Ehemaliger griechischer Chefstatistiker muss für korrekte Zahlen büßen

Weil er mit Missständen in der griechischen Statistikbehörde aufräumte, machte sich Andreas Georgiou in seiner Heimat viele Feinde. Nun ist in einem Gerichtsprozess das endgültige Urteil gefallen.

 Andreas Georgiou
 Andreas Georgiou
Georgiou war fünf Jahre lang Chef der griechischen Statistikbehörde Elstat. – Imago

Das endgültige Urteil im Prozess erfuhr Andreas Georgiou in den USA, seiner zweiten Heimat. Seine erste, Griechenland, hat der Ex- Chef der Statistikbehörde schon im August 2015 verlassen, nachdem er seinen Job an den Nagel gehängt hatte. Seitdem gab es immer wieder Prozesse gegen ihn in Griechenland. Dabei ging es um die Haushaltsdaten – und zwar nicht etwa darum, dass sie geschönt wurden. Nein, Georgiou wurde von der Regierung vorgeworfen, er habe das Defizit "künstlich nach oben geschraubt", damit die EU in Griechenland den harten Sparkurs durchsetzen kann.

Wegen "Pflichtverletzung" wurde er nun vom Obersten Gerichtshof in Griechenland zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Die Entscheidung ist endgültig. Eine schriftliche Begründung des Urteils liegt noch nicht vor.

Georgiou räumte auf

Vor zwei Jahren erzählte Georgiou, der die Statistikbehörde Elstat von 2010 bis 2015 leitete, im Gespräch mit der "Presse": "Vom ersten Tag an gab mir der Verwaltungsrat zu verstehen, dass er alles weiterhin so machen wollte wie bisher. Diese Leute verlangten, dass wir über die Zahlen abstimmen, um Griechenland zu helfen. Ich sagte ihnen, dass das illegal wäre. Abgesehen davon ist es absurd, über Zahlen abstimmen zu wollen."

Doch Georgiou räumte auf: In den fünf Jahren vor ihm hatte Eurostat sechsmal die halbjährlich vorgelegten Angaben Athens zum Defizitverfahren nicht als korrekt abzeichnen können. Doch mit einer Zahl machte er sich mächtige Feinde. Er rechnete das Defizit des Jahres 2009 nach und kam auf 15,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, nicht auf 13,6 Prozent. Sowohl die Linken als auch die Konservativen griffen ihn an.

"Ein trauriger Tag für die EU"

Während seiner fünfjährigen Amtszeit, mitten in der schweren Krise, erhielt Georgiou viel Lob im Ausland. Nachdem in seiner Heimat die schweren Vorwürfe gegen ihn erhoben wurde, protestierte das International Statistical Institute mehrmals gegen die Verfolgung des ehemaligen IWF-Ökonoms. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Georgiou am Sonntag: "Dies ist auch ein trauriger Tag für die EU, dass solche Dinge innerhalb ihrer Grenzen erlaubt sind."

>>> Bericht der "Süddeutschen Zeitung"

(sk)

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