Österreicher wollen nicht mehr Einzelhändler werden

Eine Analyse der Neugründungen im vergangenen Jahr zeigt einen deutlichen Rückgang. Das boomende Online-Geschäft hält viele von einem Start im Einzelhandel ab.

Die meisten Händler sind im Osten zu Hause
Die meisten Händler sind im Osten zu Hause
Die meisten Händler sind im Osten zu Hause – (c) Clemens Fabry

Nicht nur die Handelsflächen in Österreich stagnieren, auch bei den neu gegründeten Unternehmen gab es im Vorjahr einen deutlichen Rückgang. Das zeigt eine Erhebung über die Entwicklung der Neugründungen im heimischen Einzelhandel: Während in den Jahren von 2013 bis 2016 ein fortwährender Anstieg zu verzeichnen war, fand im vergangenen Jahr dieser Trend laut dem Bonitätsunternehmen CRIF keine Fortsetzung. Waren es 2016 noch 18,0 Prozent der österreichweiten Neugründungen, die auf Handelsbetriebe entfielen, zeigt das Jahr 2017 nur noch einen Anteil von 16,1 Prozent. In absoluten Zahlen stellt sich der Rückgang noch dramatischer dar, weil auch die Zahl der Neugründungen über alle Branchen rückläufig war: 11.400 neuen Einzelhandelsbetrieben in 2016 standen laut CRIF im Vorjahr nur mehr 9300 Neugründungen gegenüber.

Der Rückgang bei den Neugründungen im Handel sei mutmaßlich auf den immer beliebter werdenden Online-Handel zurückzuführen, denn auch in Österreich wird das Einkaufsverhalten zunehmend über das Web gesteuert, teilt CRIF der "Presse" auf Anfrage mit. Heimische Handelsunternehmen setzen daher schon verstärkt auf Omnichannel-Strategien, um mit Unternehmen wie beispielsweise Amazon mitziehen zu können und stehen somit vor einer neuen Zukunft bzw. Herausforderung.

Die Anteile in den den neun Bundesländern waren höchst unterschiedlich, je größer ein Bundesland ist, umso höher ist der Anteil des Handels an neuen Betrieben.

Eine erfreuliche Tendenz zeigt sich bei den Insolvenzen zeigt sich eine erfreuliche Tendenz: Während in den Jahren 2013 auf 2014 die Anzahl der Insolvenzen in der Handelsbranche um mehr als fünf Prozent zunahm, ist in den vergangenen drei Jahren ein deutlicher Rückgang zu erkennen. 2017 ist die Anzahl der gemeldeten Insolvenzen bei österreichischen Handelsbetrieben um rund 12,5 Prozent gesunken. Die höchste Insolvenzrate im Handel gab es mit 27,6 Prozent in Wien, die wenigsten Insolvenzen gab es in Vorarlberg und dem Burgenland mit jeweils knapp über drei Prozent.

„Wenn auch im letzten Jahr weniger Handelsunternehmen als in den Jahren zuvor gegründet wurden, ist und bleibt die Handelsbranche für die österreichische Wirtschaft enorm wichtig. Die Branche ist sehr dynamisch und durch einen hohen Konzentrationsgrad im Einzelhandel geprägt“, kommtentiert Boris Recsey, Geschäftsführer von CRIF Österreich, den Report.

Anstieg der Median-Eigenkapitalquote

Die heimischen Handelsunternehmen sind laut CRIF insgesamt mit einer positiven Eigenkapitalquote ausgestattet. Der Bundesländervergleich der bis Anfang 2018 eingereichten Bilanzen der Jahre 2016 und 2015 hat ergeben, dass – bis auf das Burgenland – alle Bundesländer einen Anstieg der Median-Eigenkapitalquote verzeichnen konnten.

Die Betriebe mit der besten Eigenkapitalausstattung sitzen – wie auch schon im Jahr 2015 – in den westlichen Bundesländern.

Insgesamt sitzen die österreichische Handelsunternehmen vornehmlich im Osten.

Erhebung

Die Wirtschaftsauskunftei CRIF hat auch heuer wieder eine Erhebung zur heimischen Handelsbranche durchgeführt und präsentiert im „Branchenreport Handel“ einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse. Als Berechnungszeitraum für Insolvenzen und Gründungen wurde der Zeitraum von 01.01.2013 bis 31.12.2017 (Datenstand 24.01.2018) herangezogen. Für alle anderen Berechnungen wurden jene Firmen berücksichtigt, welche zum 24.01.2018 aktiv waren.

 

(red./herbas)

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