Wenn Oligarchen nicht mehr fliegen können

Die westlichen Sanktionen gegen Russland haben auch kuriose Folgen. Die Milliardäre des Landes müssen auf einen beliebten Komfort verzichten.

Bombardier Businessjet
Bombardier Businessjet
Bombardier Businessjet – REUTERS

Die westlichen Sanktionen gegen Russland setzen nicht nur der russischen Wirtschaft insgesamt zu. Einzelnen Personen, die auf den westlichen Radarschirm geraten sind, erschweren sie auch gehörig das Alltagsleben. Oder zumindest den Komfort.

Wie eben bekannt worden ist, haben die Brüder Boris und Arkadi Rotenberg ihre Privatjets verloren. Konkret geht es um ihre Flugzeuge Bombardier Global 5000 (M-BRRB) und Bombardier Global 300 (M-ARRH), die auf 25 bzw. 15 Millionen Dollar geschätzt werden, berichtet das Magazin Forbes unter Verweis auf Quellen aus der Business-Aviation. Die Sache sei nämlich die, dass die Schweizer Bank Credit Suisse, mit deren Kredit der Kauf stattfand, nach Einführung der Sanktionen keine Zahlungen von den Rotenbergs mehr entgegengenommen und eigenmächtig die Flugzeuge verkauft habe, wie ein Vertreter der Rotenbergs gegenüber Forbes sagte: Die zwei Geschäftsleute hätten die Flugzeuge gar nie verwenden können, was ihre Arbeit ziemlich behindere.

"König der Staatsaufträge"

Die Brüder Rotenberg sind in Russland nicht irgendwer. Der heute 67-jährige Arkadi war in seiner Jugend Wladimir Putins Sparringpartner im Judoklub in St. Petersburg. Später wurde er im Windschatten des Kreml-Chefs zum Milliardär und ist einer von Putins Neo-Oligarchen, die die alten Oligarchen aus der Jelzin-Zeit dort wie da von den Futtertrögen verdrängten. Vor allem bei den großen Baugeschäften des Staates und staatlicher Konzerne stach er in den vergangenen 15 bis 20 Jahren die Konkurrenten recht konsequent aus und erwarb sich den Titel „König der Staatsaufträge“. Über seine Firma Strojgazmontasch baute er etwa für den Gaskonzern Gazprom Teile der Ostseepipeline Nord Stream und der neuen Pipeline „Power of Siberia“ nach China. Letztes Großprojekt war die 19 Kilometer lange Brücke, die über die Meerenge von Kertsch gespannt wurde und das russische Festland mit der Halbinsel Krim verbindet. Die Regierung hat dafür knapp drei Milliarden Euro bereitgestellt.

Die Rotenbergs waren gleich 2014 auf die erste US-Sanktionsliste gegen Putin-nahe Personen geraten.

Banken gehen auf Nummer sicher

Die Rotenbergs sind bei weitem nicht die einzigen, die auf Privatjets verzichten müssen. Vor allem seit am 6. April 2018 die zweiten wuchtigen Sanktionen verhängt wurden, traf es einige der Tycoons. Wie Pavel Sacharow von der Charterfluggesellschaft Jet24 gegenüber Forbes erklärte, hätten viele westliche Banken aus Vorsicht ihre Kooperation mit den entsprechenden russischen Kunden beendet. So habe Oleg Deripaska, Chef des weltweit zweitgrößten Aluminiumkonzerns Rusal, nach Einführung der Sanktionen gleich drei Privatjets der Marke Gulfstream G550 zum Einzelpreis von 30 Mio. Dollar aufgeben müssen. Ein ähnliches Schicksal erlitt Gennadi Timtschenko, der seinen Businessjet Gulfstream G650 nicht mehr nutzen kann, weil das Unternehmen Gulfstream aufgrund der Sanktionen den Vertrag ausgesetzt hat und keine Ersatzteile mehr liefert. Timtschenko gehört wie Rotenberg zum engsten Kreis des Kremlchefs, war bis zur Sanktionseinführung Großaktionär des Ölhändlers Gunvor und ist heute nach wie vor Großaktionär des zweitgrößten russischen Gaskonzerns Novatek und des landesweit größten Petrochemiekonzerns Sibur.

Diese und andere Geschäftsleute seien heute gezwungen, Flugzeuge nicht mehr zu kaufen, sondern zu mieten. 

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