Analyse: Wofür die Österreicher ihr Geld ausgeben

Grafik Die Österreicher stecken immer mehr Geld in Urlaubs- und Freizeitvergnügen. Die Online-Ausgaben, die zehn Mal schneller wachsen als die für den stationären Handel, treten eine Paketlawine los.

Österreicher konsumieren immer mehr
Österreicher konsumieren immer mehr
Österreicher konsumieren immer mehr – (c) Clemens Fabry

2017 haben die privaten Haushalte in Österreich 182,7 Milliarden Euro ausgegeben. Das zeigt eine aktuelle Studie von Branchenradar.com Marktanalyse und dem Handelsverband. Auch wenn man den nominellen Anstieg von 3,8 Prozent um die anziehende Jahresinflation von 2,1 Prozent reduziert, bleibt immer noch eine robuste 1,7-Prozent-Steigerung gegenüber dem Vorjahr übrig. Die Gesamtausgaben gliedern sich in 60,8 Milliarden Einzelhandelsausgaben, 105,9 Milliarden für einzelhandelsnahe Ausgaben wie beispielsweise Wohnungsaufwand, Urlaub und Freizeit sowie 17,3 Milliarden für Kraftfahrzeuge.

Am meisten, nämlich 28,8 Milliarden Euro, haben die Österreicher für Urlaub und Freizeit locker gemacht. „Der Trend zu Ausgaben und Anschaffungen mit hohem Freizeitcharakter oder Sexappeal setzt sich fort“, erklärt Studienautor Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von Branchenradar.com Marktanalyse. Diese Analyse wird auch durch die beachtlich Steigerung von 5,8 Prozent oder 1,6 Milliarden Mehrausgaben im Vorjahr untermauert.

Mehr als jeder dritte Euro im Handel für Lebensmittel

Im Einzelhandel selbst fließt das meiste Geld - mehr als ein Drittel - in den Lebensmittelhandel. 22,7 Milliarden Euro haben die Österreicher in die Supermärkte und zu den Diskontern getragen, um 2,8 Prozent mehr als 2016. Mehr ausgegeben haben die Österreicher auch für Bekleidung und Schuhe und Möbel, Elektronikgeräte sowie Sportartikel. Einen Rückgang hatte der Buchmarkt zu verzeichnen. Dafür wurden im Vorjahr um 38 Millionen Euro weniger ausgegeben. Unter dem Strich geht Frank Hensel, Vizepräsident des Handelsverbandes, im stationären Einzelhandel von einem anhaltenden, wenn auch eingebremsten Strukturwandel aus. Das heißt weniger Standorte, größere Verkaufsflächen und noch mehr Filialisierung im Handel.

Ein interessantes Detail aus der Studie zeigt, dass die Mehrausgaben für Kunstgegenstände mit 120 Millionen Euro höher waren als für Damenbekleidung. Hier belief sich der Zuwachs auf nur 112 Millionen. Die Anschaffung von Kraftfahrzeugen war den Österreichern immerhin um 569 Millionen Euro mehr wert als 2016.

Online weiter im Vormarsch

Weiter auf Wachstumskurs befindet sich in Österreich laut Studie der Distanzhandel. "Insbesondere der E-Commerce hat 2017 massiv an Bedeutung gewonnen. Der Vertriebskanal generiert um 14,2 Prozent höhere Privatausgaben als noch 2016. Damit wächst der Distanzhandel 10-mal so schnell wie der stationäre Handel", bestätigt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Überdurchschnittlich stark hat der Onlinehandel in den Bereichen Wohnungseinrichtung, bei DIY-Produkten, Drogeriewaren und Sportartikel zugelegt. Die Top-Onlineshops in Österreich sind Amazon, Zalando und Universal. So besitzt Marktführer Amazon Kundendaten von 93 Prozent der heimischen Online-Shopper.

 

Im einem Vergleich mit einer der stärksten Länder im Online-Shopping, nämlich Großbritannien, werden die möglichen Potenziale hierzulande sichtbar. Während die heimische Lebensmittelbranche trotz aller Bemühungen derzeit bei einem Onlineanteil von 1,5 Prozent steht, geben die Briten bereits 16 Prozent bei Online-Lebensmittelhändlern aus. Ähnlich groß sind die Unterschiede bei Elektronik, Bekleidung und Möbel.

Das anhaltend Wachstum vom Internethandel hat auch starke Auswirkungen auf den Paketzustellmarkt. 2017 ist die Anzahl der in Österreich von Unternehmen an Private gelieferten Pakete (Business-to-Consumer) um 27,3 Prozent auf 105,7 Millionen Pakete explodiert. Die Hauptgründe für die Paketlawine sind laut Rainer Will neben dem generellen E-Commerce-Boom vor allem überproportional steigende Teillieferungen sowie Retouren.

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