Demo am Samstag: Wiener Händler vor Geduldsprobe

Kunden auf der Wiener Mariahilfer Straße müssen sich am Samstag die Begegnungszone und die Fußgängerzone mit Anti-Pelz-Demonstranten teilen. Der Handel ist nicht erfreut.

WIEN: ERSTER EINKAUFSSAMSTAG IM ADVENT
WIEN: ERSTER EINKAUFSSAMSTAG IM ADVENT
Samstags-Demos sind für die Innenstandt-Händler ein Albtraum, so der Handelsverband. – APA/GEORG HOCHMUTH

Alle Jahre wieder rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, dürfte sich der eine oder andere Händler auf der Wiener Mariahilfer Straße denken. Pünktlich zum Start des Weihnachtsgeschäftes müssen sich Kunden und Geschäftsleute am morgigen Samstag auf der größten Einkaufsstraße Österreich wieder in Geduld üben. Denn der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat zu einer großen Anti-Pelzdemo geladen.

Obwohl zahlreiche Unternehmen und Designer dem Pelzverkauf aus Tierschutzgründen abschwören, gebe es immer noch Läden, die damit gute Geschäfte machen, so die Begründung des VGT für die Demo. Diese beginnt um 13.00 Uhr am Christian-Broda-Platz. Es werden mehrere hundert Teilnehmer erwartet, die gemeinsam durch die Mariahilfer Straße über den Heldenplatz und den Kohlmarkt zum Graben marschieren werden.

35 Mio. Euro Umsatzverlust

Für stationäre Händler ein Albtraum, denn sie sind die unbeteiligten Leidtragenden bei den Demos. Neben nicht planbaren Umsatzeinbußen durch Straßensperren und dem Attraktivitätsverlust ganzer Einkaufsstraßen, sind sie auch immer wieder mit den entstandenen Kosten durch Sachbeschädigung konfrontiert, schreibt der Handelsverband in einer Aussendung.

Demos und Zugangsbeschränkungen in der Innenstadt bedeuten für jeden betroffenen Händler enorme Geschäftseinbußen. Laut Studie der KMU Forschung Austria kosten alleine die Ringsperren dem Handel im ersten Wiener Gemeindebezirk jährlich 35 Mio. Euro bzw. 120 Arbeitsplätze. Jährlich 37 zumindest partielle Ringsperren an verkaufsoffenen Tagen, davon viele in der wichtigen Vorweihnachtszeit, sind für den stationären Einzelhandel im Herzen Wiens schlicht zu viel und nicht mehr planbar.

Demos befeuern E-Commerce

"Regelungen, die Demos etwa in der Mariahilfer Straße zulassen, erschweren das Überleben zusätzlich und sorgen auch bei den Konsumenten zurecht für Verärgerung. Darüber hinaus befeuern sie die Dominanz der großen E-Commerce Plattformen wie Amazon und sorgen für einen Kaufkraftabfluss ins Ausland“, bestätigt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Der stationäre Einzelhandel musste im ersten Halbjahr ein reales Minus von 0,6 Prozent hinnehmen. Dieses Minus wettzumachen wird den Händlern nicht leicht gemacht, vor allem angesichts solcher Geduldsproben.

Der Handelsverband richtet deshalb einen Appell an die politischen Entscheidungsträger: "Das Demonstrationsrecht ist wichtig und richtig, aber nicht in einer derart extensiven, geschäftsschädigenden Form auf Kosten mittelständischer Unternehmer. Es muss einfach eine bessere Lösung als die gegenwärtige geben – etwa eine ausgewogene Novellierung des Versammlungsgesetzes, ohne dabei demokratische Grundwerte einzuschränken, aber auch ohne alle Freiheiten auf Kosten einiger Händler völlig ungeregelt auszuleben".

 

(red./herbas)

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