Der Klimawandel kommt in den Bilanzen an

Nach Umweltschützern machen nun auch Firmen Druck auf die Politik: Der Klimawandel trübt ihr Geschäft.

„Das Ausmaß der Klimaschäden ist gewaltig“, sagt Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste.
„Das Ausmaß der Klimaschäden ist gewaltig“, sagt Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste.
„Das Ausmaß der Klimaschäden ist gewaltig“, sagt Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste. – (c) REUTERS (Miro Kuzmanovic)

Wien. Die Zeit, in der die Erderwärmung nur billiges Futter für polemische Debatten in Politik und an Stammtischen war, ist endgültig vorbei. Wenn die Welt am Montag zur Klimakonferenz in Polen anreist, werden nicht nur Umweltschützer Druck machen, dass die Staaten ihre Versprechen im Kampf gegen den Klimawandel nachbessern. Auch viele Unternehmen drängen auf ein entschlosseneres Handeln. Denn die Folgekosten des Nichtstuns sind auch in ihren Bilanzen nicht mehr zu übersehen. Ein Überblick über die Branchen, die in Österreich besonders stark vom Klimawandel betroffen sind.

 

Holz

„Das Ausmaß der Klimaschäden bei uns ist gewaltig“, sagt Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste zur „Presse“. 65 Prozent der gesamten Holzproduktion im heurigen Jahr sei Schadholz, das durch Sturm, Dürre und den Borkenkäfer, ein Nutznießer der ausgeprägten Trockenheit, entstanden sei. Schlimmer als in Österreich ist die Lage in Deutschland, Tschechien und Südpolen. „Dort können Sie der Fichte beim Sterben zusehen“. Aktuell sind in Mitteleuropa 50 Millionen Festmeter Schadholz auf dem Markt. Der Preis für einen Festmeter Holz sank um die Hälfte. Das schmälert auch den Gewinn der Forstbetriebe. Bei den Bundesforsten summieren sich die Klimaschäden mittlerweile auf 20 Millionen Euro im Jahr. „Das geht an die Substanz“, sagt Freidhager. Erste Bodenproben von deutschen Kollegen zeigen, wie tiefgreifend das Problem bereits ist. Bis auf 1,5 Meter Tiefe war der Waldboden dort staubtrocken. „Da gibt es keinen Baum, den man nachpflanzen kann.“

 

Landwirtschaft

Natürlich lässt sich nie genau sagen, wie viel davon dem Klimawandel zuzuschieben ist. Fakt ist: EU-weit fiel die Getreideernte heuer mit 283,5 Millionen Tonnen um mindestens 16,8 Millionen Tonnen niedriger aus als im Vorjahresvergleich. Die Landwirte reagieren auf den Klimawandel: Sie säen früher aus, ernten früher, stellen die Fruchtfolge um – immer mehr Bauern steigen auf die robuste, aber finanziell weniger einträgliche Sojabohne um. Maximilian Hardegg, einer der größten Landwirte Österreichs, verbuchte heuer Umsatzeinbußen von 35 Prozent. Gleichzeitig seien als Folge der wegen der Hitze nötigen Bewässerung die Kosten um 80 Euro je Hektar und Jahr gestiegen – für Strom, Arbeitskräfte und Investitionen. „Das zeigt sich massiv in der Konzernbilanz.“.

 

Handel

Der heiße Frühherbst hat sich direkt auf die österreichischen Händler durchgeschlagen. Bei Temperaturen um die 30 Grad tummelten sich viele potenzielle Kunden offenbar lieber im Bad als auf den Einkaufsstraßen. In den Geschäften verzeichnete man einen Kundenrückgang um rund zehn Prozent. Bei Saisonware wie Winterkleidung und Wintersportausrüstungen gingen die Absätze deutlich zurück, die Folge sind hohe Lagerbestände, ein hoher Abschreibungsbedarf und sinkende Renditen, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbandes. „Heuer waren erstmals auch Toplagen betroffen.“ Also auch Einkaufszentren mit sehr guten Standorten. Dort wird in der Regel auch fleißig eingekauft, wenn es draußen brütet oder schüttet – während man bei mildem Wetter gern auf innerstädtischen Einkaufsmeilen flaniert. Will rechnet auch künftig mit einer „volatileren“ Nachfrage wegen zunehmender Wetterkapriolen. Winterjacken und Badeanzüge könnten also immer öfter auf der Stange hängen bleiben.

 

Energiewirtschaft

Die heimische Energiebranche leidet vor allem am Niedrigwasser in den Flüssen. Juli, August und September zählten in Österreich zu den trockensten Monaten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Donau führte ein Viertel weniger Wasser als im langjährigen Schnitt. Das wirkt sich auch auf den heimischen Verbund aus. Erst vor wenigen Tagen musste der Versorger seine Ergebnisprognose aufgrund der anhaltenden Trockenheit nach unten revidieren. „Verbund ist als Wasserkrafterzeuger sehr von der Entwicklung des Wasserdargebots abhängig“, heißt es vom Unternehmen dazu. Aber auch thermische Kraftwerke kommen zunehmend unter Druck, weil ihnen – wie heuer in Deutschland geschehen – das Kühlwasser ausgeht. Und selbst an den Tankstellen waren die Folgen der Trockenheit heuer bereits zu spüren. Erstmals seit langem kostete ein Liter Diesel trotz Steuervorteils ebenso viel wie ein Liter Superbenzin. Der Grund: Der Rhein führte so wenig Wasser, dass die Transporte der Dieseltanker vom Ölzentrum Rotterdam Richtung Österreich zum Erliegen gekommen sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2018)

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