Das vorläufige Ende der Ära Eder bei Voestalpine

Nächstes Jahr endet vorläufig die Ära Eder beim Linzer Stahlkonzern Voestalpine. Sein Nachfolger als CEO wurde bereits nominiert. In drei Jahren soll Eder den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen.

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder geht nächstes Jahr in Pension
Voestalpine-Chef Wolfgang Eder geht nächstes Jahr in Pension
Voestalpine-Chef Wolfgang Eder geht nächstes Jahr in Pension – REUTERS

Der Aufsichtsrat der Voestalpine hat heute die brennende Frage gelöst, wer den Konzern leiten soll nach dem Ausscheiden von CEO Wolfgang Eder, dessen Mandat nur noch bis zur Hauptversammlung am 3. Juli 2019 läuft und der nach 15 Jahren als Vorsitzender für eine längere Funktionsperiode nicht mehr zur Verfügung steht. Künftiger Voestalpine-Chef ist Herbert Eibensteiner, der Leiter der Steel Divison. Die Wachablöse erfolgt mit Ablauf der Hauptversammlung 2019. Eder wird dann in den Aufsicht wechseln, sofern ihn die Aktionäre wählen. Bei einer erfolgreichen Zuwahl könnte er mit einer zweijährigen „Cooling-off-Periode“ vom langjährigen Vorsitzenden Joachim Lemppenau den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen.

Die Funktionsperioden aller Vorstandsmitglieder (außer Eder) wurden heute vom Aufsichtsrat bis 31. März 2024 verlängert.

„Mit Herbert Eibensteiner wird die Voestalpine ab Juli 2019 ein international erfahrener Topmanager führen, der bereits seit 30 Jahren im Konzern tätig ist und an der jüngeren Erfolgsgeschichte maßgeblich beteiligt war. Es freut mich, dass es nach einer intensiven Diskussion im Aufsichtsrat mit Eibensteiner zu einer internen Lösung kommt und mit der Verlängerung der übrigen Vorstandsmandate das erwiesernermaßen erfolgreiche Vorstandsteam bis zumindest 2024 für den Konzern weiterarbeiten wird. Ob Eibensteiner die Steel Division neben dem Vorstandsvorsitz in Personalunion weiterführt, wird im laufenden Geschäftsjahr geklärt. Die heutige Größe des Konzerns wird aber eine solche Doppelfunktion auf Dauer nicht zulassen", sagt Lemppenau.

Unter Wolfgang Eders Führung hat sich der Voestalpine-Konzern von einem österreichischen Stahlunternehmen zu einem globalen Technologie- und Industriegüterkonzern entwickelt und seinen Umsatz von ursprünglich rund vier Milliarden Euro seither mehr als verdreifacht. Lemppenau: "Eder hat mit dem Börsengang und der Privatisierung des ehemaligen ‚Flaggschiffs der Verstaatlichten Industrie Österreichs‘ den wohl prägendsten Einschnitt der Konzerngeschichte mitbegleitet und die strategische Neuausrichtung hin zum heutigen Fokus auf Hochqualität und Internationalisierung mit viel Mut, Engagement und einem bemerkenswerten Führungssstil umgesetzt."

"Die Zeit, die kommt, ist nicht einfach - es wird 'ne Menge massiver Änderungen geben", räumte der Aufsichtsratschef ein. "Wir erwarten, dass die Internationalisierung des Konzerns weitergeht und wir hätten gern, dass wir ein internationales Unternehmen mit Sitz in Österreich haben." Das Unternehmen wachse "ja sehr nachhaltig und nicht raketenartig" - "und wir erwarten, dass das so nachhaltig gemacht wird wie bisher". Massiv verändern würden sich etwa die Weiterverarbeitung und auch die Automobilindustrie. "Wir wissen noch nicht, in welche Richtung", sagte er in Bezug auf Letztere. Die Wasserstoffpilotanlage in Linz sei "natürlich sehr spannend und kann darüber entscheiden, ob man in 20 Jahren noch Stahl in Europa machen kann".
 

Hochprofitabler Konzern

Und was sagt Eder? "Die Führung eines Unternehmens ist nur so gut wie die Mannschaft dahinter und dieser Aspekt stellt bei der Voestalpine den zentralen Erfolgsfaktor dar. Unsere Mitarbeiter haben in den letzten Jahren nicht nur großartige Arbeit geleistet und Innovation vorangetrieben, sie haben auch Veränderungen im Konzern mitgetragen sowie Herausforderungen in kritischen Zeiten gemeinsam mit dem Management gemeistert. Das hat die Voestalpine zu dem gemacht, was sie heute ist: ein weltweit erfolgreicher Techologiekonzern, der in jeder Hinsicht positiv in die Zukunft blicken kann."

Die Voestalpine zählt zu den profitabelsten Stahlkonzernen der Welt.  Allein seit 2010 wurden insgesamt knapp 3,5 Milliarden Euro Gewinn eingefahren. Im Geschäftsjahr 2017/18 dürften Analystenschätzungen zufolge rund 725 Millionen Euro verdient worden sein. Genaue Zahlen wird Konzernchef Eder morgen Mittwoch vorlegen. Erwartet wird, dass die Dividende von 1,10 Euro je Aktie auf 1,34 Euro erhöht wird.  Das könnte die Anleger versöhnlich stimmen, denn ihnen gefällt die Nachricht vom Abgang des erfolgreichen Konzernchefs nicht: Die Voestalpine-Aktie gab am Dienstag mehr als ein Prozent ab.

Die Voestalpine ist an der Börse knapp 7,8 Milliarden Euro wert. Seit dem Jahr 2000 sind die Mitarbeiter durch eigenen Aktienbesitz am Konzern beteiligt. Die  Mitarbeiterbeteiligung (14,8 Prozent der Anteile) umfasst derzeit die rund 22.300 Mitarbeiter aller 52 Gesellschaften des voestalpine-Konzerns in Österreich und rund 1.900 Mitarbeiter aus 84 Gesellschaften in weiteren Ländern.

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