IWF erhöht Wachstumsprognose 2018 für Österreich kräftig

Die Weltwirtschaft sieht IWF-Chefökonom Obstfeld "kurzfristig positiv, langfristig ernüchternd". Die gegenwärtig guten Zeiten werden nicht lange anhalten, prognostiziert er.

Baustelle Europacity in Berlin in der N�he vom Hauptbahnhof am 27 03 2018 *** Construction site Euro
Baustelle Europacity in Berlin in der N�he vom Hauptbahnhof am 27 03 2018 *** Construction site Euro
Baustellen schießen aus dem Boden – (c) imago/STPP

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bewertet die Aussichten für die Weltwirtschaft weiterhin optimistisch - zumindest auf kurze Sicht. Längerfristig hingegen sieht der IWF Wachstumsrisiken, wie der Währungsfonds am Dienstag in Washington mitteilte. Sorgen bereiten dem Fonds unter anderem zunehmende Handelsstreitigkeiten wie zwischen den USA und China sowie geopolitische Spannungen.

Für das österreichische Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr 2018 hat der IWF gegenüber der Herbst-Schätzung kräftig erhöht: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde heuer voraussichtlich um 2,6 Prozent real wachsen, geht aus dem neuen World Economic Outlook des IWF von Dienstag hervor. Im Herbst hatte der IWF lediglich 1,9 Prozent Plus erwartet. Für 2019 geht der IWF für Österreich von nur noch 1,9 Prozent BIP-Zuwachs aus - hier gibt es keine Vergleichszahl, das ist die erste Vorschau auf kommendes Jahr. Voriges Jahr (2017) hatte das BIP-Plus in Österreich 2,9 Prozent betragen, auch nach heimischer Rechnung.

IWF pessimistischer als heimische Wirtschaftsforscher

Mit diesen neuen Prognosen des IWF würde unser Land wie 2017 auch heuer das Wachstum der Eurozone überflügeln, wenn auch nicht mehr so stark wie im Vorjahr. Mit den 2,6 Prozent BIP-Prognose für Österreich für das heurige Jahr ist der IWF pessimistischer als die beiden heimischen Forschungsinstitute, die zuletzt Mitte März für 2018 mit 3,2 Prozent (Wifo) bzw. 2,8 Prozent (IHS) Realwachstum rechneten. Für 2019 ist der IWF mit seinen 1,9 Prozent gleichauf mit dem IHS, während das Wifo von etwas kräftigeren 2,2 Prozent ausgeht.

 

 

Seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft beließ der IWF unverändert bei jeweils 3,9 Prozent für dieses und nächstes Jahr. Etwas günstiger als im Rahmen der jüngsten Prognoserunde vom Jänner bewertet er dagegen die Aussichten für die USA und die Eurozone. Für die USA wurden die Wachstumsprognosen um jeweils 0,2 Punkte auf 2,9 (2018) und 2,7 (2019) Prozent erhöht. Für die Eurozone liegt die Projektion für dieses Jahr um 0,2 Punkte höher bei 2,4 Prozent. Die Erwartungen für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wurden ebenfalls um 0,2 Punkte auf 2,5 Prozent angehoben.

Deutliche Wachstumsrisiken

Die Weltwirtschaft zeige weiterhin eine breite Wachstumsdynamik, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld. Im Gegensatz dazu stehe der ebenfalls breite Handelskonflikt. "Trotz der positiven kurzfristigen Nachrichten sind die längerfristigen Aussichten ernüchternder." Blicke man über die kommenden Quartale hinweg, zeichneten sich deutliche Wachstumsrisiken ab, sagte Obstfeld. Beispielhaft warnte er vor der hohen privaten wie auch staatlichen Verschuldung, politischen Risiken und der Eskalation von Handelsstreitigkeiten.

"Die gegenwärtig guten Zeiten werden nicht lange anhalten", prognostizierte Obstfeld. Er verband die Warnung mit der Aufforderung, staatliche Finanzpuffer aufzubauen, Strukturreformen umzusetzen und die Geldpolitik vorsichtig anzupassen. Die Regierungen seien aufgefordert, das Wachstum zu stärken und es besser zu verteilen. "Handelsstreitigkeiten lenken von dieser wichtigen Agenda eher ab anstatt sie voranzutreiben."

(APA)

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