Telekom schüttelt Altlasten ab und forciert Handynetz-Ausbau

Die Kosten für den Markenrelaunch sind fast verkraftet, jetzt geht es um Schuldenabbau und Modernisierung der Infrastruktur.

Telekom-Boss Thomas Arnoldner will heuer noch mehr investieren.
Telekom-Boss Thomas Arnoldner will heuer noch mehr investieren.
Telekom-Boss Thomas Arnoldner will heuer noch mehr investieren. – (c) Clemens Fabry

Wien. Vor zwei Jahren hat die Telekom Austria beschlossen, die Marke der Gruppe mit ihren Töchtern in sieben Ländern auf „A1“ umzustellen. Diese Maßnahme zur Stärkung der Corporate Identity ist weit mehr als ein Marketing-Gag. Abseits eines enormen organisatorischen Aufwands erfordert sie in Summe Abschreibungen von rund 350 Mio. Euro. Was den Nettogewinn in den vergangenen beiden Jahren mit 121,8 bzw. 197,9 Mio. Euro belastet hat.

Diesen Klotz am Bein hat der Konzern, der mehrheitlich im Besitz der América Móvil des Mexikaners Carlos Slim steht (28,4 Prozent hält die Staatsholding Öbag), nun weitgehend abgeschüttelt. „Wir haben 90 Prozent der Abschreibungen getätigt, und ich gehe bei einer anhaltend guten Marktentwicklung heuer von einem steigenden operativen Ergebnis und auch besserem Nettogewinn aus“, sagt Telekom-Boss Thomas Arnoldner im Gespräch mit der „Presse“. Die Guidance für das Umsatzwachstum hat der Konzern von bisher ein bis zwei Prozent auf nunmehr zwei Prozent angehoben.

Im Vorjahr stieg der Umsatz um 1,8 Prozent auf 4,47 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Finanzierungsaufwendungen (Ebitda) – eine für die Telekombranche signifikante Kennzahl – fiel um 1,6 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro. Bereinigt um Sondereffekte wuchs es um 3,6 Prozent. Der Nettogewinn fiel um knapp 30 Prozent auf 242,7 Mio. Euro, was nicht nur den Markenwertabschreibungen geschuldet war. Vielmehr sind die Verlustvorträge aus früheren Jahren aufgebraucht. Fielen 2017 nur drei Mio. Euro Steuern an, so waren es 2018 99,7 Mio. Euro. Heuer dürften es noch mehr werden.

Während in Slowenien, Kroatien und in dem vom Währungsverfall geprägten Weißrussland der Betriebsgewinn sank und sich in Bulgarien der Verlust um ein Fünftel auf 105 Mio. Euro vergrößerte, lief es in Serbien und Mazedonien besser. Dort drehte das Ergebnis jeweils ins Plus.

 

Ein wenig mehr Dividende

Arnoldner, der seit September Konzernchef ist, zeigt sich insgesamt zufrieden. „Angesichts des anhaltend harten Wettbewerbs vor allem im Mobilfunk und regulatorischer Auflagen (etwa beim Roaming, Anm.) ist das eine tolle Leistung.“ Die Dividende soll daher für 2018 und 2019 21 Cent betragen.

Viel Geld wird die Telekom, die per Jahresende liquide Mittel von 63,6 Mio. Euro (nach 202,4 Mio.) ausweist, heuer aber nicht beiseitelegen können. Denn es sind Investitionen von 770 Mio. Euro veranschlagt, etwas mehr als 2017. Das Gros davon fließt wieder in den Glasfaserausbau. Im Vorjahr habe man 330.000 Haushalte an ultraschnelles Breitband angeschlossen, sagt Arnoldner.

Außerdem kann man davon ausgehen, dass die Telekom bei der noch im ersten Quartal anstehenden Auktion der Handyfrequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G nicht leer ausgehen möchte und sich dies einiges kosten lassen wird. Was die Diskussion um 5G und den mit Spionagevorwürfen konfrontierten chinesischen Netzwerkausrüster Huawei betrifft, erklärte Arnoldner, dass die Telekom bisher mit mehreren Technologielieferanten zusammenarbeite, wobei Nokia der Hauptlieferant sei. Die Entscheidung für den Lieferanten der 5G-Infrastruktur sei noch nicht gefallen. „Wir werden strenge Kriterien anlegen.“

Zukäufe werde es indes nur geben, wenn sie „unsere Strategie unterstützen“. Vorrangig sei nämlich, die Schulden zu reduzieren. Die Nettoverschuldung ist nach Rückzahlung der Hybridanleihe von 600 Mio. Euro auf 2,72 Mrd. Euro gestiegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2019)

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