Norwegen verbietet Grazer Rabattfirma Lyoness

Einige Norweger verschuldeten sich wegen Lyoness. Die Grazer Firma muss daher in Norwegen sämtliche Aktivitäten einstellen.

Ein Gewinn bei einer früheren Lyoness-Kampagne.
Ein Gewinn bei einer früheren Lyoness-Kampagne.
Ein Gewinn bei einer früheren Lyoness-Kampagne. – Lyoness.TV

Die Grazer Rabattfirma Lyoness, die sich kürzlich in Cashback World umbenannt hat, darf in Norwegen keine Geschäfte mehr machen. Die Glücksspielbehörde des Landes hat Lyoness als "illegales, pyramidenspielartiges Verkaufssystem" klassifiziert. Lyoness muss seine Aktivitäten sofort stoppen. Das Unternehmen will gegen die Entscheidung berufen.

Bereits im Jänner hatte die norwegische Glücksspiel- und Stiftungsaufsicht "Lotteri- og stiftelsestilsynet" entschieden, dass Lyoness ein illegales Vertriebssystem sei. Gegen diese erste behördliche Einschätzung hat Lyoness Einspruch erhoben - jedoch erfolglos.

Die Aufsicht kam erneut zum Schluss, dass Lyoness ein illegales Pyramidenspiel sei und gegen das norwegische Lotteriegesetz verstoße. Das teilte die Behörde vergangene Woche auf ihrer Homepage mit - diesmal nicht nur auf norwegisch, sondern auch auf Englisch.

Lyoness ist sehr verwundert

Lyoness ist über die Entscheidung der Behörde "sehr verwundert". Man werde Berufung einlegen und beweisen, dass das Geschäftsmodell von Lyoness legal sei. "Die Geschäftstätigkeiten von Lyoness sind völlig rechtskonform. Die jüngste Entscheidung der norwegischen Behörde ist darauf zurückzuführen, dass sie das Geschäftsmodell von Lyoness nicht verstanden hat. Norwegen ist das einzige Land der Welt, in dem die Behörden die Geschäftstätigkeit von Lyoness untersagen möchten", so das Unternehmen am Montagnachmittag in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA. Falls nötig, werde man "auch gerichtliche Schritte setzen, um zu zeigen, dass Lyoness wie in allen anderen 47 Ländern ein legales Geschäftsmodell betreibt."

Nach Einschätzung von Norwegens Aufsicht basieren die Einnahmen von Lyoness in dem Land auf dem Anwerben von Mitgliedern und nicht auf dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen. Teilnehmer, die bei Lyoness Gutscheine erwerben, sich in "Customer Clouds" einkaufen oder für Seminare oder Marketingmaterial bezahlen, bekämen keine Waren, Dienstleistungen oder sonstige Vorteile, die das wert seien, was sie eingezahlt haben. Lyoness habe nicht darlegen können, dass die Gewinne aus dem Verkauf oder dem Konsum von Waren oder Dienstleistungen stammen, so die Behörde.

Lyoness habe seine unrechtmäßigen Aktivitäten nach Veröffentlichung der ersten Einschätzung der Behörde nicht eingestellt. Die Einsprüche des Unternehmens haben die Behörde nicht überzeugt, die Aufseher sind immer noch überzeugt, dass Lyoness illegal ist.

Norwegens Lotteriebehörde hat Lyoness bereits seit 2014 im Visier, immer wieder habe man "glaubwürdige" Hinweise bekommen, dass die Geschäftsaktivitäten problematisch seien, führt die Aufsicht aus. Lyoness habe zwar Maßnahmen eingeleitet, um zu gewährleisten, dass das Geschäft darauf hinauslaufe, eine internationale Shopping-Gemeinschaft aufzubauen. Auch hätten einzelne Mitglieder eine Erstattung bekommen. Die Maßnahmen konnten die Behörde aber nicht umstimmen, zumal Lyoness zahlreichen Mitgliedern sozial und finanziell geschadet habe.

"Norwegische Mitglieder haben hunderte Millionen norwegische Kronen (1 Krone = 11 Eurocent, Anm.) an Lyoness bezahlt, ohne Waren, Dienstleistungen oder andere Vorteile zu erhalten, die den Wert dessen haben, was sie bezahlt haben." Einzelne Mitglieder hätten sogar hunderttausende Kronen einbezahlt. "Sehr viele Mitglieder tätigten solche Zahlungen, nachdem sie falsche Informationen von anderen Mitgliedern über das Verkaufsschema bekommen hatten." Ihnen wurde der Behörde zufolge versprochen, dass es sich bei den Einzahlungen um Ersparnisse und Investitionen handle, die sich binnen weniger Jahre verzehnfachen würden. Viele Mitglieder seien von Familienmitgliedern oder Freunden angeworben worden. Einige junge Menschen hätten sogar mit dem Studieren aufgehört, um für Lyoness tätig zu werden; zahlreiche junge und arme Norweger hätten für ihr Investment in Lyoness sogar Kredite aufgenommen oder Ersparnisse aufgelöst.

Teile der am 31. Mai 2018 gefällten Entscheidung, wonach Lyoness seine Aktivitäten in Norwegen einstellen muss, werden erst wirksam, wenn die dreiwöchige Frist, binnen der Lyoness eine Berufung einlegen kann, abgelaufen ist. Die aufschiebende Wirkung bezieht sich auf den Geschäftsteil "Cashback", also nicht auf die Vertriebsschiene, mit der Lyoness seit Jahren in mehreren Ländern rechtliche Probleme hat. Die norwegischen Aufseher haben bestehenden Lyoness-Mitgliedern bei der Nutzung ihrer Vorteilskarten eine aufschiebende Wirkung eingeräumt, ebenso gilt die Frist für Rabattzahlungen, die Mitglieder bekommen, wenn sie selbst bei Partnerfirmen von Lyoness einkaufen.

Bisher hatte Lyoness vor allem Ärger mit dem Vertriebsbereich, den das vom Grazer Hubert Freidl gegründete Unternehmen deshalb schon vor einigen Jahren in Lyconet umbenannt hatte (die neuen Namen lauten myWorld bzw. Cashback World). Die norwegische Entscheidung betrifft aber erstmals auch die Einkaufsgemeinschaft (Cashback) - da bekommen Konsumenten mit einer Lyoness-Karte Rabatte bei Handelsunternehmen, die mit Lyoness kooperieren. Einzahlen müssen sie hier nichts.

Die norwegische Entscheidung richtet sich an die myWorld Norway AS (früher Lyoness Norway AS) und die Lyoness Europe AG, betrifft aber auch rund 152.500 norwegische Mitglieder und 1.000 norwegische Partnerfirmen, die nach den Angaben von Lyoness Teil des Verkaufssystems sind. "Die Entscheidung hat zur Folge, dass sämtliches Anwerben von norwegischen Mitgliedern und alle Zahlungen von norwegischen Mitgliedern und Partnerfirmen an Lyoness, Lyconet, Cashback World und myWorld gestoppt werden müssen." Auch darf Lyoness nicht mehr für sein Geschäft werben. Der Gebrauch von Vorteilskarten muss ebenso eingestellt werden wie der Verkauf von Rabatt- und Geschenkgutscheinen, von Anteilen an "Customer Clouds" und von Marketingmaterialien sowie Seminaren. Weiters zu beenden sind alle Rabattzahlungen, Boni und Provisionen an norwegische Mitglieder.

Die norwegische Behörde hindert Lyoness aber explizit nicht daran, Mitgliedern ihr bis Ende Mai 2018 eingezahltes Geld zurückzuzahlen, wie es in der Veröffentlichung heißt.

Lyoness muss "so bald wie möglich" alle norwegischen Mitglieder und Partnerfirmen über die Entscheidung und deren Konsequenzen informieren. Die Lotteriebehörde selbst will, aufgrund der Hinweise in dem Fall, auch die norwegische Steuerbehörde sowie die Finanzaufsicht über Lyoness in Kenntnis setzen.

In Österreich wird ermittelt

In Österreich ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) weiter gegen Lyoness-Gründer Freidl wegen Verdachts auf Verletzung der Prospektpflicht bei mehreren Anlagen, wie eine Sprecherin der Behörde am Montag bestätigte. Es handle sich um ein berichtspflichtiges Verfahren, die WKStA muss also der Wiener Oberstaatsanwaltschaft (OStA) berichten, was sie in dem Fall vorhat. Verfahren sind dann berichtspflichtig, wenn die Öffentlichkeit ein großes Interesse hat oder gegen prominente Personen (Politiker) ermittelt wird. Die Lyoness-Ermittlungen sind bereits in der Endphase.

Dem in Monaco wohnhaften Freidl gehören in Österreich laut Firmenbuch die mWS myWorld Solutions AG (früher: Lyoness Group AG bzw. Lyoness Cashback AG) sowie die Lyconet Holding GmbH, die wiederum 100-Prozent-Eigentümerin der Schweizer Lyoness International AG ist. In Österreich und anderen Ländern tritt Lyoness als Sportsponsor auf und bietet auch Cashback-Karten für Fans diverser Vereine an - beispielsweise Rapid oder AS Roma. Wer bei bestimmten Geschäften einkauft, bekommt einen Rabatt.

(APA)

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