Ladenbesitzer scheinen zufrieden. Der Besitzer der kleinen Bäckerei Miltos in Thessaloniki: hat zuletzt 12000 Euro pro jahr für Plastiktaschen ausgeben müssen. Manche seiner Kunden hätten nur eine Kleinigkeit gekauft und dafür eine Plastiktüte verlangt.
Andere wie ein 92-jähriger Rentner wurde von der Steuer überrascht. Von der Steuer hatte er bis dahin nichts gehört. Das nächste Mal werde er eine Stofftasche mitbringen, sagt er. "Ich bekomme 360 Euro Rente pro Monat. Da zählt jeder Cent."

>>> Artikel im "Spiegel"

(red.)

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