Digitalisierung: Unternehmen verschlafen Weiterbildung ihrer Mitarbeiter

Nur rund ein Viertel der europäischen Beschäftigten berichten über entsprechende Ausbildungsangebote durch ihren Arbeitgeber.

Panamera-Produktion mit Kuka-Robotern
Panamera-Produktion mit Kuka-Robotern
APA/dpa-Zentralbild/Jan Woitas

Der Einzug von Robotern und künstlicher Intelligenz in Werkshallen und Büros sorgt bei vielen Arbeitnehmern für Verunsicherung. Um mit dem technologischen Fortschritt mithalten zu können, bedarf es umfassender Aus- und Weiterbildung. Doch gerade hier hapert es deutlich.

Demnach fühlt sich die große Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland nur unzureichend auf die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt vorbereitet. Das geht aus der Umfrage "Trend-Index" hervor, die im Vorfeld der Robotik- und Automationsmesse Automatica in München veröffentlicht wurde. Die Aus- und Weiterbildung der Unternehmen hinkt deutlich hinter den Erwartungen der Beschäftigten zurück. Nur gut ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland hat den Eindruck, dass ihr Arbeitgeber entsprechende Angebote vorantreibt.

Für die Untersuchung wurden in den USA, Asien und Europa insgesamt rund 7.000 Arbeitnehmer nach ihren Einschätzungen zum Einfluss von Robotern und künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt von morgen befragt. Lediglich 16 Prozent der Befragten in Deutschland gaben ihrem
Arbeitgeber die Schulnote eins oder zwei für Aus- und Weiterbildungsprogramme.

Damit schneidet die deutsche Wirtschaft etwas schlechter ab als
die anderer Länder. Im Durchschnitt der sieben Länder befand ein
knappes Viertel der Arbeitnehmer, dass solche Ausbildungsangebote
bei ihren Arbeitgebern bereits erfolgreich etabliert seien.

Auch der Maschinenbau-Branchenverband VDMA sieht Nachholbedarf:
"Arbeitnehmer müssen für die Digitalisierung qualifiziert werden.
Hier machen die Mittelständler schon viel, aber es muss noch mehr
werden", erklärte der für Robotik und Automation zuständige
VDMA-Geschäftsführer Patrick Schwarzkopf. Die Qualifizierung beginne
allerdings in den Schulen und Berufsschulen, "und hier ist der
Gesetzgeber gefordert, diesen Prozess noch deutlich zu
beschleunigen".

Vor allem in China und in den USA erwarten der Studie zufolge die
Menschen positive Impulse, sich zu Robotik und Automation beruflich
fortzubilden. Auf mehr qualifizierte und besser bezahlte Jobs durch
Mensch-Roboter-Teams hofft etwa die Hälfte der Befragten in
Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Japan. In China
und den USA gehen sogar 80 Prozent der Befragten davon aus, dass
solche Jobs künftig zunehmen werden. Schwarzkopf sieht das positiv:
"Trotz aller Schreckensbilder haben viele Menschen eine durchaus
positive Einstellung zur Künstlichen Intelligenz und deren
Möglichkeiten", sagte der VDMA-Geschäftsführer.

Die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt werden seit
Jahren in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutiert.
Befürchtungen, dass vor allem viele standardisierte Jobs durch den
Einsatz von Datenverarbeitung und künstlicher Intelligenz wegfallen
dürften, steht die Hoffnung gegenüber, dass dank neuer Technologien
auch zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.

Dafür ist aber auch aus Sicht der Gewerkschaften mehr Aus- und
Weiterbildung erforderlich. So hatte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann
kürzlich in einem auf der Homepage der Gewerkschaft
veröffentlichten, internen Interview beklagt, dass in der Metall-
und Elektroindustrie die Weiterbildungs- wie auch die
Ausbildungsquote stagniere - trotz sichtbarer Veränderungen der
Arbeit. "Solange die Auftragsbücher in den Betrieben voll sind und
die Personaldecke knapp bemessen bleibt, wird allenfalls das
Notwendigste qualifiziert. Das ist ein kurzfristiges Denken zu
Lasten der langfristigen Perspektiven der Beschäftigten", erklärte
der Gewerkschafter.

 

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