Gespräche: Atomic bald in chinesischer Hand

Die EU will chinesische Übernahmen erschweren. Aber der Deal um Atomics finnische Mutter dürfte bald durch sein.

APA/BARBARA GINDL

Wien. Der Flirt zwischen dem finnischen Sportkonzern Amer Sports Oyj und einem chinesischen Konsortium unter der Führung von Anta Sports Products wird ernst. Die beiden Unternehmen würden kurz vor einer Einigung für eine Übernahme stehen, berichtete Bloomberg am Donnerstag.

Der Deal könnte ein Volumen von rund 4,7 Mrd. Euro erreichen. Die Verhandlungen seien in der letzten Phase, es gehe nur noch um Details. Eine offizielle Stellungnahme aus China gab es am Donnerstag aber nicht. Das chinesische Konsortium bemüht sich seit Monaten um die finnische Gruppe, zu der auch Salomon, Peak Performance, Arc'teryx und die Tennis-Marke Wilson gehören. Im Konsortium finden sich auch der chinesische Internetriese Tencent Holdings sowie der Milliardär Chip Wilson, Gründer der Yoga-Marke Lululemon. Anta wird aktuell mit rund 10 Mrd. Euro bewertet.

 

2022 Winterspiele in Peking

Das Interesse an einer Übernahme der finnischen Firma kommt auch daher, weil der chinesische Staat seine Firmen angewiesen hat, die Wintersportkompetenz auszubauen. Keine schlechte Nachricht für den Salzburger Skihersteller Atomic, finden doch 2022 die Olympischen Winterspiele in Peking statt.

Was den Sport-Deal nicht unbedingt betreffen dürfte: Längst sorgt sich die Politik in Europa über zu viel Einfluss aus China. In den vergangenen Jahren haben chinesische Investoren Milliarden in den Kauf europäischer Technologieunternehmen investiert.

Viele Geschäfte – etwa die Übernahme des deutschen Roboterbauers Kuka – waren höchst umstritten. Am gestrigen Donnerstag besiegelten die EU-Mitgliedstaaten darum den Aufbau eines neuen Schutzmechanismus gegen Investoren aus dem Ausland.

Künftig soll es im Rahmen dieses Foreign Direct Investment Screenings möglich sein, Übernahmen von EU-Unternehmen in sicherheitsrelevanten Bereichen zu prüfen und gegebenenfalls auch zu verhindern. Konkret geht es dabei um Investitionen in „kritische Infrastruktur“ (Energie, Transport, Telekommunikation und Finanz) und „kritische Technologien“ wie Halbleiter, Robotik und künstliche Intelligenz.

 

Neuer EU-Plan gegen China

Derzeit verfügt nur etwas weniger als die Hälfte der 28 Mitgliedstaaten, darunter Österreich, über Gesetze, die Kontrollen ausländischer Direktinvestitionen vorsehen. Diese Länder sind nun angehalten, entsprechende nationale Gesetze zu erlassen und auch die Bedenken der anderen EU-Mitgliedstaaten zu hören.

„Nicht jeder Investor ist ein freundlicher Investor, und nicht immer ist Partnerschaft auf Augenhöhe die Hauptmotivation für einen Markteintritt. Oftmals geht es schlicht um Technologie- und Know-how-Transfer, und das wollen wir unterbinden“, sagte Österreichs Wirtschaftsministerin, Margarete Schramböck (ÖVP): „Eine Unterwanderung unserer Standards oder gar ein Ausverkauf unserer sensiblen Wirtschaftsbereiche kann nicht im Interesse eines starken europäischen Wirtschaftsstandortes sein.“ (jil/auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2018)

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