Diesel-Nachrüstung: Regierung und Autobauer einigen sich auf Kompromiss

Im Vordergrund steht weiter der Umtausch von Alt-Autos in sauberere Fahrzeuge. Zwei Hersteller unterstützen auch die Nachrüstung um 3000 Euro, ein drittes Unternehmen lässt die gleiche Summe beim Neukauf nach.

++ THEMENBILD ++ DIESEL / TREIBSTOFFE / FAHRZEUGINDUSTRIE / HARDWARE-NACHRUeSTUNG
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Verhandlungspartner haben sich auf einen Untertützungsbeitrag geeinigt. – APA/ROBERT JAEGER

Die deutsche Regierung und große Autoproduzenten haben sich bei der umstrittenen Nachrüstung älterer Diesel-Autos mit Katalysatoren auf einen Kompromiss verständigt. "Wir haben mit den deutschen Herstellern ein konstruktives Ergebnis erzielt", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer am Donnerstag nach einem Treffen mit Branchenvertretern in Berlin.

Im Vordergrund stehe weiter die Umtauschaktion der Hersteller von Alt-Autos in sauberere Fahrzeuge. Volkswagen und Daimler seien bereit, die verbliebenen älteren Autos dann für bis zu 3000 Euro mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen. BMW lehne das ab, wolle aber mit der gleichen Summe die Halter der älteren Diesel unterstützen - etwa für einen Neukauf. Die Angebote gelten nur für Halter in den am höchsten mit Stickoxid(NOx)-belasteten Regionen.

Derzeit gebe es noch keine genehmigten Katalysator-Nachrüstsätze für Euro-5-Fahrzeuge, sagte Scheuer. Daher könne auch eine Nachrüstung erst nach 2020 greifen.

Kritik: "Noch weniger als ein Flickenteppich"

Der Kompromiss zwischen Scheuer und den deutschen Autoherstellern steht im Visier der Kritik. Aus Sicht des deutschen Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter geht das "Tricksen" ungeniert weiter: "Minister Scheuer und die Konzernbosse wollen den betrogenen Dieselbesitzern Neuwagen andrehen und verweigern ihnen die Nachrüstung um weitere Jahre." Damit seien viele weitere Fahrverbote in Städten mit dreckiger Luft programmiert.

Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) sagte: die Zusagen einiger Hersteller, die Kosten für Hardware-Nachrüstung zu übernehmen, seien längst überfällig gewesen. "Dass jetzt doch jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht und sogar einige betroffene Dieselbesitzer ganz leer ausgehen, ist nicht vermittelbar." Betroffenen Dieselbesitzern dürften keine Kosten durch Hardware-Nachrüstung entstehen.

Aus Sicht des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer entsteht mit der angepeilten Lösung "noch weniger als ein Flickenteppich". VW und Daimler machten rund 30 Prozent der Dieselfahrzeuge in Deutschland aus, der Rest bliebe unberücksichtigt, sagte Dudenhöffer dem "Mannheimer Morgen" (Freitag).

 

(APA/Reuters)

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