Landwirtschaft: Jobbörsen für Erntehelfer floppten

In Niederösterreich konnten weder Arbeitslose noch Asylberechtigte für die Gemüseernte rekrutiert werden. Die LK sieht nun die Sozialministerin am Zug. Die Kontingente an Saisonarbeitern müssten kurzfristig und rasch angehoben werden.

Spargelernte in Bayern
Spargelernte in Bayern
Zu wenige Hände für die Spargelernte – APA/dpa/Armin Weigel

Immer wieder passiert es mittlerweile, dass Felder mangels Personals nicht abgearbeitet werden. Es ist offensichtlich: In ganz Österreich fehlen Erntehelfer. Die Landwirtschaftskammer führt dies auf ein zu geringes Kontingent an Saisonarbeitskräften aus Nicht-EU-Staaten zurück. Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) habe sich nicht an die Zusagen ihrer Vorgänger gehalten, kritisiert LK-Präsident Hermann Schulte. Mindestens 700 Helfer mehr hätte man gebraucht, reklamierte die heimische Landwirtschaftskammer schon im März.

Die Landwirtschaftskammer (LK) wurde daher auch selbst tätig und organisierte gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) in Niederösterreich an drei Orten Jobbörsen mit dem Ziel, Saisonarbeitskräfte zu gewinnen. In Spitzenzeiten fehlen dort bis zu 300 Helfer. Das Ergebnis der Jobbörse war niederschmetternd, die Bemühungen zeigten kaum Erfolg. Aus dem Personenkreis der arbeitslos Gemeldeten und der Asylberechtigten konnten keine Arbeitskräfte gewonnen werden.

Mangelnde Mobilität

Die Gründe dafür kennt der LK-Präsident. Der Großteil der Asylberechtigten lebe in Städten, sei nicht mobil und damit nicht in der Lage, Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu erreichen, so Schulte. Zusätzlich gibt Schultes auch die Kurzfristigkeit von Beschäftigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft als Hemmnis an: "Es fehlt eine attraktive Langzeit-Perspektive".

Für die Landwirtschaftskammer zeigt das gescheiterte Projekt "Jobbörse" aber auch auf, dass Saisonarbeitsplätze mit Arbeitssuchenden in Österreich nicht abgedeckt werden können. Eine Anhebung der Kontingente für ausländische saisonale Arbeitskräfte in der Landwirtschaft habe daher keine negative Auswirkung auf den heimischen Arbeitsmarkt, so Schulte.

Aber er fordert nicht nur das von der Sozialministerin. Es sei unverständlich, dass den ausländischen Arbeitskräften "Geld zur Finanzierung unseres Pensionssystems abgenommen wird", kritisiert Schulte. In Deutschland können die Erntehelfer dieses Geld - und damit einen höheren Nettolohn als in Österreich - nämlich mit nach Hause nehmen.

(red./herbas)

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