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Flotte Geschäfte mit den Diarrhoe-Spekulanten

Auf einer US-Webseite melden User, wie krank sie ein Lokalbesuch machte. Der Gründer macht damit Geld.

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Symbolbild. – (c) imago/ZUMA Press (Tampa Bay Times)

In Kagran gibt es eine Starbucks-Filiale. Vor zwei Jahren im Mai musste jemand erbrechen, nachdem er sich dort gestärkt hatte. Aber war das die wahre Ursache? Der Vorwurf ist jedenfalls bis heute leicht zu googeln, auf der Plattform Iwaspoisened.com, dem Schrecken aller Schnellrestaurants. Die Idee dazu kam 2009 einem Banker: Patrick Quade, damals Chef der Zinshandels bei Morgan Stanley, gönnte sich nach der Arbeit ein Speck-Tomaten-Salat-Sandwich. Am Morgen danach bereute er seinen Imbiss bitter: Alles musste eilig raus, nach vorn und nach hinten. Als er seine Leiden dem Laden meldete, hängten die einfach auf. Also gründete er die Webseite, auf der Opfer über ihre Lebensmittelvergiftungen berichten, oft in drastischen Worten. Fast 90.000 Einträge, allein 15.000 im letzten Jahr. Die meisten aus den USA, aber auch aus 90 anderen Ländern.

Die Gesundheitsbehörden mögen die Seite, sie können dank ihr schneller auf Angriffe von Kolibakterien oder Noroviren reagieren. Mediziner wenden ein: Wem es übel wird, der denkt meist an sein letztes Essen – dabei liegt der Auslöser oft Tage zurück. Lokalbesitzer wittern hinter den anonymen Postings eher Attacken von Konkurrenten. Es geht um viel Geld: Wenn auch nur eine Filiale einer Fastfoodkette ins Gerede kommt, weil ihr Essen wegen mangelnder Hygiene krank macht, ist die Imagekrise schon da – und die Aktie bricht ein. Nicht mehr erholt hat sich davon Chipotle Mexican Grill: Seit „Ich wurde vergiftet“ ab 2015 den Amerikanern die Lust auf die Tacos und Burritos dieser Kette nahm, ist der Kurs um zwei Drittel abgestürzt. Das schürte Verschwörungstheorien. Die Rede ist von Tradern, die Einträge getürkt, auf fallende Kurse gesetzt und damit 55 Mio. Dollar Profit gemacht haben sollen. Oder gar von Bioterroristen (wie 2005: Damals schummelte eine Frau einen abgetrennten Finger in ein Chili von Wendy's und musste neun Jahre in Haft). Daran glaubt Quade nicht. Aber ans Geschäft: Er verkauft nun an Hedgefonds für 5000 Dollar pro Monat eine Premiumversion, die neue Alarme statt nur einmal täglich in Echtzeit meldet. Damit können Investoren schneller als andere Aktien abstoßen oder auf den Absturz wetten. So funktionieren die Märkte. Man sollte das nicht zum Kotzen finden.

karl.gaulhofer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2018)

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