Fremdwährungskredite vor dem Aus

Die Finanzmarktaufsicht dürfte noch im März "dringende Empfehlungen" kundmachen, wonach FW-Kredite für Privatpersonen praktisch verboten werden. Auch endfällige Kredite mit Tilgungsträgern werden beschränkt.

Fremdwaehrungskredite
Fremdwaehrungskredite
(c) . (Erwin Wodicka)

Noch im März dürfte die Österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) Fremdwährungskrediten in Österreich fast gänzlich den Garaus machen. Die geplante Kundmachung sieht schärfere Mindeststandards für die Sicherheit der Kredite vor. Zwar wird noch an den Formulierungen gefeilt, es dürfte aber einem Verbot für FW-Kredite für Private sehr nahe kommen. Jedenfalls ausgenommen vom "Verbot" sollen Unternehmer sein. Und natürlich Österreicher, die Einkommen in fremder Währung haben, ebenfalls ausgenommen. Das sind zum Beispiel Vorarlberger, die in der Schweiz arbeiten.

Disput um Pflichtwechsel bestehender Kredite

Die FMA will von den Banken auch einen rascheren Abbau des gesamten FW-Kreditobligos. In Österreich laufen derzeit gut 250.000 Verträge über FW-Kredite an Privathaushalte in Höhe von 35 Mrd. Euro.

Ob ein Bankkunde von seinem Kredit in fremder Währung in einen Euro-Kredit umsteigt, sei eine Entscheidung des Kunden, die ihm die Bank nicht vorschreiben könne, hieß es am Montag aus mehreren Kreditinstituten. Die FMA möchte, dass die Banken ihren Kunden aktiv Umstiegsmöglichkeiten anbieten, etwa wenn bestimmte Währungsrelationen gerade besonders günstig sind. Entscheidend für die Finanzaufsicht ist, dass die Banken für eine Begrenzung des Risikos sorgen: Die Zielrichtung der FMA: Ein Fremdwährungskredit darf kein standardisiertes Massenprodukt mehr sein. Vor allem mit der landläufig geübten Praxis, Eigenheime mit Niedrigzins-Krediten in Fremdwährung zu finanzieren, wäre damit Schluss. In dieser Hinsicht war Österreich in absoluten Zahlen lange führend im EWR-Raum.

Aus für endfällige Kredite

Ebenfalls "dringende Empfehlungen" wird die FMA zu endfälligen Krediten mit eigenen Tilgungsträgern kundmachen. Das sind in Österreich vor allem Wohnbaukredite, die nicht regelmäßig abbezahlt werden. Der Kreditnehmer spart stattdessen z.B. in eine Lebensversicherung oder einen Fonds. Eine Spielart dieses Modells ist erst vor wenigen Monaten vom Handelsgericht Wien verurteilt worden.

Finanzberater verkaufen solche Modelle oft mit einem rechnerischen Kniff: Dem Kunden wird bei einem normalen Kredit vorgerechnet, dass praktisch nur die Bank verdient, weil man für den Kredit Zinsen zahlt. Bei der Variante mit endfälligem Darlehen hingegen "verdienen" beide Seiten: Die Bank durch die Kreditzinsen, die Kunden durch die Veranlagung. Das Modell kann durchaus funktionieren, solange die Veranlagung gute Renditen abwirft. Besonders "kühne" Finanzberater rechnen in ihren Modellen sogar mit höheren Veranlagungs- als Kreditzinsen.

Freiwillige Richtlinien halfen nicht genug

Ursprünglich wollte die FMA mit einer freiwilligen Selbstbeschränkung der Banken das Auslangen finden, doch hat sich das als wettbewerbsrechtlich problematisch erwiesen. Im Lichte der Finanzkrise hatte die Finanzaufsicht bereits im Herbst 2008 erstmals Restriktionen für diesen Bereich empfohlen, seither vergaben Banken kaum neue FW-Kredite. Die FMA "kämpft" schon lange gegen diese Kredite: Bereits im Juni 2009  verkündete sie deren baldiges Ende.

 

 

(ag/ebl)

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