Mit Gipsbein ins Büro: Krank heißt nicht immer arbeitsunfähig

Neben qualifizierter Zuwanderung fordert die Wirtschaftskammer auch bei den Krankenständen Änderungen. Gewisse Bürojobs könnten auch mit gebrochenen Beinen gemacht werden, so die Kammer.

Arbeiten trotz gebrochenem Bein?
Arbeiten trotz gebrochenem Bein?
Arbeiten trotz gebrochenem Bein? – (c) FABRY Clemens

Wien. Schon vor zwei Wochen hat die Wirtschaftskammer auf den immer größer werdenden Facharbeitermangel in Österreich aufmerksam gemacht. Demnach fehlen in Österreich 162.000 Facharbeiter. Am Dienstag präsentierte Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer dazu weitere Details. Auch ein Forderungspaket wurde vorgestellt. Mahrer spricht sich unter anderem für die Immigration qualifizierter Kräfte aus: „Wer glaubt, ohne qualifizierte Zuwanderung auszukommen, der irrt.“

Schon jetzt können Firmen mit der Rot-Weiß-Rot-Karte Fachkräfte aus Drittstaaten (wie Programmierer aus Asien) anwerben. Doch die Rot-Weiß-Rot-Karte hat sich als viel zu bürokratisch und untauglich erwiesen. Daher fordert Mahrer hier eine Reform. „Wenn Verfahren sechs Monate dauern, anstatt acht Wochen, wie im Gesetz vorgesehen, dann handelt es sich um ein höchst bürokratisches Tool“, so Mahrer. Auch die Mangelberufsliste soll regionalisiert werden. Auf der Forderungsliste steht zudem die Ausweitung der Saisonkontingente.

Ein Handlungsfeld sieht die Wirtschaftskammer auch im Bereich „Gesundheit & Arbeitsfähigkeit erhalten“. Hier will die Wirtschaftskammer unter anderem eine Lockerung bei Krankenständen erreichen. Gefordert werden „tätigkeitsbezogene Krankschreibungen für Phasen kürzerer Krankenstände“. Als Beispiel dafür nannte Wirtschaftskammer-Arbeitsexperte Martin Gleitsmann Menschen, die sich ein Bein gebrochen haben. Einige von ihnen können trotzdem gewisse Bürotätigkeiten ausüben. Derzeit besteht in Österreich nur die Möglichkeit, dass jemand gesund oder krank ist. Eine Zwischenlösung wie Teilzeitkrankenstände gibt es nicht.

 

AK gegen Teilkrankenstand

Im Vorjahr wurde die „Wiedereingliederungsteilzeit“ eingeführt. Hier soll Personen nach einer längeren Erkrankung (wie etwa Krebs) der Wiedereinstieg in den Job erleichtert werden. Dabei muss die Arbeitszeitreduktion mit dem Arbeitgeber vereinbart werden. Die Arbeiterkammer und die Gewerkschaften lehnen eine weitere Lockerung bei Krankenständen ab. Denn laut Umfrage der Arbeiterkammer geht fast jeder dritte Beschäftigte krank in die Arbeit. Viele nennen Pflichtgefühl als Grund, andere haben im Krankheitsfall keine Vertretung. Hinzu kommt die Angst um den Job.

Für die Fachkräftestudie hat die Wirtschaftskammer das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) beauftragt. Dafür wurden 60.000 Firmen online angeschrieben. Geantwortet haben 4462 Unternehmen. Diese suchten in Summe 9000 Fachkräfte. Die Studienautoren haben dieses Ergebnis dann für ganz Österreich hochgerechnet und kommen zum Ergebnis, dass 162.000 Fachkräfte fehlen. Mahrer glaubt, dass es noch mehr sind.

Besonders groß ist der Mangel bei Handwerksberufen. In der Umfrage nannten 45,4 Prozent der Firmen, dass es schwierig ist, geeignete Mitarbeiter in Handwerksberufen zu finden. Auf Platz zwei lagen Techniker (21,4 Prozent), gefolgt von Beschäftigten im Gastgewerbe und Fremdenverkehr (18,7 Prozent). (höll)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2018)

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