BIO – Österreichs grünes Selbstbild

Handel. Das Land der Biobauern kauft gar nicht so bio ein. Den Stolz auf die Lebensmittelstandards schmälert das nicht. Sie werden mit Händen und Füßen gegen Einflüsse von außen verteidigt.

(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)

Die Aufregung war groß, als die Österreicher Mitte Oktober von einer geplanten EU-Richtlinie erfuhren. Der „Feinkostladen Österreich“ sei in Gefahr. Davon war eine breite Front von Greenpeace über die Handelskette Spar bis hin zu einzelnen österreichischen EU-Abgeordneten überzeugt. Was im Entwurf stand: Die Supermärkte sollen bei den Eigenmarken von ihren Bauern nur noch gesetzliche Mindeststandards verlangen dürfen – also die Latte bei biologischem Anbau, Gentechnik oder Tierwohl nicht höher legen.

Dass die EU-Parlamentarier im Sinn hatten, das Diktat der Ketten gegenüber kleinen Produzenten einzudämmen, ging im Aufschrei unter. ÖVP-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger versprach, sich der Sache auf EU-Ebene anzunehmen. Das letzte Wort ist nicht gesprochen.

Der Fall zeigt, was spätestens seit der Aufregung um die Freihandelsabkommen Ceta und TTIP und das oft beschworene Chlorhuhn bekannt ist: Die Österreicher lieben ihre hohen Lebensmittelstandards und sind stolz auf das Selbstbild als Biobauernnation. Dem Stolz tut es auch keinen Abbruch, dass laut AMA nur 8,6 Prozent der verkauften Lebensmittel in Österreich bio sind und das Thema im Alltag vieler Konsumenten nicht angekommen ist.

Aber schließlich kann das Land andere Rekorde vorweisen: 24 Prozent aller Agrarflächen werden biologisch bewirtschaftet, mehr als im Rest der EU. Rund 20 Prozent der Betriebe arbeiten bio. Dafür sorgte eine Mischung aus unwirtlichen Lagen (Stichwort Alpen) und agrarpolitischen Zuckerln.

Dass sich der österreichische Kunde für Bioprodukte begeistern könnte, erkannte als Erster ein Mann namens Werner Lampert. Er gründete 1994 mit Billa-Chef Karl Wlaschek die Linie „Ja! Natürlich“.

Lampert arbeitet heute für Hofer und entwickelte dort die Konkurrenzmarke „Zurück zum Ursprung“. Nicht zuletzt durch dieses neue regional verhaftete Image konnte der Diskonter aus seiner Billigecke herausbrechen und die etablierten Supermärkte wie Spar und Billa angreifen. Aber das ist eine andere Geschichte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2018)

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