KTM-Chef Pierer greift nach Mehrheit an deutschem Industriekonzern

Stefan Pierer will seine Beteiligung am schwäbischen Autozulieferer SHW auf mehr als 75 Prozent aufstocken. Die Übernahme der Mehrheit würde 58 Millionen Euro kosten.

Stefan Pierer will SHW unter seiner Kontrolle bringen
Stefan Pierer will SHW unter seiner Kontrolle bringen
Stefan Pierer will SHW unter seiner Kontrolle bringen – PEROUTKA Guenther / WB

KTM-Chef Stefan Pierer wird erneut ein freiwilliges Übernahmeangebot für den börsennotierten deutschen Autozulieferer SHW AG legen. Er ist bereits Hauptaktionär des Unternehmens. Das Erwerbsangebot an die SHW-Aktionäre diene dem strategischen Ausbau der bestehenden Beteiligung von 49,38 auf bis zu 75,1 Prozent, teilte die zur Pierer Industries AG zählende SHW Beteiligungs GmbH am Montag mit.

Pierer, der als Mehrheitseigentümer des Motorradherstellers KTM und des Rennsport-Ausrüsters Pankl Racing bekannt ist, will den verbliebenen SHW-Aktionären erneut 35 Euro je Aktie bieten und bis zu 1,66 Millionen Papiere kaufen. Das Angebot - es soll am 29. März veröffentlicht werden - trieb die SHW-Aktie am Montag um 1,3 Prozent auf 35,50 Euro und den Börsewert des Unternehmens auf 228 Millionen Euro.

Bereits im Juni des Vorjahres hatte Pierer im Zuge eines Übernahmeangebotes den SHW-Aktionären 35 Euro je Aktie geboten. Damals hatte Pierer über die KTM Industries indirekt bereits 18,91 Prozent der SHW-Aktien gehalten. Vorstand und Aufsichtsrat des deutschen Unternehmens wiesen Pierers Angebot zurück - es sei aus finanzieller Sicht nicht angemessen, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Ungeachtet dessen begrüßte das Management Pierers Ankündigung, die Strategie der SHW zu unterstützen und langfristig investiert sein zu wollen.

Der SHW-Konzern produziert derzeit an vier Produktionsstandorten in Deutschland. Diese befinden sich in Bad Schussenried, Aalen-Wasseralfingen, Tuttlingen-Ludwigstal und Neuhausen ob Eck. Mit etwas mehr als 1.250 Mitarbeitern/innen erzielte SHW im Geschäftsjahr 2016 einen Kozernumsatz in Höhe von 406 Millionen Euro.

Im Geschäftsbereich Pumpen und Motorkomponenten entwickelt und produziert der Konzern Pumpen für Personenkraftwagen und Truck & Off-Highway Anwendungen (Lkw, Agrar- und Baumaschinen sowie Stationärmotoren und Windkraftanlagen) sowie Motorkomponenten. Im Geschäftsbereich Bremsscheiben werden einteilige belüftete Bremsscheiben aus Gusseisen sowie Leichtbaubremsscheiben aus einer Kombination von Eisenreibring und Aluminiumtopf entwickelt und produziert. Zu den Kunden  gehören namhafte Automobilhersteller, Nutzfahrzeug- sowie Land- und Baumaschinenhersteller und andere Zulieferer der Fahrzeugindustrie.

Das Unternehmen wurde 1365 gegründet und zählt damit zu den ältesten Industriebetrieben in Deutschland. Pierers Firmenimperium kommt nach eigenen Angaben mit 7000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. 

Tradition und Innovation

Die früheren Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) sind ein Konzern mit einer ununterbrochenen metallurgischen Tradition. Die Wurzeln gehen bis in das Jahr 1365 zurück, in dem mit der Verhüttung von Bohnerz auf der Schwäbischen Alb begonnen wurde.

Der Konzern geht aus der 1921 durch die Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb (heute MAN AG) und dem Land Baden-Württemberg gegründeten Schwäbische Hüttenwerke GmbH hervor.

Schon 1925 wurde der Prototyp eines Autos gebaut, das so fortschrittlich war, dass kein Unternehmer der damaligen Zeit seinen Bau riskieren wollte: Aluminium-Karosserie, Einzelradaufhängung und viele weitere technische Details werden erst Jahrzehnte später in die Serie einfließen.

 

 

(APA)

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