Arbeiten bis 67 oder um 1500 Euro höhere Beiträge

Um das Rentensystem langfristig zu sichern, braucht es höhere Pensionsbeiträge der Aktiven, geringere Pensionen oder ein späteres Antrittsalter. Was das konkret bedeutet, hat der Thinktank Eco Austria nun berechnet.

Um die Pensionssysteme zu sichern, sind weitere Veränderungen notwendig.
Um die Pensionssysteme zu sichern, sind weitere Veränderungen notwendig.
Um die Pensionssysteme zu sichern, sind weitere Veränderungen notwendig. – APA/dpa-Zentralbild/Bernd Wüstner

Wien. Die Menschen werden stetig älter. Diese an sich gute Nachricht hat für die Pensionssysteme jedoch unangenehme Folgen. So steigt der Anteil der Pensionsbezieher im Verhältnis zu den aktiven Beitragszahlern konstant an. In Österreich wird dieser Altersquotient (Zahl der über 65-Jährigen im Verhältnis zu jenen im Erwerbsalter) bis zum Jahr 2060 von derzeit 27,5 auf 48,7 Prozent ansteigen.

Um die Pensionssysteme zu sichern, sind daher trotz aller bisherigen Reformen weitere Veränderungen notwendig. Darüber sind sich alle Experten einig. Drei Möglichkeiten stehen dabei zur Wahl: höhere Pensionsbeiträge, geringere Pensionen oder ein späteres Antrittsalter. Was das für Österreich konkret bedeuten würde, hat nun das industrienahe Institut Eco Austria berechnet.

Die Ausgangslage stellt sich dabei laut den Ökonomen wie folgt dar. 2016 summierten sich die Ausgaben für Pensionen mit 51,4 Mrd. Euro auf 14,6 Prozent des BIP. Aufgrund des aktuell starken Wachstums sinkt diese Zahl derzeit zwar leicht. Zwischen 2020 und 2040 wird sie jedoch – aufgrund des Pensionsantritts der Babyboomer – auf knapp über 16 Prozent ansteigen und dort langfristig verharren.

Dieser Anstieg könnte durch höhere Pensionsbeiträge der Aktiven abgefangen werden, so die Studie. Dafür müssten diese Abgaben ab 2021 schrittweise angehoben werden. Die Auswirkung wäre aber eine deutliche Mehrbelastung der ohnehin schon belasteten Arbeitseinkommen. So würden die Beiträge für 35- bis 59-Jährige pro Jahr um 1500 Euro steigen. Von den Ökonomen wird diese Lösung daher kritisch gesehen.

Die zweite Möglichkeit wäre ein Senken der Pensionen. Diese sinken aufgrund früherer Reformen – längere Durchrechnungszeiträume – von einer Ersatzrate von derzeit 56 Prozent bis 2040 bereits auf unter 50 Prozent. Ein Ausgleich der höheren Lebenserwartung durch die Pensionshöhe würde eine Senkung ebendieser um 9,5 Prozent zur Folge haben. Im Schnitt würde das einen Minderbetrag von 2000 Euro pro Jahr bedeuten. Das könnte die Situation von Altersarmut verschärfen.
Am empfehlenswertesten sei daher eine Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters. Dieses müsste laut den Berechnungen von Eco Austria um 31 Prozent der zusätzlichen Lebenserwartung erhöht werden. 2040 müsste das Antrittsalter demnach auf 66,3 Jahre, 2060 auf 67 Jahre angehoben werden.

Dass das reale Antrittsalter auch in Zukunft geringer sein wird, ist in der Berechnung berücksichtigt. Es muss laut der Studie bis zum Jahr 2060 auf 63,4 Jahre steigen. Für jene, die vor dem gesetzlichen Antrittsalter in Pension gehen, sinkt die Pension im Schnitt dadurch jedoch um 4000 Euro pro Jahr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2018)

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