VW steht vor Chefwechsel - Diess soll auf Müller folgen

Volkswagen geht den Konzernumbau an und schließt dabei Veränderungen in der Führungsstruktur nicht aus. Berichten zufolge wird CEO Matthias Müller von Herbert Diess abgelöst. Anleger freuen sich bereits, die VW-Aktie legt deutlich zu.

Volkswagen-Chef Müller, CFO Witter
Volkswagen-Chef Müller, CFO Witter
Volkswagen-Chef Müller, CFO Witter – REUTERS (HANNIBAL HANSCHKE)

Volkswagen steht vor einem Chefwechsel. VW-Markenchef Herbert Diess solle auf Matthias Müller an der Konzernspitze folgen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Darüber hatte zuvor auch das "Handelsblatt" berichtet. VW hatte am frühen Nachmittag in einer knappen Pflichtmitteilung lediglich erklärt, dass der Autobauer "eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur für den Konzern" erwäge. "Dazu könnte auch eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören." Darüber hinaus äußerte sich der Konzern zunächst nicht. Insidern zufolge könnte die Entscheidung für Diess schon an diesem Freitag offiziell werden. Dann tage der Aufsichtsrat, der auch über den Konzernumbau beraten werde. Dabei gehe es unter anderem um die Einleitung des Börsengangs für die Lkw-Sparte.

An der Börse sorgte die Aussicht auf Veränderung für gute Stimmung: VW-Aktien stiegen zeitweise um fünf Prozent auf 172,50 Euro und fuhren damit an die Dax-Spitze.

 

Die Familien Porsche und Piech hatten Müller im September 2015 aufs Schild gehoben, als der damalige Konzernchef Martin Winterkorn im Zuge des Dieselbetrugs zurücktreten musste. Schon damals ließ Müller erkennen, dass er den liebgewordenen Posten als Porsche-Chef nur ungern verließ und bei Volkswagen lediglich für eine Amtszeit zur Verfügung steht. Der Vertrag des 64-jährigen Müller läuft noch bis 2020. Auf die Frage, ob der 59-jährige Diess sein Nachfolger werden könnte, sagte Müller vor kurzem dem Manager-Magazin: "Natürlich ist man mit 60 nicht alt. Wir brauchen im Vorstand Erfahrung, aber nach meiner Überzeugung auch eine Verjüngung." Am Ende sei das eine Entscheidung des Aufsichtsrats.

Kommen Markenwelten?

Bei den Plänen für einen Konzernumbau könnte auch die Idee der so genannten Markenwelten aufleben, wie zuletzt immer wieder aus Unternehmenskreisen zu hören war. Der Konzern gilt trotz der von Müller eingeleiteten Veränderungen immer noch als wenig wendig. Bei der Bündelung müsse darauf geachtet werden, dass keine Synergien verloren gingen, betonen Insider. Unklar ist noch, wie die neue Struktur aussehen könnte. Schon der frühere Konzernchef Winterkorn hatte mit einem solchen Modell experimentiert, das einst von seinem Vorgänger Bernd Pischetsrieder entwickelt wurde. Anfangs sollte eine Premiumgruppe mit Audi, Bentley, Bugatti und Lamborghini und eine Gruppe mit den Volumenmarken VW, Skoda und Seat zusammengefasst werden. Später wurde überlegt, bestimmte Marken nach dem jeweiligen Baukastenprinzip zusammenzufassen, das sie verwenden.

Der bevorstehende Konzernumbau, der nicht nur den Börsengang der Nutzfahrzeug-Sparte Truck & Bus umfassen könnte, trieb die Volkswagen-Aktie am Dienstag an. Die VW-Papiere kletterten um fünf Prozent. "Müller hat VW gut durch stürmische Zeiten gebracht, aber jetzt ist ein Neuanfang wichtig", sagte ein Händler. "Neue Besen kehren bekanntlich besser, das gefällt dem Markt." Viele Anleger setzten auch auf Kostensenkungen und höhere Margen. Zudem stütze auch die Aussicht auf einen Börsengang der Nutzfahrzeug-Sparte Truck & Bus die Kurse. "Müller war letztlich nur ein Mann für den Übergang. Jetzt hoffen die Investoren einfach auf einen Neuanfang", erläuterte ein weiterer Händler.

Müller hatte zuletzt auf dem Genfer Autosalon die Fantasie der Investoren angeregt, als er sagte, es gehe beim Konzernumbau nicht nur um die Sparte Truck & Bus, "sondern um die Schlagkraft des VW-Konzerns insgesamt". Unter Spartenchef Andreas Renschler, der vor drei Jahren von Daimler zu VW gekommen war, ist die Verzahnung der beiden selbstbewussten Lkw-Töchter MAN und Scania vorangekommen. Sie bilden zusammen mit dem Nutzfahrzeuggeschäft in Brasilien und der Digitalmarke RIO Volkswagen Truck & Bus. 

 

(Reuters)

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