Euro statt Dollar: Die Notenbanken denken um

Nach Jahren der Krise bringt der von den USA angezettelte Handelsstreit dem Euro Aufwind. Die internationalen Notenbanken stocken ihre Reserven wieder auf.

FILE PHOTO: European Central Bank (ECB) headquarters building is seen in Frankfurt
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Europäische Zentralbank in Frankfurt: Der Euro gewinnt wieder an Bedeutung. – REUTERS

Die Schlagzeilen gehören meistens Russland oder China. Diese Länder sind bekannt für teils drastische Angriffe auf die Vorherrschaft des US-Dollars als Weltreservewährung. Aber während etwa China die Internationalisierung der Landeswährung Yuan aggressiv vorantreibt, ist bisher nur eine Währung auch nur in die Nähe des Dollars gekommen, wenn es um die internationale Bedeutung geht: der Euro. Und der aktuell laufende Handelsstreit zwischen Washington und Peking lässt die europäische Gemeinschaftswährung auch für die internationalen Notenbanken wieder attraktiv aussehen.

Zum ersten mal seit rund 10 Jahren steigt der Anteil des Euro an den internationalen Währungsreserven wieder. Grund dafür sind die Probleme der USA unter der Führung von Donald Trump einerseits und das Ende der Krise in Europa andererseits.

Der Trend ist auch nicht ganz neu: Nach der Einführung des Euro 1999 setzte erstmals seit dem zweiten Weltkrieg eine Periode ein, in der Dollars abverkauft und durch Euros ersetzt wurden. 2009 war bei einem Anteil von rund 28 Prozent der Reserven das Ende der Party gekommen. Griechenlandkrise, Schuldenkrise und zuletzt der Brexit haben die Stellung des Euro geschwächt.

Dollar und Euro weit vor anderen Währungen

Von einer Ablöse des Dollars kann freilich auch heute keine Rede sein. Noch immer sind 64 Prozent der Reserven in US-Staatsanleihen investiert - also in Dollar. Der Euro konnte zuletzt 20 Prozent der Reserven für sich verbuchen. Das entspricht (umgerechnet) fast zwei Billionen Dollar. Insgesamt bunkern die Notenbanken und Staaten laut Bloomberg (umgerechnet) rund 11,3 Billionen Dollar an Währungsreserven. Alleine China hält rund drei Billionen - und das meiste davon in US-Dollar. Der Anteil von Yen, Kanada-Dollar und Pfund an den internationalen Reserven ist so klein, dass man ihn vernachlässigen kann.

 

Dasselbe gilt für die chinesische Landeswährung Yuan. Deren Bedeutung wächst zwar rasant - und die Währung wird auch von den Euro-Notenbanken in kleinen Mengen gehalten. Unterm Strich kann der Yuan mit Dollar und Euro aber noch nicht mithalten. Das dürfte sich auch in den kommenden Jahren noch nicht ändern. Da gehört die Aufmerksamkeit eher dem Euro.

Bloomberg berichtet, dass die Manager "einiger der größten Zentralbanken" in den nächsten Jahren mehr Euros kaufen wollen. Die Gründe dafür greifen alle ineinander. Während die USA ihrer Stellung durch zunehmenden Protektionismus schaden, hat Europa sich der Welt zugewandt. Die EU verhandelt gerade Freihandelsabkommen mit verschiedenen Ländern in Südamerika und Asien.

China und Europa gehen aufeinander zu

"Viele Länder rund um die Welt wenden Europa zu um Handel zu treiben", sagte der Währungsanalyst Jens Nordvig zu Bloomberg: "Da ist es nicht verrückt anzunehmen, dass das auch im Bereich des Kapitalmarkts und bei der Allokation der Reserven geschieht." Norvig erwartet, dass in den nächsten zwei Jahren rund eine halbe Billion Dollar in den Euro fließen könnte. Das würde den Anteil der Gemeinschaftswährung an den internationalen Reserven um ein Viertel erhöhen.

Goldman Sachs ist weniger Optimistisch und geht von einer Umschichtung in den Euro im Ausmaß von 300 Milliarden über die nächsten drei Jahre aus. Dass die internationalen Notenbanken sich dem Euro verstärkt zuwenden werden, glauben aber auch die Analysten der berühmten Investmentbank.

Welche Staaten sich am ehesten dem Euro zuwenden werden? Vor allem Entwicklungsländer und die Ölstaaten des Nahen Ostens, die stark auf den internationalen Handel angewiesen sind, so Norvig.

Sechs aufstrebende Länder - China, Saudiarabien, Taiwan, Indien, Südkorea und Brasilien - halten gemeinsam fast die Hälfte aller Währungsreserven. Gerade Brasilien und Saudiarabien haben in Sachen Euro-Reserven Aufholbedarf. Der Handel zwischen Europa und China ist in den vergangenen 10 Jahren um 75 Prozent gestiegen. Geht der Trend so weiter, könnte Europa sogar die Vereinigten Staaten als größter Handelspartner Chinas ablösen. Da macht es für Beide Seiten Sinn, den Handel in Euro (oder Yuan) abzuwickeln - statt in US-Dollar.

Viele Vorteile durch die Leitwährung

Die Rolle der Reservewährung ist keineswegs nur zeremoniell. Die USA und ihre Unternehmen konnten in den vergangenen Jahrzehnten massiv von der Stellung des Dollars profitieren. Der Ankauf von Dollars durch Drittstaaten hat die US-Defizite de facto sterilisiert - und der US-Regierung eine günstige Refinanzierung ermöglicht.

Man kann es auch als "Export von Inflation" bezeichnen. Diese Trends scheinen nun ins Stocken zu geraten. Auch die US-Unternehmen profitieren von der Stellung des Dollar als Leitwährung etwa im Handel mit Rohstoffen. Auch sie können sich deshalb günstiger finanzieren als Firmen aus anderen Staaten.

Vor diesem Hintergrund wäre eine Verschiebung der Reserven von Dollar in Euro sehr signifikant - aber sicherlich noch keine Revolution. Denn die übrigen Staaten profitieren durchaus davon, eine relativ stabile Weltreservewährung nutzen zu können. Auch die Größe und Stabilität des US-Finanzmarktes spielen eine wichtige Rolle.

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