Schramböck: Warum nicht mit 40 noch eine Lehre beginnen?

Wie nimmt man Menschen die Angst vor der Digitalisierung? Gratis-Laptops für alle bringen wenig, meint Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck. Sie setzt auf eine engere Allianz mit Konzernen wie Microsoft und eine digitale Lehrlingsoffensive für ältere Beschäftigte.

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Margarete Schramböck. – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Österreich hat, was die deutsche Internetbranche gerade verzweifelt fordert: ein eigenes Digitalisierungsministerium. Aber ist damit auch wirklich Schluss mit dem Kompetenz-Wirrwarr und „Buzzword-Bingo“ der vergangenen Jahre? Leicht hat es Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) nicht: Wichtige Agenden wie der Ausbau der Breitbandverbindungen sind weiterhin in Händen des blauen Infrastrukturministeriums. „Wir kümmern uns um die Software“, betont Schramböck.

Soll heißen: Was bringen die modernsten Autobahnen, wenn niemand da ist, der einen Führerschein hat, um darauf auch zu fahren? Nicht nur die Infrastruktur muss fit gemacht werden für die digitale Zukunft, auch die Menschen müssen sich verändern.

Tatsächlich schafft es das Land in internationalen Digitalisierungs-Rankings trotz bester Infrastruktur nur ins Mittelfeld. Bei den Österreichern dominiert noch die Skepsis, wenn sie Big Data, Automatisierung und künstliche Intelligenz hören. Die Sorge, den Anschluss zu verpassen oder den Job zu verlieren, ist groß.

 

Kerns digitaler „Schnellschuss“

„Das ist nicht immer leicht für die Menschen“, räumt die Digitalisierungsministerin ein. „Wir müssen sicherstellen, dass die Chancen größer sind als die Gefahren.“ Klingt gut, aber wie geht das?

Ein paar Punkte aus ihrem Programm sind altbekannt: weniger Regulierung, weniger Steuern, Firmengründung per Knopfdruck. Der große Knackpunkt aber ist die Bildung. Und hier unterscheiden sich die Ansätze durchaus stark. Die Vorgängerregierung unter Christian Kern (SPÖ) wollte etwa Gratis-Laptops und -Tablets an alle Schüler verteilen. Davon hält die Digitalisierungsministerin wenig: „Das war eine Schnellschussaktion. Mit einem Stück Hardware allein ist noch nichts gelöst.“

Sie strebt stattdessen eine Allianz zur digitalen Bildung mit den Unternehmen an. „60 bis 65 Prozent der Schüler heute werden einen Job ausführen, den es noch gar nicht gibt“, weiß auch Vahè Torossian, Westeuropa-Chef von Microsoft, um die Problematik.

 

Lehre: 95 Prozent unter 21

Dabei sind die Jungen gar nicht die größten Sorgenkinder. Für sie gibt es zahlreiche gute Initiativen – unter anderem mit Microsoft. Kritisch ist die Situation für all jene, die heute im Job stehen und ihre Arbeit durch die Automatisierung verlieren werden. Für sie hat sich bisher niemand so richtig zuständig gefühlt.

Jeder werde die Chance bekommen, dazuzulernen, um auch für die Jobs der Zukunft gerüstet zu sein, verspricht Schramböck. Sie verfolgt dabei auch eine etwas unkonventionellere Idee: Heute sind nur fünf Prozent aller Lehrlinge älter als 21 Jahre. Geht es nach der Wirtschaftsministerin, soll sich das bald ändern. Der Fachkräftemangel sei groß, die Zahl der Jungen schrumpfe, die Lehrberufe seien mittlerweile digitalisiert. „Warum nicht auch mit 40 noch eine Lehre beginnen, um Fachkraft für morgen zu werden?“, fragt sie.

Angst vor der Materie sei überflüssig, sagt Vahé Torossian. „Wir bringen die Menschen spielerisch zur Digitalisierung. Sogar programmieren kann heute so einfach sein wie Lego bauen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2018)

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