Wifo: Strafzölle würden USA mehr schaden als Europa

Einer Wifo-Studie zufolge würden in der EU 20.000 Jobs durch die Stahl- und Alu-Zölle verloren gehen, in den USA allerdings 50.000 Jobs.

US-POLITICS-TRADE-STEEL
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APA/AFP/MICHAEL MATHES

Die ab Freitag kommender Woche geplanten US-Schutzzölle auf Stahl und Aluminium würden sich für die USA als Schuss ins eigene Knie erweisen, so viel steht fest. Jetzt hat aber das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) errechnet, um wie viel die negativen Auswirkungen für die USA massiver zu spüren wären als für Europa - nämlich für Jobs und BIP etwa drei mal so hoch.

In den 28 EU-Staaten zusammen würden demnach kurz- bis mittelfristig 20.000 Jobs durch die Stahl- und Alu-Zölle verloren gehen - davon 500 in Österreich - in den USA allerdings 50.000 Jobs. Für das Wirtschaftswachstum wäre der Negativ-Effekt für die Vereinigten Staaten exakt drei Mal so groß wie für die Europäische Union: Jenseits des Atlantik würden dadurch umgerechnet 6 Mrd. Euro an BIP wegfallen, in der EU lediglich 2 Mrd. Euro, davon rund 100 Mio. Euro in Österreich, geht aus den seit Freitag vorliegenden Berechnungen hervor.

Der Grund für die Unterschiede: Stahl- und Alu-Lieferungen aus den USA haben für die EU nur geringe Bedeutung. Jedoch berücksichtigt diese Rechnung noch nicht, wie sich allfällige Handelsumlenkungen auf die EU-28 auswirken könnten - wenn verhinderte US-Stahleinfuhren aggressiv auf den europäischen Markt strömen. Sollten diese nennenswert auftreten, würde dies die Negativ-Effekte erhöhen, so das Wifo.

Mittelfristiger Preisanstieg

Kurzfristig würden die Zölle die US-Stahl- und Alu-Industrie - durch die Schwächung der Importkonkurrenz - stärken, auf Kosten der Produzenten in den Exportländern. Mittelfristig würden freilich diese Metalle für die Stahl- und Alu-Verbraucher in den USA ebenfalls teurer - entweder weil sie trotz höherer Preise weiter auf Einfuhren angewiesen seien, oder weil sie auf Inlands-Stahl ausweichen. Letzteres impliziere ebenfalls einen Preisanstieg: Wäre der heimische Stahl billiger, wäre er bereits vor den Strafzöllen verwendet worden. Es würden also die Vorleistungskosten für Verbraucher der mit Zoll belegten Güter steigen, damit auch die Preise daraus hergestellter Produkte.

Gerade die US-Autoindustrie als großer Stahlverbraucher gehört laut Wifo zu den größten Verlierern der Importzölle auf Stahl - denn eingeführte Kfz werden dadurch relativ gesehen billiger. "Tatsächlich steigen in diesem Szenario die Autoexporte aus der EU und dämpfen damit den negativen Schock durch die Importzölle", so das Wifo. Sollte die US-Regierung darauf reagieren und zusätzliche Zölle von 10 oder 25 Prozent auf Autoimporte implementieren, so wäre Europa doch deutlicher betroffen als im reinen Stahl-/Alu-Zoll-Szenario. Bei 25 Prozent US-Importzoll auf Autos wären bereits rund 150.000 Beschäftigte in der EU betroffen (darunter 5.000 in Österreich), rund 20.000 bis 30.000 davon allein in der Autoindustrie, bei lediglich 10 Prozent Kfz-Import-Zoll wären es 120.000 EU-Jobs (davon 3.000 in Österreich).

(APA)

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