DAX-Konzerne überraschen

Die Zahl der Unternehmen, die die Gewinnprognose nach oben korrigierten, erreichte Rekordhöhe. Auch Gewinnwarnungen nahmen zu.

Die Vergütung von Daimler-Boss Dieter Zetsche ist um eine Million gestiegen.
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Die Vergütung von Daimler-Boss Dieter Zetsche ist um eine Million gestiegen.
Die Vergütung von Daimler-Boss Dieter Zetsche ist um eine Million gestiegen. – (c) APA/AFP/THOMAS KIENZLE

Frankfurt. Die Mehrheit der deutschen Börsenschwergewichte hat einer Studie zufolge im Vorjahr ihre Anleger positiv überrascht. 57 Prozent der 30 im DAX notierten Unternehmen korrigierten ihre Prognose mindestens einmal nach oben. Insgesamt zählte das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY, das alle 304 Unternehmen im Prime Standard der Frankfurter Börse untersuchte, 199 Gewinnkorrekturen nach oben. Das ist ein Plus von 89 und bedeutet Rekord. Zu dem strenger regulierten Prime Standard gehören neben dem DAX auch der MDAX, TecDAX und SDAX. Nur zehn Prozent der Unternehmen mussten ihre Gewinn- oder Umsatzerwartungen nach unten revidieren. EY zählte 95 Gewinnwarnungen. Das waren 44 Prozent mehr als 2016 und der höchste Wert seit 2011, als die Analyse erstmals gemacht wurde.

 

Mehr unbekannte Risken

Die hohe Zahl von Prognosekorrekturen zeige, dass die wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten inzwischen erhebliche Spuren im operativen Geschäft vieler deutscher Unternehmen hinterließen, erklärt EY-Partner Marc Förstemann. „Politische Entscheidungen sind weniger berechenbar geworden, weitere geopolitische Spannungen können jederzeit ausbrechen, neue Technologien haben teils massive Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen.“ Viele Unternehmen hätten das Geschäftsjahr vorsichtig geplant und seien von der positiven Wirtschaftsentwicklung überrascht worden.

Andererseits führten steigende Rohstoffpreise, der stärkere Euro, die Politik der US-Regierung mit der Steuerreform sowie die nachlassende Dynamik der britischen Wirtschaft nach dem Brexit-Votum zu Einbußen. Gewinnwarnungen werden von Anlegern allerdings stärker bestraft als bessere Prognosen belohnt werden. Im Schnitt sanken die Kurse der Unternehmen mit Gewinnwarnung am selben Tag um sieben Prozent.

Von guten Geschäftszahlen profitieren auch die Bosse: Daimler-Chef Dieter Zetsche war 2017 mit einer Vergütung von 8,6 Mio. Euro (plus eine Mio.) Spitzenverdiener der DAX-Vorstandschefs. Inklusive Zahlungen aus fälligen Bonusprogrammen vergangener Jahre erhält Zetsche 13 Mio. Euro. Daimler hat 2017 einen Rekordgewinn von 10,8 Mrd. Euro (plus 24 Prozent) eingefahren. Die Dividende steigt um zwölf Prozent, die Mitarbeiter erhalten höhere Jahresboni. (ag)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2018)

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