Wolfgang Schüssel wird Aufsichtsrat in Russland

Der österreichische Ex-Kanzler zieht in den Aufsichtsrat des größten Telekommunikationskonzerns MTS ein. Schüssels Funktion ist speziell, das Engagement pikant.

Wolfgang Schüssel heuert in Russland an.
Wolfgang Schüssel heuert in Russland an.
APA/HERBERT NEUBAUER

Österreichische Ex-Politiker sind in Russland derzeit offenbar besonders gefragt. Nachdem vor Kurzem bekannt wurde, dass Ex-Finanzminister Hans-Jörg Schelling als Berater für die geplante Ostseepipeline Nord Stream 2 engagiert worden ist, wurde nun auch Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel in Russland angeheuert. Konkret soll er in den Aufsichtsrat der landesweit größten Telekommunikationsfirma MTS einziehen, wie der Aufsichtsrat am Mittwoch beschlossen hat. 

MTS ist ein Privatkonzern und gehört zu 51,11 Prozent dem Mischkonzern AFK Sistema rund um den russischen Milliardär Wladimir Jewtuschenkow. Der Rest befindet sich im Streubesitz.2016 hat MTS 435,7 Milliarden Rubel (5,7 Mrd. Euro) umgesetzt. Chef des Aufsichtsrats ist übrigens Ron Sommer, Ex-Chef der Deutschen Telekom.

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MTS hat in Russland an die 80 Millionen Kunden, inklusive der benachbarten Staaten (Ukraine, Weißrussland, Armenien, Turkmenistan), in denen der Konzern aktiv ist, sind es an die 110 Millionen. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen knapp 70.000 Mitarbeiter.

Schüssel wird im Konzern eine besondere Aufgabe zukommen. Und zwar baut man auf die Vernetzungen des Ex-Kanzlers in Europa, wie die "Presse" aus informierten Kreisen erfahren hat.

Schüssels Mission als unabhängiger Aufsichtsrat ist weniger international heikel. Das Engagement in der Sistema-Gruppe ist jedoch innerhalb Russlands pikant. Dort nämlich war der MTS-Mutterkonzern Sistema in den vergangenen Jahren in wilde Kämpfe mit dem staatlichen Ölkonzern Rosneft, wo der mächtige Putin-Intimus und Hardliner Igor Setschin das Sagen hat, verwickelt worden. Nachdem der Rosneft-Konzern Sistema zum Verkauf des Ölunternehmens Bashneft gezwungen hatte, hat er später umstrittene Nachzahlungen für angeblich erlittenen Schaden in Milliardenhöhe gefordert, was den Aktienkurs in den Keller rasseln ließ. Am Ende einigte man sich auf 100 Mrd. Rubel, die nun bis Ende März bezahlt worden sind.

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