Weihnachtsgeschäft unter Druck

Schnäppchentage und Onlinehändler ziehen dem Fest die Kaufkraft ab.

Symbolbild.
Symbolbild.
Symbolbild. – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Die Rahmenbedingungen sind gut: Die Einkommen sind stabil, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Kauflaune ist da. Dennoch reicht es in der Weihnachtsprognose der Experten von Handelsverband und Wifo nur zu einem „hoffnungsvoll, aber skeptisch“.

Das klassische Weihnachtsgeschäft ist unter Druck – von mehreren Seiten. Als Weihnachtsgeschäft verstehen Ökonomen jene Nettomehrumsätze im Dezember, die der Händler ausschließlich dem Fest verdankt. Sie summieren sich laut Wifo heuer auf 1,25 Mrd. Euro – ein kleines Minus von 0,4 Prozent zu 2017. Längst macht Weihnachten nicht mehr ein Zehntel der Gesamtjahresumsätze aus, wie das in den Fünfzigern der Fall war. Heute liegt der Anteil bei zwei Prozent. Aber auch im Spielwaren-, Schmuck- oder Buchhandel, wo die Umsatzspitzen noch signifikant ausschlagen, schrumpft das Geschäft mit den Jahren.

Das hat mehrere Gründe: Die Österreicher nützen die neuen Sonderaktionstage wie den Black Friday öfter, um ihre Weihnachtseinkäufe schon im November zu erledigen. Sie schenken Gutscheine oder Einladungen in die Therme oder zum Essen – das eine kommt spät in der Kasse der Händler an, das andere nie. Dazu kommen ausländische Onlinekonkurrenten. Regioplan schätzt, dass 60 bis 70 Mio. Euro an Weihnachtsumsätzen allein an Amazon abfließen – und damit ebenfalls aus der klassischen Weihnachtsrechnung herausfallen.

„Was wir nicht in die Prognose nehmen können, ist das Wetter“, sagt Wifo-Forscher Jürgen Bierbaumer-Polly. Genau darauf setzen Händler wie Marcus Wild, Chef von einigen Dutzend SES Shoppingcentern der Spar-Gruppe in Österreich und den Nachbarländern. Der warme Herbst habe die Kleidungs- und Schuhumsätze auch bei ihnen um vier Prozent sinken lassen. „Aber mit dem ersten Samstag, als es richtig kalt war, ist das Weihnachtsgeschäft losgegangen. Es wird einen automatischen Aufholeffekt geben.“ (loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2018)

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