Ende der Bankenkrise: Die Rückkehr der Milliardengewinne

Nach Jahren der Krise vermelden Österreichs Banken allesamt wieder Ergebnisse auf Rekordniveau. Grund dafür ist die Erholung in Osteuropa. Nun bauen sich aber neue Risken auf.

Erste Bank-Chef Andreas Treichl kann sich über einen Milliardengewinn freuen. Auch bei seiner Konkurrenz gab es für 2017 außerordentlich gute Zahlen.
Erste Bank-Chef Andreas Treichl kann sich über einen Milliardengewinn freuen. Auch bei seiner Konkurrenz gab es für 2017 außerordentlich gute Zahlen.
Erste Bank-Chef Andreas Treichl kann sich über einen Milliardengewinn freuen. Auch bei seiner Konkurrenz gab es für 2017 außerordentlich gute Zahlen. – (c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Wien. „Vor ziemlich genau neun Jahren hat der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman von einem ,Argentinien an der Donau‘ gesprochen. Er hat nicht recht behalten.“ Mit diesem Verweis auf die damalige Aussage Krugmans, Österreich drohe aufgrund der starken Verflechtung seiner Banken in Osteuropa eine Staatspleite, begann Erste-Bank-Chef Andreas Treichl am Mittwoch seine Präsentation der Bilanz des Jahres 2017. Es sind Ergebnisse, die sich sehen lassen können: Mit einem Nettogewinn von 1,32 Mrd. Euro verdiente die Erste im Vorjahr nicht nur um 51 Mio. mehr als 2016, es war auch der höchste jemals erzielte Wert und das zweite Rekordergebnis in Folge.

Grund dafür ist die Erholung im noch vor wenigen Jahren stark gescholtenen Osteuropa, so Treichl weiter. Im Vorjahr ist beispielsweise kein einziges Land, in dem die Erste tätig ist, schwächer gewachsen als der Schnitt der Eurozone. Mit Tschechien, aber auch Ungarn und Rumänien, haben bereits drei Länder geringere Arbeitslosenraten als Österreich.

Die Erste ist nicht allein mit diesem Befund. Erst Anfang Februar vermeldete Konkurrent Raiffeisen Bank International (RBI) seine vorläufigen Zahlen für 2017. Und auch hier liegt der Gewinn nach Jahren erstmals wieder über dem Wert von einer Milliarde Euro. Gegenüber dem Jahr 2016 konnte RBI den Gewinn sogar auf 1,12 Mrd. Euro verdoppeln, nur im Jahr 2006 konnte das Institut noch um einen Hauch mehr verdienen.

Ebenfalls hervorragende Zahlen gab jüngst auch die Bank-Austria-Mutter, Unicredit, bekannt. Da die Osteuropa-Sparte nicht mehr von Wien aus gesteuert wird, sind die Ergebnisse mit früher zwar nicht mehr gut vergleichbar. Mit einem Gewinn von 557 Mio. Euro in Österreich (ohne Corporate- und Investmentbanking) und von 1,6 Mrd. Euro in Osteuropa sind aber auch bei Unicredit die Zahlen auf Rekordniveau.

 

Rekordtief bei Risikokosten

Doch wie passen die Nullzinsen und die Sorge der heimischen Nationalbank über die Margenschwäche der Banken mit den nun vermeldeten Rekordergebnissen zusammen? Die Antwort darauf geben die sogenannten Risikovorsorgen für notleidende Kredite. Denn operativ brachte – zumindest bei der Ersten – 2017 gegenüber 2016 sogar einen leichten Rückgang. Aufgrund des nach wie vor schwachen Zinsumfeldes sanken die Betriebserträge um 22 Mio. Euro auf 6,67 Mrd. Euro. Zum Vergleich: 2014, in dem Jahr, in dem die Erste einen Verlust von 1,44 Mrd. Euro vermelden musste, lagen die Betriebserträge mit 6,88 Mrd. Euro noch spürbar höher.

Damals fielen allerdings Risikovorsorgen in Höhe von 2,16 Mrd. Euro an. Und diese machten aus einem schönen operativen Gewinn einen drastischen Nettoverlust. Anders die Situation im Vorjahr: Mit lediglich 132 Mio. Euro sind die Risikokosten auf ein neues Rekordtief gefallen. Nur noch für 0,09 Prozent aller Kundenkredite mussten Vorsorgen getroffen werden. Hätte es nicht die zwei großen Abschreibungsfälle Steinhoff und Agrokor gegeben, wäre die Erste 2017 de facto mit Risikokosten von null durchgekommen, so Treichl.

Allerdings gibt man sich bei der Bank nicht der Illusion hin, dass das so bleiben wird. „Dieser Wert ist sicherlich nicht das neue Normal“, meint der Ex-Bank-Austria-Chef und jetzige Erste-Risikovorstand Willibald Cernko. Zumindest auf 0,2 Prozent dürften die Risikokosten mittelfristig wieder ansteigen. Aber selbst dann wären die Banken noch weit von jenem Niveau entfernt, das noch vor Kurzem gang und gäbe war.

Dass die Banken ihre Risikokosten so stark senken konnten, hängt mit der wirtschaftlichen Erholung zusammen. Allerdings ist diese aufgrund der künstlich niedrig gehaltenen Zinsen auch verzerrt, so Treichl. „Bei so niedrigen Zinsen kann man kein Gefühl entwickeln, wie hoch die echten Risikokosten sind.“ Doch das ist nicht die einzige Gefahr, die sich nun in der Phase der Hochkonjunktur aufbaut. „Die Immobilienmärkte sind zum Teil bereits total überhitzt“, so der Erste-Chef. Das treffe teilweise auch auf Wien zu.

 

Die Erste in Deutschland?

Sein Institut will die jetzige Phase dennoch für Expansion nutzen – allerdings nicht durch Zukäufe. „Unser Interesse, Ziegelsteine oder Land zu erwerben, ist überschaubar.“ Stattdessen sollen mit der Onlineplattform George neue Kunden erschlossen werden. Einerseits wird die Erste George in ihren bestehenden Märkten „schon bald“ Kunden anderer Banken anbieten – auch in Österreich. Andererseits sollen so auch komplett neue Märkte erschlossen werden. Diese sollen „in der Region“ sein. Es müsse sich dabei aber nicht um Osteuropa handeln. Ob die Erste also Deutschland im Auge habe, will Treichl nicht beantworten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2018)

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