Flughafen Wien: Rückschlag für Skylink

Das Bundesvergabeamt bereitet dem ohnedies unter großer Verspätung und einer Kostenexplosion leidenden Terminalprojekt neuerliche Probleme. Die baldige Wiederaufnahme der Bauarbeiten ist fraglich.

(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Wien. In zwei Wochen, Mitte Februar, sollen die Bauarbeiten am halb fertigen Terminal Skylink des Flughafens Wien wieder aufgenommen werden. Ob diese Vorgabe des Flughafen-Managements hält, um das umstrittene Bauwerk 2012 zu eröffnen, ist allerdings fraglich. Das Projekt, dessen Kosten von ursprünglich veranschlagten 400 Mio. Euro mittlerweile auf 830 Mio. Euro gestiegen sind, wurde Mitte des Vorjahres gestoppt, um die Verträge mit den am Bau beteiligten Firmen neu und günstiger auszuverhandeln. Nun gibt es einen neuerlichen Rückschlag.

Das Bundesvergabeamt hat den Zuschlag für die „örtliche Bauaufsicht“ an die Bietergemeinschaft „Architektur Consult ZT GmbH/Rinderer & Partner Ziviltechniker KEG/Rudolf &Vier Partner GmbH“ für nichtig erklärt. Das geht aus dem der „Presse“ exklusiv vorliegenden Bescheid des Bundesvergabeamts vom 29. Jänner hervor. Die „örtliche Bauaufsicht“ hat wichtige Aufgaben: Sie ist unter anderem für Qualitätskontrolle, Organisation der ausführenden Firmen und Rechnungsprüfung zuständig.

Unvereinbarkeit der Interessen


Als Begründung führt das Bundesvergabeamt (das aufgrund des Einspruchs der unterlegenen Bietergruppe Baumangement Forstner GmbH/Depisch ZT GmbH/Hydroingenieure Umwelttechnik GmbH tätig wurde) eine Unvereinbarkeit der Interessen innerhalb des Siegerkonsortiums an: Architekt Christian Halm ist Zehn-Prozent-Gesellschafter und Partner der Architektur Consult ZT, eines Mitglieds der Bietergemeinschaft. Gleichzeitig war Halm für den Flughafen Wien seit Juni 2009 mit Planprüfungs- und Beratungsleistungen für den Skylink tätig – „in einem ihm vom Auftraggeber eigens hierfür zur Verfügung gestellten Büro“, heißt es im Bescheid.

Halms Tätigkeit für den Flughafen würde dem „präsumptiven Zuschlagsempfänger einen erheblichen Kenntnisvorsprung und damit einen Wettbewerbsvorsprung“ verschaffen, so der Bescheid weiter. Nur damit sei auch der im Vergleich zu den anderen Angeboten „erstaunlich niedrige Angebotspreis“ zu erklären. Während das Letztangebot der Architektur Consult ZT auf 9,988. Mio. Euro lautete, boten Forstner & Co. 15,553 Mio. Euro. Der dritte Bieter lag bei 13,334 Mio. Euro.

Das Gegenargument der Architektur Consult ZT, dass Halm in keiner Weise direkt oder indirekt in die Angebotserstellung involviert gewesen sei, ließ das Bundesvergabeamt nicht gelten. Allein der „böse Schein“ der Tätigkeit Halms beim Skylink und sein offenkundiges wirtschaftliches Interesse an einem Auftrag an die Architektur Consult ZT belege die Unvereinbarkeit.

Vergabe verteuert sich


Der Auftrag muss zwar nicht unbedingt neu ausgeschrieben werden. Theoretisch könnte der Flughafen dem in der Ausschreibung Zweitplatzierten den Zuschlag geben – sofern dessen Angebot noch steht. Allerdings: Teurer wird es jedenfalls, und dauern wird es auch. Bis die Bauaufsicht neu entschieden ist, dürften mehr als zwei Wochen vergehen. Zudem ist Juristen zufolge nicht sicher, ob die neuerliche Vergabe wieder beeinsprucht wird. Für Vergaberechtsspezialisten Hermann Wenusch (Kanzlei GNBZ) ist jedenfalls „verblüffend“, dass manche der im Juni stornierten Verträge neu ausgeschrieben und manche verlängert wurden.

Porr als Generalunternehmer?


Positive Nachrichten gibt es indes in Sachen „Generalunternehmer Ausbau Fertigstellung Skylink“: Der Flughafen kann die schon gestartete Suche nach einem Unternehmen, das die gesamte Verantwortung für den Skylink übernimmt, fortsetzen – das Bundesvergabeamt hat den entsprechenden Einspruch der ebenfalls am Terminal tätigen Baufirma Gerstl abgewiesen.

Während noch die Auswahl läuft, wird am Flughafen kolportiert, dass der Sieger ohnedies so gut wie feststeht: Der Baukonzern Porr soll den Zuschlag erhalten. Immerhin hat der Auftrag laut Bescheid des Bundesvergabeamts ein Volumen von 90 Mio. Euro. Flughafen-Sprecher Peter Kleemann wollte den Namen auf „Presse“-Anfrage nicht kommentieren, da die Vergabe des Auftrags an einen Generalunternehmer noch läuft. Eine Entscheidung könnte im Frühjahr fallen.

Das Finanzdebakel beim Skylink wird derzeit auch vom Rechnungshof unter die Lupe genommen.

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