„Arbeitszeitverkürzung ist grotesk“

Der Zwölfstundentag soll die Ausnahme bleiben, sagt WKÖ-Generalsekretär Kopf.

Karlheinz Kopf.
Karlheinz Kopf.
Karlheinz Kopf. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. In den vergangenen Tagen wurden mehrere Fälle bekannt, in denen sich Arbeitgeber nicht an das Prinzip der Freiwilligkeit hielten, das im Arbeitszeitgesetz verankert wurde. Einer davon betrifft ein großes Hotel am Arlberg. Die gleiche Formulierung tauchte in einem Arbeitsvertrag in einem Salzburger Hotel auf. Für Karlheinz Kopf, seit Juli Generalsekretär der Wirtschaftskammer, sind das aber „bedauernswerte Einzelfälle“. Er sieht keine Notwendigkeit, deshalb das Arbeitszeitgesetz neu zu verhandeln. „Wenn Einzelne glauben, das missbrauchen zu müssen, dann ist das zu ahnden“, sagt Kopf. Egal, wie gut ein Gesetz sei, es gebe immer Einzelne, die es mutwillig oder auch aus Unwissenheit brechen. „Das können wir nicht gutheißen.“

Die Kammer hat deshalb ein Schreiben an ihre Mitgliedsbetriebe geschickt, in denen sie darüber aufgeklärt werden, was das neue Arbeitszeitgesetz tatsächlich erlaubt. Im konkreten Fall der beiden Hotels habe ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen in Salzburg, das die Lohnverrechnung für viele Tourismusbetriebe macht, den Betrieben Musterverträge geschickt. „Die Betriebe wurden falsch beraten“, sagt Kopf. Die Arbeiterkammer, die die Fälle öffentlich gemacht hat, gebe den Einzelfällen eine Bedeutung, die der Realität nicht gerecht werde.

Die Arbeitnehmerseite sieht das freilich anders. Es werde systematisch versucht, die Mehr- und Überstundenregelung zu umgehen, findet die Arbeiterkammer. Dass Kopf die Aufregung um das Arbeitszeitgesetz nicht nachvollziehen kann, ist verständlich – schließlich wurde der Wirtschaftskammer damit eine langjährige Forderung erfüllt. Der Reformbedarf in puncto Flexibilisierung des Arbeitsmarkts sei damit im Moment gedeckt, sagt Kopf. „Ich würde im Moment keine zusätzlichen Forderungen erheben.“

 

„Dauerhaft nicht gesund“

Aber wie sinnvoll ist es, Mitarbeiter regelmäßig zwölf Stunden am Tag und 60 Stunden in der Woche arbeiten zu lassen? Schließlich ist ein Zwölfstundentag anstrengend und berge die Gefahr, dass Beschäftigte krank werden und die Qualität leidet, wie Experten befürchten. „Dauerhaft zwölf Stunden zu arbeiten ist sicher nicht gesund und auch der Konzentration nicht förderlich. Das wissen die Unternehmen auch“, sagt Kopf. Ziel sei es, dass es im Regelfall weiter beim Achtstundentag und der 40-Stunden-Woche bleibt und nur bei Spitzen mehr gearbeitet wird.

Mit der Forderung der Gewerkschaft nach einer Arbeitszeitverkürzung kann Karlheinz Kopf nichts anfangen. „Ich halte das für grotesk.“ In Zeiten, in denen alle über den Arbeitskräftemangel klagten und Firmen Aufträge nicht annehmen könnten, weil sie zu wenig Personal haben, sei die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten „ein Anachronismus“, sagt der Generalsekretär der Wirtschaftskammer. (bin)

VERANSTALTUNG

„Zwölf-Stunden-Arbeitstag – Wie nachhaltig ist flexible Arbeit?“ Darüber diskutieren am Dienstag, 18Uhr, im WU-Festsaal Sigrid Stagl, Leiterin des Institute for Ecological Economics, und WKO-Generalsekretär Karlheinz Kopf. „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak moderiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2018)

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