Handel: Vier-Tage-Woche statt Streik im Weihnachtshandel

400.000 Handelsangestellte erhalten bis zu 3,2 Prozent mehr Geld. Die Gewerkschaft hat ihre Forderung nicht voll durchgesetzt, aber die Lohnrunde habe gezeigt, dass auch im Handel gestreikt werden könne.

(c) Clemens Fabry

Wien. Nach zwölf zähen Verhandlungsstunden war der Weihnachtsfrieden am Montag kurz vor Mitternacht gewahrt: Die Sozialpartner einigten sich in der fünften Runde auf einen Kollektivvertrag für die 400.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Handel.

Ihre Gehälter steigen mit 1. Jänner um 2,5 bis 3,2 Prozent. Laut den Arbeitgebern macht das ein durchschnittliches Plus von 2,66 Prozent, laut der Gewerkschaft eines von 2,83 Prozent – auf eine beiden Seiten genehme Berechnungsbasis konnte man sich so schnell nicht einigen. Außerdem gibt es ein umfassendes rahmenrechtliches Paket. Darin finden sich Rechtsansprüche auf die Vier-Tage-Woche, Altersteilzeit und Bildungskarenz und eine deutliche Ausdehnung der angerechneten Karenzzeiten von zehn auf 24 Monate.

 

„Alles auf den Tisch gelegt“

Arbeitgeber-Chefverhandler Peter Buchmüller sagte noch in der Nacht, er habe „alles auf den Tisch gelegt, was ich hatte“. Die Händler seien an ihr Limit gegangen. Dem Wunsch der Gewerkschaft nach einem Dreier vor dem Komma kamen sie aber nur teilweise nach. Anita Palkovich, Verhandlungsleiterin für die Gewerkschaft der Privatangestellten, GPA-djp, gibt zu: Ihre an den Metallerabschluss angelehnte Forderung nach plus 3,5 Prozent habe sie nicht erreicht. „Der Dreier ist sich nicht für alle ausgegangen, aber jeder vierte Angestellte im Handel wird die Erhöhung bekommen.“ Denn jeder Vierte falle in die niedrigste Einkommensgruppe, die am stärksten profitiere. Gemeinsam mit den rahmenrechtlichen Zugeständnissen sei es ein „herzeigbares“ Paket, mit dem „wir uns erhobenen Hauptes vor die Beschäftigten stellen können“, sagt Palkovich. Vor allem freue es sie, dass die Branche mit den Betriebsversammlungen und Aktionen der Vorwoche gezeigt hatte, „dass es im Handel sehr wohl möglich ist, Protestmaßnahmen zu ergreifen, und dass wir nicht nehmen müssen, was wir kriegen können“.

Der Wifo-Arbeitsmarktexperte Thomas Leoni sagte im Ö1-Radio, die jüngsten Abschlüsse im Handel und in anderen Branchen seien im Rahmen dessen, was aufgrund der guten Konjunktur argumentierbar gewesen sei. „Es waren harte Verhandlungen mit vielen Lohnrunden und besonders scharfen Tönen, aber die Eskalation war dann doch endend wollend.“ Den Gewerkschaften sei es um einen grundsätzlichen Punkt gegangen: Nachdem sie beim Arbeitszeitgesetz und bei der Reform der Sozialversicherungsträger in ihrem Pouvoir beschnitten worden seien, hätten sie „Kraft und Aktion“ in den Verhandlungen zeigen wollen – und das sei zum Teil auch gelungen. (loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2018)

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