Scheuer: "Jetzt ist die Nachrüstindustrie am Zug"

Die Voraussetzungen zur Nachrüstung älterer Diesel-Autos zur Reduzierung des Stickoxid-Ausstoßes stehen fest. Unklar ist, wer die Kosten übernehmen soll.

Die Autobauer sperren sich gegen die Nachrüstungen.
Die Autobauer sperren sich gegen die Nachrüstungen.
Die Autobauer sperren sich gegen die Nachrüstungen. – (c) REUTERS (CHINA STRINGER NETWORK)

Der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer macht einem Bericht zufolge den Weg für die Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Pkw zur Reduzierung des Stickoxid-Ausstoßes frei. Dies berichtete die "Bild" am Freitag. In einem 30-seitigen Papier würden die technischen Anforderungen für die "Allgemeine Betriebserlaubnis" (ABE) festgeschrieben, die für die Zulassung der Hardware-Bausätze durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) nötig seien.

"Jetzt ist die Nachrüstindustrie am Zug, wirksame Systeme zu entwickeln, mit denen alle Grenzwerte und Vorschriften eingehalten werden", erklärte Verkehrsminister Andreas Scheuer am Freitag in Berlin. "Sofern diese erfüllt sind, wird das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) schnellstmöglich die Genehmigung erteilen, damit die Nachrüst-Systeme zeitnah auf dem Markt angeboten werden können."  Damit sei zumindest rechtlich ein wichtiger Schritt für den Umbau älterer Diesel-Pkw erfolgt. Beim KBA sind nach Informationen der Zeitung allerdings noch keine vollständigen und entscheidungsreifen Anträge für Pkw-Nachrüstsätze eingegangen.

Damit Besitzer von Diesel-Pkw der Schadstoffklassen "Euro-4" und "Euro-5" von möglichen Fahrverboten ausgenommen werden können, bieten verschiedene Firmen Nachrüstsätze zum Reduzieren des Stickoxidausstoßes an, die in der Regel aus einem Harnstofftank (AdBlue), Zuleitungen und Bauteilen für die Auspuffanlage bestehen. Damit diese Nachrüstsätze tatsächlich rechtlich anerkannt werden und als legale Veränderung an dem speziellen Motortyp zulässig sind, müssen sie vom KBA genehmigt werden.

Autobauer lehnen Garantie ab

Die deutsche Regierung hatte im Zuge ihrer Bemühungen zur Abwehr von Fahrverboten Hardware-Nachrüstungen in besonders belasteten Metropolen-Regionen beschlossen. Unklar ist derzeit allerdings noch die Kostenübernahme für den Einbau. Die Verhandlungen der Regierung mit den Autoherstellern sind noch nicht abgeschlossen.

Deutschlands Autobauer stehen den Nachrüstungen höchst skeptisch gegenüber. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) warnte jetzt, Besitzer älterer Diesel könnten bei technischen Problemen nach einer Nachrüstung nicht mit Unterstützung der deutschen Hersteller rechnen.

"Wir können keine Garantie für ein Fahrzeug übernehmen, in das nachträglich Abgasreinigungssysteme Dritter eingebaut wurden", sagte Verbandspräsident Bernhard Mattes der Zeitung "Die Welt" (Freitagsausgabe). "Wenn ein Kunde sein Fahrzeug umbauen lässt, dann tragen er und der Nachrüster auch die Verantwortung für mögliche Folgeschäden."

Die Autoindustrie halte Nachrüstungen weiterhin nicht für zweckmäßig, betonte Mattes: "Auch deshalb haben wir immer betont, dass eine rasche Bestandserneuerung der beste Weg ist: Die Luftqualität steigt, der Kunde hat ein neues Auto oder einen jungen Gebrauchten."

(APA/Reuters/AFP)

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