Ex-Raiffeisen-Manager Ludwig Scharinger verstorben

Scharinger führte von 1985 bis 2012 die Raiffeisenlandesbank OÖ als Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender.

KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: SCHARINGER
KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: SCHARINGER
Ludwig Scharinger – APA/HERBERT NEUBAUER

Wien. Der langjährige Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger, ist am Donnerstag im 77. Lebensjahr gestorben. Scharinger war von 1985 bis 2012 Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank. In seiner aktiven Zeit war er einer der einflussreichsten Führungskräfte in der österreichischen Raiffeisen-Gruppe. Ihm wurde damals zeitweise mehr Macht zugeschrieben als dem Landeshauptmann.

Zudem mauserte sich unter seiner Führung die RLB Oberösterreich zu einer starken Gruppe, die neben dem Bankgeschäft auch wesentliche Anteile an heimischen Industriekonzernen wie voestalpine, Amag und Salinen ihr eigen nennt. Von RLB-OÖ Aufsichtsratspräsident Jakob Auer und RLB-OÖ Generaldirektor Heinrich Schaller wurde Scharingers Beitrag zur Entwicklung des Instituts in einer Aussendung daher auch ausdrücklich gewürdigt.

Dunkler Fleck: Terminal Tower

Allerdings gab es auch einen großen dunklen Fleck auf Scharingers weißer Weste. So war er sowohl in der Causa Buwog als auch Terminal Tower Linz (es ging dabei um die Einmietung der Finanz Oberösterreich in ein Gebäude der Porr, das von der RLB OÖ mitfinanziert wurde) angeklagt. Die Vorwürfe wurden von ihm stets bestritten. Allerdings konnte das Verfahren gegen ihn im Dezember 2017 nicht mehr eröffnet werden, da er zu diesem Zeitpunkt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verhandlungsfähig war.

Grund dafür war ein Unfall im Jahr 2013 im russischen Jekaterinburg. Scharinger, der unter anderem auch Vorsitzender der Österreichisch-Russischen Gesellschaft  war, stürzte damals nach einem Jagdausflug über eine Stiege und zog sich lebensgefährliche Kopfverletzungen zu. Die ersten Tage wurde er damals sogar im künstlichen Tiefschlaf gehalten. Von diesem Unfall hat er sich zwar wieder erholt, war seither allerdings gesundheitlich angeschlagen.

Scharinger wurde am 19. Oktober 1942 in Arnreit im oberösterreichischen Mühlviertel geboren. Er hätte eigentlich den elterlichen Hof übernehmen sollen, konnte dies aufgrund einer Verletzung beim Motorradfahren allerdings nicht mehr. Stattdessen absolvierte er ein Studium der Sozial- und Betriebswirtschaft an der Johannes Kepler Universität in Linz. Sein Eintritt in die RLB OÖ erfolgte im Jahr 1972. Bereits 1978 wurde er in die Geschäftsleitung berufen, sieben Jahre später wurde er Generaldirektor.  (jaz/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2019)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Ex-Raiffeisen-Manager Ludwig Scharinger verstorben

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.