Trump nennt Fed "verrückt" und erwartet Unheil für Wall Street

US-Präsident Donald Trump hat die US-Notenbank Fed wegen ihrer Zinspolitik erneut scharf kritisiert. Deren Chef Jerome Powell pocht auf Unabhängigkeit

US-Präsident Donald Trump und sein Notenbank-Chef Jerome Powell
US-Präsident Donald Trump und sein Notenbank-Chef Jerome Powell
US-Präsident Donald Trump und sein Notenbank-Chef Jerome Powell – REUTERS

US-Präsident Donald Trump hat sich vor den Kongresswahlen auf die Notenbank Fed eingeschossen und befürchtet nach dem jüngsten Kursverfall an den Börsen weiteres Unheil für die Wall Street. "Ich denke, die Fed ist verrückt geworden", sagte Trump am Mittwoch vor einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania. Sie mache einen Fehler, da sie die Zinsen so stark erhöhe.Die jüngste Talfahrt an den Börsen sei eine "Kurskorrektur", die seit langem erwartet worden sei: "Aber ich bin wirklich nicht damit einverstanden, was die Fed da macht."

IWF-Chefin Christine Lagarde hat den Angriffen Trumps auf die eigene Zentralbank eine deutliche Abfuhr erteilt. Sie eröffnete die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank am Donnerstag mit scharfer Kritik am Vorgehen des US-Präsidenten. Das System des weltweiten Handels dürfe nicht zerstört werden, sagte Lagarde.

Trump hat mit seiner bereits mehrfach geäußerten Kritik an der Fed mit einer Tradition gebrochen, wonach sich US-Präsidenten nicht in das Geschäft der eigentlich unabhängigen Zentralbank einmischen. Und der Republikaner hat schon angekündigt, sich wieder kritisch zu Wort melden zu wollen, falls die Fed ihren Kurs fortsetze.

Powell bleibt kühl

Die Vorwürfe lassen Notenbankchef Jerome Powell bisher aber kalt: Bei geldpolitischen Entscheidungen spielten "politische Faktoren oder ähnliches" keine Rolle, betonte er nach der jüngsten Zinserhöhung im September. Diese Haltung gilt Experten als entscheidend für die Glaubwürdigkeit der Fed. Das zeigt auch der Blick auf die Türkei: Denn die massive Kritik des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an der dortigen Zinspolitik hat Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank aufkommen lassen und mit zur Währungskrise beigetragen.

Für die Wall Street geht Trump offenbar von weiteren Verlusten aus. Er sprach von einer Kurskorrektur. Auch Ökonom Oliver Pursche vom Vermögensverwalter Bruderman Asset Management in New York hält dies für plausibel: "Das ist wahrscheinlich der Beginn der Korrektur."

US-Finanzminister Steven Mnuchin hat seinem Präsidenten Donald Trump widersprochen. Die US-Notenbank Fed sei nicht verantwortlich für den Kurssturz an der Wall Street, sagte Mnuchin am Donnerstag dem US-Sender CNN am Rande der IWF-Herbsttagung auf der indonesischen Insel Bali. "Ich denke nicht, dass es Nachrichten waren, die aus der Fed kamen, die es nicht schon vorher gab." Märkte "gehen hoch und Märkte gehen runter."

Am Mittwoch hatten die drei wichtigsten Indizes an den US-Börsen mehr als drei Prozent im Minus geschlossen. Der S&P 500 und der Dow Jones gaben so stark nach wie seit Anfang Februar nicht mehr. Die Anleger reagierten dabei auf einen Bericht des Internationalen Währungsfonds, der angesichts steigender Zinsen in den USA und dem von Trump angezettelten Zollstreit vor Gefahren für die Finanzmärkte warnt.

Die US-Währungshüter haben 2018 den Leitzins schon drei Mal angehoben - zuletzt auf das aktuelle Niveau von 2,00 bis 2,25 Prozent. Bis Ende 2019 haben sie vier weitere Schritte nach oben signalisiert. Powell ließ jüngst durchblicken, dass die Zinsen auch noch stärker steigen könnten, damit die Wirtschaft nicht überhitzt. Der nicht als Anhänger eines solchen Kurses bekannte Währungshüter James Bullard sprach sich unterdessen für mehr Zurückhaltung aus: "Wir müssen nicht mehr viel tun, um die Geldpolitik zu normalisieren", sagte der Chef des Fed-Bezirks St. Louis.

 

 

 

"Not amused": Trumps Desaster-Besuch im Land der Manieren

(APA/AFP/Reuters)

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