Novomatic pausiert beim Kaufrausch

Der niederösterreichische Konzern setzt auf Konsolidierung. Keineswegs aus Geldmangel – vielmehr haben sich einige der zuletzt hurtig gemachten Zukäufe nicht wie gewünscht entwickelt.

Novomatic-Chef Harald Neumann (r.) und Technik-Vorstand Thomas Graf: Aus den USA sollen heuer erstmals Gewinnbeiträge kommen.
Novomatic-Chef Harald Neumann (r.) und Technik-Vorstand Thomas Graf: Aus den USA sollen heuer erstmals Gewinnbeiträge kommen.
Novomatic-Chef Harald Neumann (r.) und Technik-Vorstand Thomas Graf: Aus den USA sollen heuer erstmals Gewinnbeiträge kommen. – Thomas Meyer

London. Gut 100 Firmen hat der Glücksspielkonzern Novomatic allein in den vergangenen drei Jahren gekauft und dafür an die 1,5 Mrd. Euro ausgegeben. Damit ist jetzt vorerst Schluss, denn „wir haben unser Ziel, Marktführer in den Kernmärkten Österreich, Deutschland, Großbritannien, Italien und in Osteuropa zu werden, erreicht“, sagte Novomatic-Boss Harald Neumann bei der Londoner Glücksspielmesse ICE. Zukäufe werde es nur geben, wenn sie „strategisch extrem wichtig sind oder Synergien bringen“. 223 voll konsolidierte Firmen gehören nun zum Imperium von Firmengründer und Eigentümer Johann Graf. Insgesamt gibt es rund 500 Beteiligungen.

Nicht, dass dem Konzern, der im Vorjahr inklusive aller Tochtergesellschaften die Umsatzmarke von fünf Mrd. Euro geknackt hat (die Novomatic AG erreichte knapp drei Mrd. Euro), das Geld ausgeht. Aber Neumann räumt ein, dass rund zehn Prozent der Firmen sich nicht wie gewünscht entwickelten bzw. zu enthusiastisch (und teuer) gekauft worden seien. Heuer stehe deshalb die „Konsolidierung und Optimierung“ des Bauchladens an. Firmen sollen geschlossen, verkauft oder zusammengelegt werden. „Wir brauchen eine schlankere Struktur“, sagte Neumann.

 

Nettoergebnis ist unter Druck

Der radikale Umbau hat freilich auch damit zu tun, dass das Nettoergebnis durch außerordentliche Belastungen schwer unter Druck ist – operativ laufe das Geschäft freilich sehr gut, betonte Neumann. Infolge von Gesetzesänderungen musste die Novomatic in Deutschland rund 100.000 Automaten komplett austauschen und neu aufrüsten und auch rund 100 Spielhallen schließen. Das habe den Konzern in Summe rund 300 Mio. Euro gekostet. Der Nettogewinn hat sich 2017 von 156 auf 61,4 Mio. Euro mehr als halbiert. Und im Vorjahr schlug die australische börsenotierte Tochter Ainsworth, die um 300 Mio. Euro gekauft worden ist, negativ zu Buche. Infolge starker Kursverluste vieler Glücksspielkonzerne verlor auch die Ainsworth-Aktie rund 60 Prozent, was nun laut Neumann massive Wertberichtigungen zur Folge hat. Der Nettogewinn 2018 werde daher noch unter dem Vorjahresniveau liegen.

Trotzdem wird betont: Ainsworth sei kein Fehlinvestment, denn die Australier sind der Türöffner für die USA. Und die seien der Hoffnungsmarkt schlechthin, betonte Neumann. Nach drei Jahren Aufbauarbeit mit einem eigenen Entwicklungszentrum in Chicago und komplizierten und teuren Lizenzierungen sollen aus den USA heuer erstmals Gewinnbeiträge kommen. Die USA haben im Vorjahr das Verbot von Sportwetten aufgehoben, heuer dürften rund 20 Bundesstaaten die Entscheidung des Supreme Court umsetzen. Die Novomatic geht deshalb davon aus, heuer rund 1000 Wettterminals in Casinos aufstellen zu können.

Außerdem will der Konzern dort auch ins Automatengeschäft einsteigen. Der Markt ist riesig und verspricht langfristig Millionenerträge, derzeit sind rund eine Million Spielautomaten in den USA im Betrieb.

 

Brexit tangiert nicht

Neben dem klassischen Automatengeschäft (die Novomatic produziert nicht nur, sie vermietet auch Automaten mit der zugehörigen Software an Spielhallenbetreiber und führt selbst rund 2100 Salons weltweit) stehen Onlinespiele im Vordergrund. Auch da stehen die USA im Fokus, aber auch viele andere Länder, darunter Mexiko und Kolumbien und in Europa Spanien und Rumänien. In Deutschland wird gerade an einer landesweiten Lösung gearbeitet, „da stehen wir Gewehr bei Fuß“, sagte der für Technik zuständige Novomatic-Vorstand, Thomas Graf. Generell gehe man nur in regulierte Märkte, weshalb Russland oder China nicht infrage kommen, ergänzte Neumann.

Der größte Onlinemarkt ist freilich Großbritannien. Dort hat die Novomatic sieben Firmen, davon zwei Produktionswerke mit 3500 Mitarbeitern. „Der Brexit betrifft uns nicht, egal, ob weich oder hart“, meinte Neumann. Was der österreichische Wirtschaftsdelegierte Christian Kesberg der „Presse“ bestätigt. Glücksspiel sei ein lokales Geschäft, die Novomatic – mit Abstand der größte heimische Investor auf der Insel – produziere dort nur für den britischen Markt. Zudem habe das Land eine strenge Gesetzgebung.

Und was tut sich in Österreich, wo die Novomatic 3200 der insgesamt 30.000 Mitarbeiter beschäftigt? „Nicht viel Neues“, sagt Neumann. Hierzulande betreibt der Konzern 2244 Automaten in 148 Salons und 261 Wettfilialen. Natürlich wünsche man sich eine Aufhebung des Automatenverbots in Wien, denn nur so könne man der vielen illegalen Automaten Herr werden und der Spielerschutz greifen.

Die von der Novomatic dazu selbst entwickelten Biometriesysteme könnten ja nur in legalen Salons eingesetzt werden, was schon in Niederösterreich passiert. Zu den Casinos Austria, wo die Novomatic mit 17,2 Prozent nach der Sazka Group und der Staatsholding Öbag drittgrößter Aktionär ist, will und kann Neumann hingegen als Aufsichtsrat nichts sagen. Nur so viel: Die Casinos Austria müssten dringend ihre Kostenstruktur verbessern.

Compliance-Hinweis:
Die Autorin war auf Einladung der Novomatic AG bei der Glücksspielmesse ICE in London.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2019)

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